Thomas Herrendorf

Stilvoller "Adlerhorst" auf der vierten Ebene

Warum es einen eingefleischten Westberliner wie Thomas Herrendorf in den Osten der Stadt zieht? "Weil es endlich Zoom gemacht hat", sagt der 56-Jährige und lächelt. Hier an der Nahtstelle von Mitte und Prenzlauer Berg habe er genau das passende Lebensumfeld gefunden.

Dieses bunte Flair, das er als Kosmopolit braucht, das ihn an zahlreichen Reisen quer durch die Welt erinnert. Diese verrückte Mischung aus Urberlin und weiter Welt, aus Glamour, Kitsch und Bodenständigkeit. Und natürlich dieses Wohnensemble, für das er sich entschieden hat: Marthashof.

Hier schafft ein offener Hof Geborgenheit und Ruhe, ohne dabei zu isolieren. Es scheint wie ein Dorf mitten in der Stadt. "In Marthashof sind wir alle weit genug voneinander entfernt und leben dennoch miteinander." Thomas Herrendorf nennt es eine "für Berliner Verhältnisse wunderbare Distanz", die durch die Vielseitigkeit des hier entstehenden Wohnraums eine breite Mischung an Menschen zusammenführt. "Mit diesem Kleinkosmos gelingt dem Projektentwickler, der Stofanel Investment AG, etwas ziemlich Einzigartiges in und für diese Stadt", sagt Herrendorf.

Nichts stört den Blick

Seine Wohnung in der vierten Ebene nennt der international tätige Inneneinrichter "meinen Adlerhorst". Die Panoramafenster reichen vom Boden bis zur Decke. Nichts stört den Blick hinaus - in den Hof und in den Himmel über Berlin. "Ich mag es sehr, auch auf diese Weise am urbanen Leben teilzuhaben", sagt Herrendorf. Die 190 Quadratmeter seines neuen Zuhauses habe er dem Ambiente dieses Objektes angepasst. Hinter der Idee seines bewusst offen gehaltenen Wohnkonzeptes steht höchster Genuss. "Ich wollte jeden Zentimeter nutzen und möglichst von überall alles überblicken können."

Die Wohnung ließ er in Zusammenarbeit mit dem Stofanel-Team so anlegen, dass der Wohnbereich die größte Fläche einnimmt. Der Schlafraum sowie das kombinierte Ankleide/Gästezimmer sind eher klein. Aber selbst sie integrieren sich gekonnt in die Offenheit des Gesamtensembles - durch raumhohe Schiebetüren, die bei Bedarf in der Wand verschwinden. "So kann ich aus der Badewanne bis zur Terrasse an der gegenüberliegenden Seite der Wohnung blicken", sagt Herrendorf. Und freut sich darüber, dass es ihm gelungen ist, auch den zwei Bädern durch Schiebeelemente zu Tageslicht zu verhelfen.

Barock trifft Belle Epoque

Für die italienische Designerin Giovanna Stefanel-Stoffel, die als Art Director der Stofanel Investment AG fungiert und Marthashof gemeinsam mit ihrem Mann Ludwig Maximilian Stoffel entwickelt hat, ist Herrendorfs offener Grundriss gleichzeitig Geste seiner Gastfreundlichkeit. "Man spürt, dass man willkommen ist", sagt sie. In der Weite des Raumes genauso wie in der gemütlichen Sitzecke, wo nicht nur die Sofas, sondern auch ausgewählte Kissen auf dem Teppich zum Verweilen einladen. Und natürlich am großen Esstisch - einem besonders uriges Stück, das durch sein außergewöhnliches Dekor auffällt: "Aus Venedig, mit den Spuren von Wasserwürmern", erklärt Herrendorf.

Gleich daneben wird gern gekocht. Obgleich - bis auf den dezenten Arbeitsblock mit Herd und Spüle - nicht wirklich etwas auf Küche hindeutet. "Ist aber alles da", beweist der Hausherr mit ein paar Handgriffen. Geschirr, Geräte und Co. verbergen sich hinter Schiebeelementen. Genau wie all die anderen Utensilien. "Ich habe keine Abstellkammer, dafür aber diese in die Wand eingelassenen Schränke." Weil die ohne Türgriffe auskommen und bis zur Decke reichen, sieht man sie erst auf den zweiten Blick.

Ausgefeiltes Lichtkonzept

Auch das ist natürlich Absicht. Nichts soll von der Großzügigkeit des Raumes und den dort sehr überlegt platzierten wertvollen Einzelstücken ablenken. Die meisten davon hat Sammler Herrendorf auf Reisen zusammengetragen. "Jedes Stück erzählt eine Geschichte", sagt er. Und, dass er alles gerne kombiniert.

"Ich bin zwar nicht modisch und folge jedem Trend, aber ich bin so mutig, meine Potsdamer Barockvitrine mit den Burmesischen Tempelwächtern aus dem 17. Jahrhundert und dem Wiener Belle Epoque-Lüster zu kombinieren", erklärt Herrendorf. Man dürfe Liebgewonnenes nicht eliminieren, nur weil es gerade nicht modern ist, das ist seine feste Überzeugung.

Zur besonderen Stimmung gehört auch ein ausgefeiltes Lichtkonzept. Mit punktueller Ausleuchtung holt er in den Blickpunkt, was ihm wichtig ist. Zum Beispiel die besondere Partie eines Bildes oder eine Skulptur. "Licht muss sanft sein und Stimmungen erzeugen", sagt er. Ein Ansatz, der auch für Farben gilt. Sitzmöbel, Teppiche, Vorhänge - alles spiegelt in warmer Modernität die natürlichen Töne der Stadt und des Himmels wider: "Ich hole die Nuancen und Facetten von draußen nach innen."

Schon jetzt freut sich Herrendorf auf die großen Bäume, die Giovanna Stefanel-Stoffel für den Innenhof ausgewählt hat. Noch ist hier Baustelle, aber bald soll jene grüne Oase entstehen, die das Gesicht von Marthashof entscheidend mit prägt. "Für mich macht die besondere Lebensqualität dieses Objektes aus, dass wir so viel Grün haben werden", sagt die Italienerin. Das Marthashof-Markenzeichen ist übrigens die Glyzinie. Sie soll bald als Kletterpflanze ihren Duft entfalten: "Das ist wunderbare Natur im prallen Großstadtleben."