Architektur

Loft-Flair in modernen Häusern

Georg-Stephan Wilkening ist glücklicher Loftbesitzer in Berlins Mitte. In einer Seitenstraße der quirligen Brunnenstraße, unmittelbar dort, wo Ost auf West trifft und der unbebaute Mauerstreifen weite Blicke in die Stadt zulässt. "Hier ist Berlin wirklich lebendig, aber nicht Schickimicki" - genau das mag er an diesem Standort.

Und natürlich mag er auch sein Loft, selbst wenn das mit knapp 100 Quadratmetern eher eine Miniatur-Ausführung zu sein scheint.

Eigentlich verbirgt sich hinter "Loft" ja ein zur Wohnung umfunktionierter Lager- oder Industrieraum. Mittlerweile sind allerdings immer mehr Lofts Neubauten. Nichtsdestotrotz veranlasst der Begriff, an Weite zu denken, an Großzügigkeit und an ein ungewöhnliches Wohnambiente abseits aller Nullachtfünfzehn-Wohnvarianten in Reihenhaus & Co. Eine solche Assoziation hatte auch Wilkening: "Als ich von den Lofts hörte, die in Mitte geplant waren und bei denen dann auch noch Öko drauf stehen sollte, war mein Interesse geweckt", erinnert er sich noch.

Sein Loft erstreckt sich über zwei Etagen. "Mit dem Vorteil, dass man sich, wenn man zu zweit hier lebt oder Gäste hat, auch zurückziehen kann", sagt der Eigentümer. Diesen Bau gewählt hat er, weil er die Vorteile des Neubaus schätzt und dennoch nicht auf hohe Decken und ein großzügiges Raumgefühl verzichten wollte.

Das Innenleben seiner Wohnung hat Wilkening selbst zusammengestellt und ausgewählt. "Der Projektentwickler und Bauträger, die Bürgerstadt AG, stellte uns künftigen Eigentümern ganz bewusst nur eine großzügig verglaste Hülle hin", sagt er. Bürgerstadt-Vorstand Adrian Lachowicz bestätigt: "Tragende Wände und Pfeiler gibt es nur dort, wo die Baustatik dies erforderte. Maximal flexibel zu bauen und die individuelle Raumaufteilung gemeinsam mit den künftigen Nutzern zu planen - das ist unser Konzept", fügt er noch hinzu.

Für Singles oder Familien

Daraus resultiert auch, dass kein Loft im Haus dem anderen gleicht. "Damit sind unterschiedliche Wohnkonzepte möglich - vom Single-Loft, das die gesamte Fläche als einen einzigen Raum ausnutzt, bis zur Familienwohnung mit mehreren Räumen", so Lachowicz. Die vollflächig verglasten Außenwände sorgen selbst bei abgeteilten Flächen für viel Licht und Luft. Die Raumhöhe von drei Metern unterstützt diesen Eindruck noch.

Den Zusatz "Öko", der auch für Wilkening einer der Kaufgründe war, trägt das Gebäude aus mehrerlei Gründen. "Trotz kompletter Glasfassade entspricht es dem KfW-70-Standard", erklärt Lachowicz. Das wird unter anderem durch die Dreischeiben-Isolierverglasung gewährleistet. Ein vorgelagerter Wintergarten lässt zum einen weite Blicke in den Verlauf der Brunnenstraße zu und agiert zum anderem als Klimapuffer und Schallschutz.

Ein eigenes Blockheizkraftwerk, das mittels Kraft-Wärme-Kopplung Strom und Wärme gleichzeitig produziert, übernimmt die Energieversorgung des Hauses. Und zwar auf der Basis von Bio-Erdgas, das zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen wird. "Ein Modellprojekt gemeinsam mit der Berliner Gasag", sagt Lachowicz. Die bei der Kraft-Wärme-Kopplung entstehende Abwärme heizt die Wohnungen. Das geschieht in den Bädern über Fußbodenheizungen, ansonsten ausschließlich über Heizrohre, die unsichtbar in den Wänden liegen. Lachowicz erklärt, dass sich die Temperaturen - anders als bei üblichen Fußbodenheizungen, wo die Wärme nach oben aufsteigen muss - merklich besser im Raum verteilen.

Auf dem Weg übers Treppenhaus in Wilkenings Maisonette ist es dann bereits richtig "loftig" - raue Wände aus Sichtbeton erzeugen hier Industriebau-Atmosphäre. Schwarzer Linoleumfußboden und weiße Decken unterstreichen die Modernität des Gebäudes. Das Treppengeländer aus unbehandelten, groben Stahlplatten, die von einer Werft stammen, hat der Architekt mit einem Handlauf aus Holz komplettiert. "Ziel war es, raue, brüchige Materialien mit edlen Optiken zu einem bewussten Kontrast zu kombinieren und dabei dem modernen Loftgedanken Rechnung zu tragen", sagt Lachowicz.

Blockheizwerk mit Biogas

Auch Wilkening ging es bei seinem Wohnkonzept um Großzügigkeit, Modernität und Klarheit. Und um naturbelassene, aber durchaus edle Materialien.

Alle Stauraummöbel seines Lofts sind als weiße Elemente in die ebenfalls weiß gehaltenen Wände eingelassen. Für den Fußboden wählte der Eigentümer einen Zement-Estrich, dessen dunkelgraue Note einen optisch wirkungsvollen Gegenpol zu den hellen Partien bildet.

In der unteren Etage ist der flach gehaltene weiße Küchenarbeitsblock das einzige teilende Element im offenen Raum. Den großzügigen Gesamteindruck unterbricht er aber nicht. Unterstützt durch die raumhohen Fenster scheint die Etage vielmehr nahtlos in den Außenraum überzugehen. "Die Fensterfronten auf beiden Seiten des Lofts lassen sich durch Schiebeelemente bis auf 2,50 Meter Breite öffnen und vermitteln damit ein Leben gemeinsam mit der Umgebung", sagt Wilkening.

Eine einläufige Treppe zieht sich schmal und gerade an der Wand entlang nach oben. "Wichtig war mir dabei, dass sie den verfügbaren Raum nicht zerteilt", betont der Eigentümer.

In der zweiten Etage wurde der obligatorische Flur gleichzeitig zum Ankleidezimmer. Auch hier verschwinden die Schränke, bei denen Wilkening komplett auf Griffe verzichtete, bis unter die Decke in der Wand. "Die Wand ist der Schrank, der Schrank ist die Wand" - er nennt das die Doppelnutzung von Bereichen. So lenke nichts von der Weite des Raumes ab.

Zumal er auch die Türen raumhoch gestalten ließ und Schiebeelemente wählte, die in der Wand verschwinden, bei Bedarf aber auch ein Zimmer abtrennen und einen Rückzugsort schaffen können. "Jede Ebene kann geteilt werden, muss aber nicht. Darin liegt der Charme dieses Konzeptes", so Wilkening.