Kreditzinsen

Wie Bausparer Enttäuschungen vermeiden

Heute auf höhere Zinsen verzichten, dafür später von einem geringeren und vor allem langfristig planbaren Kreditzins profitieren: Das ist die Idee des Bausparens, und diese wirkt gerade derzeit bestechend, da vielfach eine schnell steigende Inflation und damit auch höhere Zinsen befürchtet werden. Allerdings sollten Verbraucher auch die Haken des Bauspar-Modells kennen.

Wer eine Immobilie finanzieren möchte, spart beim klassischen Bauspar-Prinzip zunächst einmal Eigenkapital bei seiner Bausparkasse an, und zwar 30 oder 50 Prozent der sogenannten Bausparsumme. In dieser Sparphase erhält der künftige Bauherr einen im Vergleich mit Bankangeboten geringeren Anlagezins. Im Gegenzug sichert ihm die Bausparkasse auf Basis des aktuellen Zinsniveaus einen Kreditzins für den noch fehlenden Teil der Bausparsumme zu - und diese Garantie wird bereits jahrelang im Voraus gegeben. Es handelt sich also um eine Wette auf die Zukunft der Zinsen.

"Steigen die Bauzinsen in den nächsten Jahren deutlich an, ist Bausparen heute bestimmt vorteilhaft für den Kunden, denn er hat sich einen guten Darlehenszins gesichert", sagt Jörg Sahr, Baufinanzierungsexperte der Stiftung Warentest: "Sollten die Bauzinsen aber nur geringfügig steigen, wäre er mit normalem Ansparen und einem normalen Hypothekenkredit besser dran."

Auf Zinsen verzichtet

Es gibt einige Bauspar-Kunden, deren Zinswette nicht aufgegangen ist. Bei vielen älteren Tarifen, die jetzt zugeteilt werden, beträgt der Effektivzins mehr als 5,0 Prozent. Die Angebote von Banken liegen mittlerweile mit etwa vier Prozent (bei zehn Jahren Zinsbindung) deutlich darunter. Das Bauspar-Darlehen wäre daher eindeutig ein schlechtes Geschäft. "Zum Glück wird niemand gezwungen, das Bauspar-Darlehen wirklich abzurufen - man kann darauf auch verzichten", betont Sahr. Allerdings hat der Kunde dann unsinnigerweise auf Ansparzinsen verzichtet und eine Abschlussgebühr bezahlt, die in den meisten Fällen bei 1,0 Prozent der Bausparsumme liegt.

Solchen Enttäuschungen können Bausparer vorbeugen, indem sie vor Vertragsabschluss auf das Kleingedruckte bei ihrem Tarif achten. In einigen ihrer Angebote sichern die Bausparkassen ihren Kunden zu, dass sie ihnen beim Verzicht auf das Bauspardarlehen die Abschlussgebühr erstatten und zusätzlich einen Zinsnachschlag zahlen.

Prämien kassieren

Mit einem solchen Tarif bleiben die Kunden flexibler, falls sie sich zum Beispiel entscheiden sollten, doch nicht zu bauen, oder falls die Marktzinsen während der Vertragslaufzeit noch weiter in den Keller gehen sollten. Einen Nachteil haben solche Tarife allerdings auch: Die Finanzierungskonditionen wie etwa der Zins für ein später beanspruchtes Darlehen sind meist etwas schlechter.

Oft ist auch die staatliche Förderung ein Argument, dass sich Immobilienbesitzer in spe für das Bausparen entscheiden. Zum einen kann der Sparer die Riester-Förderung beanspruchen. Zum anderen sind aber auch Arbeitnehmer- und Wohnungsbauprämie möglich.