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Gegen Baupfusch und hohe Kosten

Dass viele Bauverträge nicht alles genau festlegen, sondern schwammig formuliert wirken - das hat Methode, weiß der Verband Privater Bauherren und rät Hausbau-Kandidaten zur Vorsicht.

Ein Beispiel: Die meisten Hausbau-Projekte beginnen mit dem Aushub des Sandes auf der Baustelle. Dabei erleben viele Käufer schlüsselfertiger Immobilien eine böse Überraschung: Die Kosten für den Aushub sind nicht vom "Festpreis" gedeckt. Die Position "Aushub" wird im Bauvertrag nicht einmal erwähnt. Und das ganz bewusst, so der Bauherren-Beraterverein. Weil Aushub und Abtransport des Erdreichs zum Baubeginn aber zwingend nötig sind, bezahlt sie der Bauherr notgedrungen extra. Und weil ein Laie auf die Schnelle keinen anderen findet, der diesen Job übernimmt, beauftragt er damit meist seine Schlüsselfertig-Firma. Die steht natürlich bereit - und sichert sich so einen schönen Zusatzauftrag.

Der nächste Schrecken folgt oft, sobald der Bagger die Baugrube aushebt, so die VPB-Erfahrung. Beim Aushub des Kellers stoßen die Bauleute mitunter auf Fels, Lehm oder wasserführende Schichten. Weil im Vorfeld aber kein Baugrundgutachten angefertigt wurde, treibt dieses Papier und seine Forderungen jetzt den Baupreis zusätzlich in die Höhe. Im schlimmsten Fall nämlich muss der Keller aufwendiger als ursprünglich geplant konstruiert werden, etwa als wasserfeste "weiße Wanne". Der Verein rät deshalb grundsätzlich, im Vorfeld ein Baugrundgutachten anfertigen zu lassen. Nur wer weiß, auf was er baut, kann richtig planen und seriös kalkulieren.

Was steht in der Baubeschreibung?

Steht der Keller erst einmal, dann ziehen die Handwerker den Rohbau hoch. Dabei aber halten sich nicht alle Firmen exakt an die Pläne. Auch beim Material verbaut manches Unternehmen laut VPB nicht, was in der Baubeschreibung steht.

Bauherren müssen sich das nicht gefallen lassen - allerdings merken die meisten das gar nicht. Der Verein rät deshalb zur laufenden Baukontrolle durch einen unabhängigen Bausachverständigen. Er erkennt sofort, wenn der Bau vom Plan abweicht. Keinesfalls sollten sich Bauherren vom Schlüsselfertig-Anbieter mit dem Hinweis abfertigen lassen, der Bauleiter kümmere sich doch schon um alles. Der Bauleiter wird zwar von den Landesbauordnungen vorgeschrieben, wird aber vom Bauunternehmer bezahlt - im Zweifel steht er also auch auf dessen Seite.

Ärger ist programmiert, wenn auf der Baustelle mehrere Firmen parallel arbeiten. Obwohl die meisten Schlüsselfertig-Anbieter das Haus aus einer Hand anbieten, arbeiten sie meist nicht allein, sondern mit kleinen Subunternehmen. Laut Bauherren-Verband weiß dann die sprichwörtliche Linke oft nicht, was die Rechte tut - manchmal zu Lasten der Bauqualität.

Gegen Ende der Bauzeit droht Bauherren eine weitere Extraausgabe: Weil es nicht im Vertrag steht, schließt die Baufirma den Neubau nicht an die Versorgungsleitungen an. Der Bauherr muss die Anschlüsse für Kanal, Wasser, Strom und Gas selbst beantragen - und bezahlen.

Wer baut, versucht überall zu sparen. Viele Familien wollen mit Eigenhilfe das Budget entlasten. Sie sollten ihre Kräfte nicht überschätzen, warnt der Verein. Wer selbst baut, braucht Knowhow und sehr viel Zeit. Bei einem Eigenheim lassen sich zumeist höchstens 25 000 Euro an Baukosten einsparen. Dafür muss der Bauherr allerdings auch fast 850 Stunden schuften - ein halbes Jahr. Eigenleistungen müssen außerdem exakt in den Bauablauf integriert werden, damit es nicht zu Verzögerungen kommt. Auch ergeben sich Haftungsprobleme, wenn die Eigenleistungen nicht perfekt sind.