Familie

Wenn Studenten zu Hause wohnen

Ob aus finanziellen Gründen oder Bequemlichkeit: Wenn junge Erwachsene während des Studiums bei den Eltern wohnen, muss ein gemeinsamer Schlachtplan für das Zusammenleben her. Der sollte vor allem festlegen, welche Freiheiten Kinder in der Eltern-WG haben.

Das Zusammenleben mit den Eltern während des Studiums kann zu einem Abenteuer werden. Dauerzoff, Einmischung oder Verhätschelung sind dabei nicht selten. Das kann das Leben unter einem Dach erschweren. Damit aus dem heimischen Nest eine möglichst erwachsene Wohngemeinschaft mit den Eltern wird, sind viel Diplomatie und ein guter Plan nötig. Nach Ansicht von Experten überwiegen aber die Nachteile, da der Auszug aus dem Elternhaus als wichtiger Schritt in die Selbstständigkeit gilt.

Dass für viele Studenten Bequemlichkeit der Hauptgrund für das Wohnen bei den Eltern ist, lässt der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerk, Achim Meyer auf der Heyde, nicht gelten: "Ich glaube nicht, dass in dem Alter Studierende unbedingt freiwillig dort wohnen bleiben. Der Großteil würde gern ausziehen, das scheitert aber an den ökonomischen Barrieren."

"Nicht alles absprechen"

Klar ist aber, dass ein gemeinsamer Schlachtplan mit den Eltern her muss, wenn der Student bei ihnen wohnt. Denn mit dem Übergang von der Schule zur Uni verändert sich von den Essens- bis zu den Schlafzeiten viel - das muss beiden Seiten klar sein.

"Ich spreche nicht mehr alles bis ins Detail mit meinen Eltern ab wie in der Schulzeit", erzählt Studentin Kerstin Wolf. Die 19-Jährige hat mehrere Gründe, warum sie bei den Eltern wohnt: "Ich wollte keine krasse Umstellung, sondern alles Schritt für Schritt im eigenen Tempo machen." Die Studentin hat keine Geschwister, das Zusammenleben mit den Eltern klappe ganz gut. Neben dem Komfort-Faktor, seien auch die hohen Mietpreise ausschlaggebend.

Für Studenten, die Konflikte im Zusammenleben mit den Eltern erleben, bieten Hochschulen und Studentenwerke Hilfe an. Ein Beispiel ist die psychologische Beratung der Freien Universität Berlin. "Meistens wird beklagt, dass sich die Eltern zu sehr einmischen", sagt Hans-Werner Rückert, der Leiter der Beratungsstelle. Dabei gehe es um die Lautstärke der Musik, das Nacht- und Liebesleben, die häuslichen Pflichten oder um unentwegt blockierte Telefonleitungen. Die Grundlage für ein harmonisches Zusammenleben sei der respektvolle Umgang und die gegenseitige Rücksichtnahme, sagt die Berliner Psychologin Birgit Weisswange-Lehmann. "Meist ist das Auskommen mit den Eltern auch ein gutes Kommunikationstraining." Die Psychologin empfiehlt jedenfalls, die "Eltern-WG" nur als Zwischenstadium zu betrachten und schnell einen Job zu finden, um in eine Wohngemeinschaft oder ein Studentenwohnheim zu ziehen.