Dämmkosten

Energieauflagen machen das Wohnen teurer

Deutschlands Wohnungsmieter müssen sich auf deutliche Mieterhöhungen einstellen. Mit einem neuen Energieeffizienzplan will die EU-Kommission Unternehmen verpflichten, pro Jahr drei Prozent ihres Wohnungsbestands energetisch zu sanieren.

Die Eigentümer wären in diesem Fall gezwungen, die Kosten durch Mieterhöhungen auf die Mieter umzulegen. "Der Mietanstieg würde die Heizkostenersparnis deutlich übersteigen", sagt eine Sprecherin des GdW Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen.

Stimmt das EU-Parlament zu, würde die Modernisierungspflicht voraussichtlich von 2013 an zunächst für Wohnungsunternehmen der öffentlichen Hand gelten. Die 735 kommunalen Gesellschaften halten mit 2,4 Millionen Wohnungen 10,4 Prozent des Gesamtbestands von 23 Millionen Wohnungen in Deutschland. Nach einer Studie der Leibnitz-Universität Hannover für die Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) würde jedoch allein die Sanierung dieser kommunalen Wohnungen sowie der 190 000 öffentlichen Schul- und Verwaltungsgebäude in Deutschland rund 40 Milliarden Euro verschlingen.

Sanierungsquote erhöhen

"Auf Mieter und Kommunen würde eine Mehrbelastung zukommen, die nur schwer zu schultern ist", sagt Prof. Paul-Lothar Müller von der Leibnitz-Universität Hannover. Die Immobilienbranche fürchtet, dass anschließend auch die übrigen Wohnungsvermieter zur raschen energetischen Sanierung verpflichtet werden. "Der Modernisierungszwang für die öffentliche Hand dürfte nur das Einstiegstor zu einer umfassenden Sanierungspflicht aller Besitzer sein", sagt Gerold Happ vom Eigentümerverband Haus & Grund.

Mit dem Energieeffizienzplan will die EU-Kommission die Sanierungsquote im Wohnungsbestand aller Mitgliedsländer deutlich erhöhen. Das ist auch das Ziel der Bundesregierung.

Für Mieter erhöhen sich bei der energetischen Sanierung der Wohnung die finanziellen Belastungen. Die Kosten für den Einbau von Dämmstoffen und modernen Heizungsanlagen übersteigen die Heizenergieersparnis. Nach einer Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) senkt eine energetische Sanierung bei Gründerzeithäusern den Heizenergieverbrauch lediglich um 10,6 Prozent. Selbst bei Mehrfamilienhäusern, die zwischen 1950 und 1960 errichtet wurden, beträgt die Energieersparnis nur 27 Prozent.

"Durch den EU-Energieeffizienzplan würden unzumutbare Belastungen für die Mieter entstehen", kritisiert GdW-Präsident Axel Gedaschko. Zudem fürchten öffentliche Wohnungsunternehmen, durch die Mieterhöhungen Mieter an private Eigentümer zu verlieren, weil diese zunächst nicht zur Sanierung verpflichtet sind. "Die kommunalen Wohnungsunternehmen würden in ihrer Leistungsfähigkeit überfordert", sagt Gedaschko.

Der Eigentümerverband Haus & Grund sieht die privaten Vermieter nicht als Gewinner im Wettbewerb. "Die Gefahr besteht, dass kommunale Wohnungsunternehmen in diesem Fall den Großteil der von der Bundesregierung zur Verfügung gestellten Fördermittel über die staatliche KfW-Bank erhalten werden", sagt Haus-&-Grund-Jurist Happ. Private Eigentümer würden damit Zuschüsse und zinsverbilligte Darlehen für die Modernisierung und den altersgerechten Umbau ihrer Eigenheime und Eigentumswohnungen verlieren. "Das würde private Besitzer umso härter treffen, wenn ihnen anschließend auch noch eine Sanierungspflicht auferlegt wird", sagt Happ.

Nach Schätzungen der Deutschen Energie-Agentur (Dena) wird die Zahl der energetischen Gebäudesanierungen 2011 im Vergleich zum Vorjahr bundesweit um die Hälfte zurückgehen. Wesentliche Gründe dafür sieht die Dena in dem seit Monaten schwelenden Streit um steuerliche Anreize und nicht ausreichende Förderprogramme. Sie fordert deshalb Bundesregierung und Länder auf, eine schnelle Lösung im Streit über die steuerliche Förderung der Gebäudesanierung zu finden und das Fördervolumen auf fünf Milliarden Euro zu erhöhen.

Mehr Steuern mit Sanierung

"Die Hausbesitzer sind extrem verunsichert und nehmen energetische Sanierungen immer weniger in Angriff", sagt Dena-Chef Stephan Kohler. "Wenn die steuerliche Erleichterung der Gebäudesanierung nicht kommt, ist eine große Chance vertan. Die Bundesregierung muss jetzt dringend handeln und den Vermittlungsausschuss anrufen, um den Steueranreiz für hocheffiziente energetische Sanierungen doch noch zu retten." Die Steuererleichterung müsse zudem auch auf Teilsanierungen ausgeweitet werden. Die von der Bundesregierung angestrebte und notwendige Verdoppelung der Sanierungsrate auf zwei Prozent sei sonst nicht zu schaffen.

Eine Studie für den Verbändekreis Energieeffizienz und Klimaschutz hatte am Beispiel einer neuen Heizung gezeigt, dass eine staatliche Sanierungsförderung deutlich mehr Geld in die Kassen von Bund, Ländern und Kommunen spült als sie den Staat kostet. So würde jeder Euro Mindereinnahmen aufgrund von Steuererleichterungen durch 1,17 Euro Steuermehreinnahmen mehr als ausgeglichen. Zudem plädiert die Dena dafür, die steuerliche Absetzbarkeit unabhängig vom persönlichen Steuersatz zu gestalten, da andernfalls Geringverdiener erheblich weniger von der Förderung profitieren.