Technik

Sparen mit dem eigenen Kraftwerk

Wenn es draußen kalt und ungemütlich ist, dreht Hella Wagner einfach die Heizung etwas höher. Was so banal klingt, war für die Reinickendorferin bisher nicht normal: "Mein Wohnzimmer habe ich noch nie so warm gehabt, wie ich es mir gewünscht hätte." Nach der Modernisierung des Wohnhauses, in dem Hella Wagner seit 37 Jahren lebt, ist das jedoch passé, genau wie die Furcht vor hohen Energiekosten: "Die neue Wärmedämmung macht sich schon jetzt bemerkbar", sagt die Rentnerin.

Im Zuge der Modernisierung des Mehrfamilienhauses, in dem die Rentnerin eine Wohnung hat, wurden Fassade und Dach neu gedämmt, dreifachverglaste Fenster wurden eingebaut, und im Keller versorgt jetzt ein Blockheizkraftwerk die Mieter effizient und umweltfreundlich mit Wärme und günstigem Strom. "Heute habe ich es schon 21 Grad warm. Das hatte ich sonst nur, wenn alle Heizkörper voll aufgedreht waren", erzählt Hella Wagner und weiß, dass sie durch die Modernisierung langfristig auch Heizkosten spart.

Stabile Versorgung garantiert

Laut Rudolf Orlob, Vorstandsmitglied der für die Wohnanlage zuständigen Charlottenburger Baugenossenschaft EG, sinkt der sogenannte Primärenergiebedarf nach der Modernisierung pro Quadratmeter von 250 auf 46 Kilowattstunden. "Im Klartext heißt das, dass Mieter einer 60 Quadratmeter großen Wohnung durchschnittlich nur noch 18 Euro für Heizung und Warmwasser im Monat zahlen, statt bisher rund 64 Euro", erklärt Orlob.

Herzstück der günstigeren Energiegewinnung ist ein von der Berliner Energieagentur (BEA) im Keller installiertes und betriebenes Blockheizkraftwerk, das gut 70 Prozent des erforderlichen Jahreswärmebedarfs abdeckt. In der kalten Jahreszeit oder wenn der Bedarf besonders hoch ist, wenn morgens alle Mieter duschen oder ihre Heizkörper aufdrehen, springt zusätzlich ein Brennwertkessel an und sorgt für einen stabile Versorgung.

"Aufgrund dieser Kombination kann die Wärmeerzeugung um rund sieben Prozent günstiger erfolgen als über eine reine Kesselanlage", sagt Rudolf Orlob: "Der Modernisierungszuschlag auf die Kaltmiete liegt bei 88 Cent pro Quadratmeter, so dass sich für die Mieter bei gestiegenem Wohnwert aufgrund der Ersparungen bei Heizung, Warmwasser und Strom eine nahezu unveränderte Gesamtmiete ergibt."

Der Vorteil des mit Erdgas betriebenen Kellerkraftwerks macht sich jedoch nicht nur im Portemonnaie der Mieter bemerkbar, sondern wirkt sich auch positiv auf die Umwelt aus. "Das Erdgas wird zu fast hundert Prozent in nutzbare Energie umgewandelt", betont Corinna Kodim, Ingenieurin bei der Berliner Energieagentur. Es gehe quasi keine Energie verloren, anders als wenn Strom und Gas vom Anbieter getrennt geliefert werden.

"Ein Blockheizkraftwerk ist ein Stromerzeuger, durch dessen Betrieb nutzbare Wärme entsteht. Dieser funktioniert ähnlich wie bei einem Motor im Auto. Ein an einen Vierzylinder-Motor angeschlossener Generator erzeugt Strom. Das für die Kühlung des Motors notwendige Wasser wird zum Heizen und zur Warmwasserbereitung des Gebäudes genutzt. Zusätzlich werden die heißen Abgase aufgefangen und ebenfalls über einen Wärmetauscher in Nutzwärme umgewandelt", erklärt die BEA-Expertin.

Strom wird günstiger

Die Agentur versorgt 5500 Haushalte in Berlin mit Energie aus Blockheizkraftwerken und hat für die Abnehmer einen besonderen Bonus parat. "Die Mieter in solchen Gebäuden können ihren Strom direkt bei uns als sogenannten 'Kiezstrom' kaufen. Dieser ist meist günstiger als beim Grundversorger. Auch ist eine sichere Stromversorgung immer gewährleistet", erklärt Corinna Kodim: "Wenn die Blockheizkraftwerke im Sommer nicht in Betrieb sind, kaufen wir Ökostrom aus dem allgemeinen Stromnetz dazu. Es gibt also keine Versorgungslücken."

Die Kosten für die Installation eines Blockheizkraftwerkes in einem durchschnittlichen Berliner Mietshaus mit 20 bis 30 Wohnungen liegen laut Kodim bei 50 000 bis 100 000 Euro. Eine vorherige Modernisierung der Wohnanlage ist zwar wünschenswert, aber nicht notwendig. "Meist melden sich die Interessenten, weil die alte Heizung marode ist", sagt sie und fügt an: "Grundsätzlich liegt die Energieeinsparung durch ein Blockheizkraftwerk bei 40 Prozent gegenüber der getrennten Erzeugung. Wie hoch die Ersparnis in Euro ist, hängt vom einzelnen Gebäude ab."

Doch auch wenn Blockheizkraftwerke heutzutage bereits für Ein- und Zweifamilienhaushalte angeboten werden, die Investition, die es schon ab 15 000 Euro gibt, lohnt sich noch nicht in jedem Fall: "Der Wärmebedarf sollte mindestens 25 000 Kilowattstunden im Jahr betragen, damit das Kraftwerk auf ausreichende Vollbenutzungsstunden kommt, sprich ausreichend lange auch in der wärmeren Jahreszeit läuft", sagt Corinna Kodim.

Einen solchen Bedarf hätten beispielsweise Gebäude mit einem Schwimmbad, einem Büro oder einer Werkstatt im Haus oder schlecht gedämmte Immobilien, sagt die Expertin: "In einem normalen Einfamilienhaushalt wird man diese Werte kaum erreichen."

Informationen zum Thema von der Berliner Energieagentur, dem Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung und der Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch e.V.:

www.berliner-e-agentur.de

www.bkwk.de

www.asue.de