Übertragung

Eltern sollten Immobilien nicht verschenken

Ob Immobilien oder Geld, im Laufe eines Lebens kann sich schon mal ein kleines Vermögen ansammeln. Manchem mag sich da die Frage stellen, ob es aus steuerlichen und anderen Gründen nicht besser ist, die Kinder schon vorzeitig zu beschenken. Egal wie die Antwort auch ausfällt - sie muss in jedem Fall sehr gründlich bedacht werden.

Auf den ersten Blick klingt es vernünftig: Das Eigenheim bekommt nach dem Tod der Eltern einmal der Sohn. Dann kann ihm die Immobilie auch schon zu Lebzeiten vermacht werden. Doch eine solche Schenkung will eben gut überlegt sein. Sie lässt sich - anders als ein Testament - nämlich nur in sehr engen Grenzen und mit viel Aufwand rückgängig machen.

400 000 Euro Freibetrag

Wenn das Vermögen also schon zu Lebzeiten übertragen wird, sprechen Juristen von der vorgezogenen Vermögensübertragung. Die kann allerdings aus mehreren Gründen sinnvoll sein. Ein Vorzug sei etwa, dass man die Dankbarkeit der Kinder noch erlebe, erklärt Klaus Michael Groll, Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht (München): "Der Volksmund spricht auch vom Geben aus warmer Hand."

Es kann aber auch viel profanere Gründe haben, sein Geld oder sein Haus vorab zu verschenken. Dann nämlich, wenn das Vermögen den Freibetrag überschreitet. "Wenn ich ein Vermögen über 400 000 Euro habe, ist es sinnvoll, das vorab zu verschenken", erklärt Jan Bittler, Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge (Angelbachtal).

Die Steuerbegünstigung durch die vorgezogene Schenkung lohnt sich nach Angaben von Groll aber nicht nur für vermögende Menschen. Auch wenn nicht die Kinder oder Ehepartner als Erben eingesetzt werden sollen, sondern zum Beispiel Neffen und Geschwister, könne ein Vorziehen des Erbes sinnvoll sein: "Hier sind die Freibeträge bei der Erbschaftsteuer nämlich deutlich niedriger."

Die vorzeitige Schenkung kann auch eine Methode sein, um unliebsame Kinder zu enterben. Normalerweise haben sie einen Pflichtteilsanspruch. Wird nun aber ein Vermögen vorzeitig an andere verschenkt, haben leer ausgehende Erben Anspruch auf einen entsprechenden Pflichtteilsausgleich. Allerdings verringert sich dieser Anspruch jedes Jahr nach der Schenkung um zehn Prozent, wie Bittler erklärt: "Nach zehn Jahren ist der Anspruch weg."

Abgesehen von solch speziellen Fällen raten viele Experten allerdings grundsätzlich von vorgezogenen Vermögensübertragungen ab. Jurist Groll sprich sogar vom "Zeitalter des Übertragungswahns": "Viele Eltern werden heute von ihren Kindern unter Druck gesetzt, das Erbe schon zu Lebzeiten zu vermachen. Ich kann nur davor warnen, leichtfertig sein Vermögen zu verschenken."

Das gilt insbesondere für die Übertragung von Wohnungen und Häusern, wie Christian Rupp vom Deutschen Notarverein in Berlin erklärt: "Wenn überhaupt keine Not besteht, die Immobilie zu übertragen, sollte man das auch nicht tun." Das gilt besonders bei selbstgenutzten Immobilien. Entschließt man sich jedoch hier zu einer vorzeitigen Übertragung, muss man sich die Rechte zur Nutzung der Immobilie sichern.

Dabei wird zwischen dem Wohnrecht und dem Nießbrauchsrecht unterschieden, wie Jurist Rupp erklärt: "Kraft Nießbrauchs kann man die Wohnung bewohnen oder auch vermieten. Verkaufen oder belasten darf hingegen nur der neue Eigentümer." Das reine Wohnrecht berechtigt dagegen nicht dazu, die Immobilie einmal wirtschaftlich zu verwerten. "Nach Möglichkeit sollte man sich für den Nießbrauch entscheiden", rät Groll: "Denn dann hat man den wirtschaftlichen Nutzen, auch wenn die Immobilie bereits auf Kinder übertragen wurde."

Schutz vor Sozialamt

Manche Eltern übertragen auch deshalb Immobilien auf die Kinder, um das Eigentum im Falle eines längeren Heimaufenthalts vor dem Zugriff des Sozialamts zu schützen. Doch diese Rechnung muss nicht aufgehen. Im Fall eines Nießbrauchsrechts würde der Staat nämlich Ansprüche auf die Erträge aus der Wohnung stellen.