Eigenbedarf

Genossenschaft: Keine Angst mehr vor dem Rauswurf

Rauswurf wegen Eigenbedarf - das ist die größte Sorge vieler Mieter. Eine Alternative sind Genossenschaften: Dort bekommen Mitglieder einen "Dauernutzungsvertrag" - und können nicht rausfliegen.

Entstanden sind die ersten Bau-Genossenschaften im 19. Jahrhundert, um für Mitglieder günstigen Wohnraum zu schaffen. Heute gehören den 2000 Bau-Genossenschaften zwei Millionen Wohnungen.

Das Prinzip: Mitglieder erwerben Anteile an einer Genossenschaft und stellen damit ähnlich wie ein Aktionär Eigenkapital bereit. Am Erfolg sind sie zweifach beteiligt: einerseits mit einer jährlichen Dividende auf ihr Genossenschaftsguthaben, andererseits mit dem Anspruch auf eine Wohnung nach den jeweiligen Vergabebedingungen.

Die Vorteile fangen dabei mit der günstigen Miete an: Die "Nutzungsgebühr" ist mitunter deutlich günstiger als eine vergleichbare Miete auf dem privaten Mietwohnungsmarkt. Möglich ist das, weil die Bau-Genossenschaften nur kostendeckend arbeiten müssen, außerdem fallen auch die Verwaltungskosten aufgrund der oft großen Zahl von Immobilien im Verhältnis etwas geringer aus.

Bekommt das Genossenschaftsmitglied eine Wohnung zugesprochen, so wird kein Mietvertrag, sondern ein Dauernutzungsvertrag geschlossen. Der Mieter erhält damit ein lebenslanges Nutzungsrecht. Kündigungen sind nur bei Fehlverhalten möglich, etwa wenn die Nutzungsgebühr nicht gezahlt wird oder andere Hausbewohner belästigt werden.

Für die Wunsch-Wohnung müssen Genossenschaftsmitglieder allerdings Wartezeiten in Kauf nehmen - je nach Lage, Größe und Ausstattung können das mehrere Jahre sein. Familien werden meist bevorzugt, so dass beispielsweise Paare ohne Kinder eventuell viel Geduld brauchen.

Gut dran ist, wer ohne akute Wohnungsnot einen Start-Anteil erwirbt (etwa 300 bis 1000 Euro) - und das zunächst als gut verzinste Geldanlage betrachtet. Ab dem ersten Anteil läuft die Wartezeit, weitere Anteile sind je nach Wohnungsgröße erst bei Einzug nötig.

Die Nachteile: "Dem Genossen sollte klar sein, dass er eine unternehmerische Beteiligung eingeht. Geht eine Genossenschaft pleite, kann er seine Einlage verlieren - im schlimmsten Fall trifft ihn zudem noch eine Nachschusspflicht", sagt Jörg Sahr, Experte der Stiftung Warentest. Das heißt, das Mitglied haftet möglicherweise noch für Schulden.