Architektur

Neue Villen im alten Grunewald-Stil

"Es gibt Häuser, die machen einen traurig, und Häuser, die machen einen glücklich", meinen die Architekten Werner Kless und Gabriel Cruz Benedetti. Sie haben sich vorgenommen, nur Häuser zu bauen, die Kunden glücklich machen. "Ich mache keine 08/15-Architektur, ich mag diese zeitgenössische Bauhausnachfolger-Architektur, die heute an den Unis gelernt wird, nicht", sagt Kless.

Bei ihm sollte es "romantisch, barock sein und vor allem zu den regionalen Konstellationen, der Geschichte der Umgebung passen", erklärt er ihren Arbeitsstil.

Das gilt insbesondere für den Berliner Bezirksteil Grunewald. Hier begegnet man verspielten, barocken Villen der beiden Architekten, die erst in den letzten Jahren gebaut wurden - aber eben im alten Grunewald-Stil.

"Der Grunewald hat seine Geschichte. Die Villen hier wollen etwas präsentieren, ohne kitschig zu sein. Der Tradition fühle ich mich verpflichtet", betont Kless.

Sein Kollege, der gebürtige Kolumbianer Gabriel Cruz Benedetti, ist Anfang der Achtziger nach Berlin gekommen. Auch er fühlt sich der Romantik in der Architektur verpflichtet, steht aber auch für moderne Architektur mit klaren Linien.

Zusammengebracht hat die beiden Architekten vor Jahren ein befreundeter Innenarchitekt. "Er meinte, wir würden uns gut ergänzen, und er hatte Recht", sagt Cruz Benedetti: "Wir haben schon an die 20 Häuser, Villen aber auch größere Projekte zusammen geplant und haben uns dabei stets an der Geschichte der Umgebung orientiert und an der Topographie", erläutert Cruz Benedetti. So wurden ehemals abgetragene Hügel wiederhergestellt oder andere Landschaftselemente in die Planung einbezogen.

Keine Uniformität

Doch es geht nicht immer reibungslos zu. "Gerade die Planungsämter haben oft andere architektonische Vorstellungen, die aber nicht für den Grunewald passend sind. Wir möchten Uniformität vermeiden. Vielfalt, Kunst, Romantik - das ist der Grunewald", sagt Werner Kless.

Der mittlerweile für seinen Stil über die Grenzen Berlins bekannte Architekt musste sich am Anfang seiner Karriere "richtig durchbeißen". Gefördert wurde er dabei von seinem Mentor, dem bekannten Architekten Rolf Gutbrod. Beim Erbauer der Stuttgarter Liederhalle oder des Deutschen Pavillons bei der Weltausstellung 1967 in Montreal ist Kless "in die Lehre gegangen".

"In den 70er-Jahren war Gemütlichkeit in der Architektur verpönt", sagt er und erinnert sich an sein erstes größeres Projekt Anfang der 80er-Jahre in Berlin. "Das war sozialer Wohnungsbau in der Helgolandstraße. Ich habe für die Häuser Türme und unterschiedliche Hauseingänge geplant und dafür Kopfschütteln geerntet. Doch den Bewohnern gefällt es. Inzwischen sollen die Wohnungen zu Eigentumswohnungen umgewandelt werden", erklärt Kless stolz.

Heute können sich die beiden Architekten vor Aufträgen kaum retten. Der gebürtige Stuttgarter Kless, der einst den Dienst bei der Bundeswehr verweigerte und dafür nach Berlin zog, fühlt sich im neuen Trend bestätigt: "Man gibt wieder offen zu, dass man romantisch wohnen will."

So seien auch die alten Gewerke wie Stuckateur, Zimmermann, Tischler oder Maurer wieder im Aufwind. "Es wird wieder richtig gemauert. Das ist eine Renaissance des Fröhlichen. Funktionelle Gebäude entsprechen den Menschen nicht", sagt Kless.

Dass es im Grunewald kaum neue Grundstücke gibt, stört ihn nicht. Für dieses Problem gebe es eine einfache Lösung: "Unsere Kunden kaufen Häuser aus den 50er-, 60er-Jahren und lassen sie abreißen. An ihrer Stelle planen wir dann eine an die heutige Zeit mit ihrem Know-How angepasste Villa im romantischen Stil", erklärt Cruz Benedetti.

Zu den Kunden der Architekten gehören viele gut betuchte, aber auch um ihre Privatsphäre besorgte Neu- und Altberliner, die ihre Namen nicht in der Presse lesen möchten. Auf Kless und Cruz Benedetti angesprochen, zeigen sie sich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. So habe der eine oder andere Kunde den Architekten schon einen weiteren Auftrag erteilt oder sie weiterempfohlen.

Das Wichtigste ist für beide, "dass sich die Bewohner in den Häusern später wohl fühlen", erklärt Kless, der alle Pläne noch per Hand zeichnet. "Ich habe das mit dem Computer mal versucht und schnell herausgefunden, dass es nichts für mich ist. Wenn die Pläne am Computer umgesetzt werden müssen - Genehmigungs- und Ausführungsplanungen, Visualisierungen usw., dann macht das der Gabriel", sagt er und lächelt: "Auch wieder so eine Sache, in der wir uns ergänzen."

Auf die Frage, in welcher Villa er wohnt, antwortet Gabriel Cruz Benedetti: "Ich lebe noch in meiner Studentenwohnung. Da sind die Kinder groß geworden. Da hängen zu viele Erinnerungen dran". Werner Kless pflichtet ihm bei: "Wir müssen uns nicht selbst verwirklichen."

Ein Kompliment

Werner Kless fällt noch "das schönste Kompliment ein, das er je von einem seiner Kunden bekommen hat: Ein junger Mann war in der sozialen Wohnsiedlung in der Helgolandstraße, einem seiner ersten Projekte, aufgewachsen. Als beide sich mal trafen, "sagte er zu mir, er hätte das Gebäude immer als sein Vaterhaus betrachtet - das ist das Schöne, dass so etwas auch im sogenannten Vielfamilienbau möglich ist. Etwas Schöneres habe ich über meine Häuser noch nicht gehört."