Lager-Alternative

Der ausgelagerte Keller

Was nur gelegentlich gebraucht oder als Vorrat gelagert wird, kommt in den Keller. Doch ein Keller muss heute nicht mehr sein: Wer auf ihn verzichten muss oder will, kann auf eine wachsende Zahl von sogenannten Selfstorage-Lagern zurückgreifen.

Praktisch ist er schon, der Keller. Waschmaschine und Trockner stehen dort unten, ebenso Getränkekisten. Und zwischen Lebensmittelvorräten und Weihnachtsschmuck wartet so mancher Trödel auf den womöglich fernen Tag der nächsten Nutzung - oder auf die Entrümpelung.

Saisonale Nutzung

Keller können aber auch für Frust sorgen - als finsteres Altbaugewölbe voller schlecht gesicherter Holzverschläge etwa. Oder wenn sie so klamm und modrig sind, dass dort die Lagerung hochwertiger Gegenstände oder Lebensmittel unmöglich ist.

Allerdings gehört längst nicht zu jeder Mietwohnung überhaupt ein Keller, und nicht jeder Neubau gründet sich darauf. "Makler sagen: Wer einen Keller hat, räumt ihn auch voll", sagt Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren (Berlin): "Aber Pflicht ist er nicht - erst recht nicht, wenn sich das Grundstück nicht dafür eignet, weil es zu felsig ist oder das Grundwasser drückt."

Was aber machen mit den Vorräten, den nur saisonal hervorgeholten Kleidungsstücken und Sportgeräten? Sie können ausgelagert werden in Wintergärten oder Hütten auf dem eigenen Grundstück oder, wer das nicht hat, auch in eine gemietete Garage. "Der Tiefgaragenstellplatz unter dem Mehrparteienhaus ist allerdings definitiv kein Abstellplatz für Gerümpel", sagt Rolf Gassmann (Mieterbund Baden-Württemberg, Stuttgart). In einer gemieteten Garage sei es hingegen egal, ob dort das Auto oder die Gartenmöbel stehen. Garagen und Container werden privat oder gewerblich zu unterschiedlichen Preisen und Konditionen vermietet. Auch Möbelspeditionen bieten Lagerräume an. "Eine durchschnittliche Garage kostet in den Städten zirka 80 bis 150 Euro im Monat, je nach Lage", sagt Gaßmann. Öffnungszeiten, Zugangsmöglichkeiten, Komfort und Kündigungsmodalitäten variierten aber erheblich.

Eine Alternative sind die "Selfstorage"-Mieteinheiten, die es seit dem vergangenen Jahrzehnt in den deutschen Metropolen und großen Städten gibt.

Die gebündelten Lagerboxen befinden sich im Gegensatz zu vielen anderen Mietlagern nicht in entlegenen Gewerbeparks, sondern in relativer Nähe zu Wohngebieten und sind nach Größe und Mietdauer frei wählbar. "Zu 70 Prozent werden die Boxen privat genutzt. Die meisten nur vorübergehend, manche auch über Jahre", sagt Brunkhorst: "Das reicht von der Familie, die das Erbe der Großmutter zwischenlagert, bis zum Wintersportler, der Moonboots oder Skier nur zyklisch hervorholt."

In den USA und Großbritannien ist Selfstorage - zu deutsch "Selbstlagerung" - seit den 60er-Jahren weit verbreitet. Dass es jetzt auch in Deutschland Akzeptanz findet und immer neue Standorte hinzukommen, erklärt Brunkhorst so: "Die Nachkriegsgenerationen haben im Lauf der Jahre einiges an Wohlstand angesammelt, hinzu kommt der Strukturwandel hin zur mobileren Gesellschaft." So würden die, die länger im Ausland sind und dann zurückkehren, die Boxen vornehmlich nutzen.