Haussteuerung

Wie lebt man mit einer sprechenden Küche?

Sprechende Küchen und andere Hightech-Hilfen im Haus sollen vor allem Älteren künftig das Leben leichter machen. Die müssten dafür jedoch ihre gewohnte Umgebung oft verlassen.

Der elektronische Kochassistent empfiehlt heute Zitronenhühnchen mit Paprika und Zucchini. Das Rezept erscheint in großen Lettern auf dem Display am Küchenschrank. Der Assistent prüft den Inhalt des Kühlschranks und schickt die Zutaten-Einkaufsliste aufs Handy.

Vor dem Braten sagt die elektronische Stimme später: "Fetten Sie die Pfanne ein." Das ist ein Ratschlag, über den sich Seniorinnen im DAI-Labor der Technischen Universität Berlin regelmäßig empören: "Für wie blöd hält mich der Computer?"

Das DAI-Labor ist ein Informatik-Institut, das an intelligenten Systemen für die Zukunft tüftelt. Es geht um den Zeitraum 2020 Plus. Ob die Küche der Zukunft wirklich so aussehen wird, ist dabei nicht entscheidend. Die Frage lautet vielmehr: Was ist technisch möglich und so interessant, dass es später einmal einen Massenmarkt finden könnte?

"Für Menschen, die im digitalen Alltag aufgewachsen, wird das später nicht fremd sein", glaubt DAI-Mitarbeiter Paul Zernicke. Die heutige Seniorengeneration aber steht bei Tests oft eher kopfschüttelnd im Labor: ein Gesundheitsassistent, der abends für Ernährung und Bewegung Punkte verteilt. Ein Energiemanager, der via Bildschirm fragt, ob das Licht brennen soll.

Heute geht es vielen Senioren nicht um Hightech-Hilfen. 95 Prozent möchten laut Umfragen so lange wie möglich in ihren gewohnten vier Wänden bleiben. Doch nur fünf Prozent der elf Millionen Seniorendomizile sind altersgerecht - ohne Stufen, Schwellen und mit passenden Bädern. Und das Problem wächst stetig: 6,4 statt heute 4,1 Millionen Bundesbürger werden 2030 über 80 Jahre alt sein.

"Ambient Assisted Living" heißt heute der Fachbegriff, der sich etwas umständlich mit "umgebungsunterstütztes Leben" übersetzen lässt. Technik passt sich dabei im besten Fall den Bedürfnissen ihres Nutzers an. Die Rede ist von "intelligenten" Fußböden, die einen Sturz registrieren und an eine Notrufzentrale melden. Und es gibt die Idee der kameraüberwachten Wohnung. Doch wollen Senioren das?

Den Wohnungsschlüssel, Feindbild zittriger Hände, soll es in Zukunft nicht mehr geben. Die Tür öffnet durch einen kleinen Chip, der sich als Armband tragen lässt. Beim Eintreten geht automatisch das Licht an. Beim Verlassen der Wohnung schaltet eine Steckkarte Herd, Bügeleisen oder Kaffeemaschine aus. Ein Piepton warnt, wenn Fenster offenstehen.

Das alles hat seinen Preis, manchmal mehr als 1000 Euro pro Quadratmeter. Doch das Bauministerium hat inzwischen Programme für Umbauen im Alter aufgelegt - es gibt unter anderem zinsverbilligte Darlehen.

Für das Kuratorium Deutsche Altenhilfe ist die äußere Hülle aber nicht alles. Zum seniorengerechten Wohnen gehörten nahe Einkaufsläden, Pflegedienstangebote und soziale Kontakte. Die Einfamilienhäuser in grünen Randlagen sind mangels Infrastruktur fürs Alter zumindest oft ungeeignet. So mancher nennt sie schon spöttisch "Witwengürtel".