Dachgeschossausbau

Raum für neue Ideen

Kein Platz mehr für ein Kinderzimmer? Der Küchentisch wird zum Arbeitsplatz? Wenn im Haus dauerhaft Platznot herrscht, kann der Ausbau des Dachs zu einem großen, lichtdurchfluteten Zimmer oder gar zu einer ganzen Wohnung eine Lösung sein.

Dachwohnungen waren früher die Behausung der armen Leute. Unter den Schrägen wohnten Dienstboten, Studenten oder arme Poeten. Im Winter war es kalt, im Sommer heiß und zugig das ganze Jahr über. So sieht man das heute längst nicht mehr: Dachgeschosswohnungen sind beliebt, da ihre Räume lichtdurchflutet sind. Auch kann das Geschoss als Erweiterung zur darunter liegenden Wohnung dienen und ein Arbeitszimmer oder ein Kinderzimmer werden.

Doch nicht jeder Speicher ist zum Ausbau geeignet. "Dächer kann man zwar theoretisch schon ab 20 Grad Dachneigung ausbauen", sagt Ulrike Heuberger vom Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks in Köln. Doch nicht immer ist dort genügend Fläche mit ausreichender Kopfhöhe vorhanden.

Dächer mit einer Neigung zwischen 20 und 35 Grad könnten als Gästezimmer ausgebaut werden, eigneten sich aber selten für einen ständigen Aufenthalt. Hohen Wohnkomfort bietet der entstehende Raum laut Heubergers Einschätzung erst ab einer Dachneigung von 35 Grad - das gewährleiste, dass genügend Wohnraum mit einer Höhe von 2,30 Meter zur Verfügung steht.

Holzpfosten sorgen für Flair

"Auch die Art des Dachtragwerkes entscheidet über Ausbau und spätere Nutzung", sagt Ulrike Heuberger. Räume unter Sparrendächern seien frei von Stützen. Da aber die gesamte Dachlast von den Sparren getragen werde, sei der Einbau von Fenstern oder Gauben sehr aufwendig und teuer, erläutert die Expertin.

Die Last von Pfettendächern wird hingegen von Stützen getragen, die nicht entfernt werden dürfen. Aber das hat auch charmante Vorteile: Holzpfosten geben dem Wohnraum das beliebte rustikale Flair.

Vor dem Ausbau muss der Heimwerker überprüfen, ob das Dach dicht und die Holzkonstruktion frei von Insekten oder Pilzbefall ist, sagt Heuberger. Sonst sei die Statik gefährdet. Danach muss man oft die Dämmung des Daches nachholen. "Ein guter Wärmeschutz im Steildach sollte heute eine Dämmschichtstärke von 20 bis 30 Zentimetern haben", sagt Werner Eike-Hennig (Institut Wohnen und Umwelt, Darmstadt). "Ist die Dachdeckung intakt, kann man die Dämmung auch von innen zwischen den Sparren anbringen."

Um möglichst helle Räume zu haben, sollte viel Tageslicht einfallen können. "Relativ einfach ist dies mit Dachflächenfenstern zu verwirklichen", sagt der Architekt und Buchautor Thomas Drexel aus Augsburg. Lichtdurchflutet wirken die Räume, wenn gleich mehrere Fenster über- oder nebeneinander liegen.

"Fenster in Gauben lassen weniger Licht in den Raum als Dachflächenfenster", erläutert Drexel. Dafür vergrößerten Gauben aber die Stehfläche in den Schrägen. Eine Faustregel sei, dass Gaubenfenster nicht größer sind als die darunter liegenden Fassadenfenster und möglichst mit ihnen auf einer Achse liegen sollten.

Kann der Speicher bisher nur über eine Luke erreicht werden, muss stattdessen eine Treppe eingebaut werden. "Der Platz für den Zugang fällt oft sehr eng aus", sagt Drexel. Eine Spindeltreppe sei hier eine platzsparende Lösung, bequemer seien aber steile, einläufige Treppen.

An Trittschallschutz denken

Ein nicht ausgebauter Dachboden verfügt selten über ausreichend Trittschallschutz. "Beim Ausbau sollte daher der Fußboden einen Aufbau erhalten, der Bewohner in den unteren Geschossen vor Trittschall schützt", rät Heuberger. Die Statik des Hauses entscheide, ob ein schwerer Aufbau, etwa ein Zementestrich, möglich ist, oder ob es ein leichter Aufbau sein soll, zum Beispiel ein Trockenestrich. Um den Raum unter dem Dach überhaupt nutzen zu können, müssen auch Heizungs- und Wasseranschlüsse gelegt und die Stromversorgung erweitert werden.