Stechpalme

Vorgängerin des Weihnachtsbaums

Der Weihnachtsbaum hat sie verdrängt: Bevor Tanne und Fichte im 19. Jahrhundert die Wohnzimmer eroberten, schmückten Stechpalmenzweige das Advents- und Weihnachtszimmer. In England hat sich dieser Brauch nie verloren, in Deutschland gewinnt er langsam wieder an Bedeutung. Schließlich passen die Farben der Stechpalme mit ihrem Rot gut zu Weihnachten und mit den dunkelgrünen Blättern symbolisch zur Hoffnung.

Aber wer die Blätter mit den Dornen betrachtet, ahnt: Ursprünglich ging es nicht um Liebe und Hoffnung. Abwehr von Geistern und bösem Zauber war vielmehr der Grund, dass Kelten und Germanen Haus und Hof mit den immergrünen Zweigen behängten. Gerade zur Wintersonnenwende waren die Unholde unterwegs. Mit den pieksenden Dornen, so glaubte man, ließen sie sich abschrecken.

Christliches Symbol

Schwer hatte es das Christentum, die Menschen von ihrem heidnischen Glauben abzubringen. Daher erklärte die Kirche Ilex-Zweige kurzerhand zum Christus-Symbol. Das stachelige Grün wurde zur Dornenkrone und die roten Beeren zu Blutstropfen. Nun stand die Pflanze für das Versprechen auf Erlösung und durfte - mit neuem Sinngehalt - weiter verwendet werden. Die neue Deutung passte auch zum Palmsonntag, an dem sie mit Palmkätzchen und anderen zum Palmbusch gebunden wurde. Beim Gang in die Kirche machte sie mit ihren scharfen Blattspitzen auf sich aufmerksam, was ihr den Namen Stechpalme eintrug.

Der Liebe zu der Immergrünen tat all das keinen Abbruch. Viel zu schön ist das wie gelackt glänzende Laub. Nah beim Haus, als Skulptur neben Hortensien, Wachsglocken und Herbstanemonen, aber auch an der Grundstücksgrenze als wehrhafte Hecke findet die Stechpalme ihren Platz. Dabei kann man von "der" Stechpalme nicht mehr sprechen. Züchtung und Auslese haben eine große Vielfalt geschaffen.

"Alaska" zeichnet besonders reicher Fruchtschmuck aus. "Pyramidalis" wächst kegelförmig. "Myrtifolia" besitzt kleines, an Myrten erinnerndes Laub. "Silver Queen" zeigt graugrün marmorierte Blätter mit breitem weißem Rand. Strahlendes Gelb bietet Ilex x altaclarensis "Golden King" - wie alle buntlaubigen Sorten ist sie etwas frostempfindlich. Für rauhe Standorte bietet sich stattdessen "Rubricaulis Aurea" mit ihrem gelben Rand an. Wer die scharfen Spitzen fürchtet: "Swantje" besitzt große, glatte, wehrlose Blätter, zwischen denen ab Herbst orangerote Beeren schimmern.

Vom gewohnten Ilex-Bild weichen die Japanischen Stechpalmen ab. Klein, rundlich bis oval und ohne Dornen sitzen die Blätter an den Zweigen. Sind sie blasig aufgewölbt, wie bei der Sorte "Convexa", meint man einen Buchsbaum vor sich zu haben.

Sonne und Schatten

Während die heimische Stechpalme als Waldpflanze eher schattige Plätze bevorzugt, hält die japanische Ilex es in Sonne und Schatten aus. Nur Wintersonne und Winde können ihr gefährlich werden. Humose, saure bis neutrale und feuchte Böden sind für beide wichtig. Auf lehmig-tonigen, staunassen und verdichteten Standorten kränkeln sie.

Die Japanerin bleibt mit zwei bis 3,50 Metern kleiner als die heimische Stechpalme, zeigt aber ähnlich viele Variationen bei Wuchsform und Blattfarbe. Auch von ihr gibt es buntlaubige, säulenförmige, breit- und zwergwüchsige Sorten. Das macht sie zum Gehölz für kleine Gärten.

Für Weihnachtszweige sollte es jedoch die Stechpalme selbst sein mit ihrem ledrig-glänzenden Laub, das enorm haltbar ist. Schräg angeschnitten und ins Wasser gestellt, erfreuen die Zweige selbst im warmen Zimmer wochenlang. Aber auch ohne Wasser halten sie sich: mit einer roten Schleife zum Wand- oder Türschmuck zusammengefasst oder als Dekoration für Tisch und Bücherbord. Sogar zum Kranz lässt sich Ilex binden. Aber dazu zieht man besser Handschuhe an.