Urteil

Äste überm Zaun: Besitzer muss zurückschneiden

Wächst ein Baum aufs Grundstück des Nachbarn herüber, kann dieser oft das Zurückschneiden der Äste verlangen. Voraussetzung sei, dass durch die Äste eine Beeinträchtigung vorliegt - wenn sie viel Schatten werfen zum Beispiel oder dort viel Laub lassen.

Darauf weist der Deutsche Anwaltverein hin und beruft sich auf ein Urteil des Landgerichts Coburg (Az. 33 S 26/08).

In dem Fall standen entlang einer Grundstücksgrenze 18 Fichten und eine Birke. Die Bäume waren mehr als 30 Jahre alt, und ihre Äste wuchsen Richtung Nachbargrundstück. Nachdem sie bis zu vier Meter in seinen Garten hingen, verlangte der betroffene Nachbar das Zurückschneiden der Äste. Der Baumbesitzer verweigerte dies mit der Begründung, der Nachbar werde nicht spürbar beeinträchtigt.

Der Nachbar reichte Klage ein und bekam Recht. Nach einer Besichtigung vor Ort entschieden die Richter, dass der Kläger die überhängenden Äste nur dann dulden müsse, wenn sein Grundstück durch sie nicht beeinträchtigt wird. Durch den Überhang von bis zu vier Metern in seinen Garten hinein fielen aber zahlreiche Nadeln, Zapfen und abgestorbene Zweige herab, und es entstehe viel Schatten. Daher bestehe an einer Beeinträchtigung kein Zweifel. Der Beklagte müsse das Wachstum seiner Bäume an der Grundstücksgrenze stoppen.