Klima

Alter Irrglaube: Wände müssen atmen können

Die Auffassung hält sich hartnäckig in den Köpfen: Wände müssen atmen, um einen Luftaustausch und die Feuchteabfuhr sicherzustellen. Was bei unserer Kleidung vernünftig ist, gilt jedoch nicht für Hauswände. Sie sind immer wind- und luftdicht. Schimmel an Wandstellen resultiert daher nicht aus einem Mangel an Feuchtetransport durch eine Dämmung der Gebäudehülle, so die Aktion "Zukunft Altbau".

Die "irrige Vorstellung von der Luftdurchlässigkeit" gehe zurück auf eine Theorie aus dem 19. Jahrhundert und sei längst widerlegt. "Richtig ist: Ohne einen Luftaustausch drohen dicke Luft und Schimmel", sagt Claudia Rist vom Landesprogramm des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr Baden-Württemberg: "Die Belüftung erfolgt aber nicht über die Wände, sondern durch das Fensteröffnen oder eine Lüftungsanlage."

Die Vorstellung, eine Wand müsse wie die Haut und die Kleidung atmungsfähig sein, stammt von dem bedeutenden Wissenschaftler Max von Pettenkofer (1818-1901). Pettenkofer ist einer der Begründer der modernen Hygiene und schuf eine wesentliche Grundlage für die Entwicklung des Periodensystems.

Undichte Fenster

Doch bei der Wandatmung täuschte er sich. Bereits 1928 wurde seine These widerlegt. Intakte Wände lassen praktisch keinen Luft- und Feuchtetransport zu. Außerdem kommt in der Regel luftdichter Putz auf das Mauerwerk. Lässt eine Wand doch Luft durch, ist sie baufällig.

Tatsächlich zieht es in älteren Häusern öfters. "Die Ursache dafür sind aber meist nicht die Wände, sondern undichte Fenster", weiß Dieter Bindel, der Vorsitzender des baden-württembergischen Landesverbandes der Gebäudeenergieberater, Ingenieure, Handwerker (GIH): "Alte Fenster 'atmen', indem sie über undichte Fugen unkontrolliert Frischluft nach innen lassen - und viel Wärme nach draußen." Bei richtig eingebauten Wärmeschutzfenstern sei das heute nicht mehr der Fall. Dadurch steige der Lüftungsbedarf, sonst drohen dicke Luft und an ungedämmten Wänden im schlimmsten Fall sogar Schimmel.

Wichtig sei daher ein regelmäßiger Luftaustausch. Hausbesitzer können zwischen mehreren Lüftungsvarianten wählen, etwa regelmäßigem Querlüften. Besonders komfortabel sind automatische Lüftungsanlagen.