Individuelle Fertighäuser

Kein Neubau von der Stange mehr

Schnell seine eigenen vier Wände bauen: Mit dem Fertighaus geht das. Und die Zeiten von langweiliger, vorgefertigter Ware von der Stange sind auch längst vorbei. Wer sich für ein Fertighaus entscheidet, kann - mit dem nötigen Kleingeld - am Ende in ein individuell gestaltetes Eigenheim ziehen.

Dabei hilft jetzt ein neues Handbuch des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau. Das im Buchhandel erhältliche Werk mit dem Titel "Moderne Fertighäuser" beschreibt dabei alle Schritte von der Grundstückssuche bis zur Schlüsselübergabe. Beim Lesen wird schnell deutlich: Alte Vorurteile gegenüber dem Fertighaus sollten Bauherren über Bord werfen. Ein Haus muss eben nicht aussehen wie das andere.

"80 Prozent der heutigen Fertighäuser werden individuell gestaltet", sagt Achim Hannott, Sprecher der Verbände der deutschen Holz-, Möbel- und Fertigbauindustrie (Bad Honnef). "Eher selten werden Muster- oder Vorschlagshäuser vom Kunden eins zu eins übernommen." Der künftige Hausbesitzer muss aber abwägen: Hält er sich ans Muster, bringt das Vorteile für seinen Geldbeutel. Je mehr er eigene Wünsche einbringt und das Haus damit verändert, desto teurer wird sein Projekt.

Nach Angaben von Verbandssprecher Hannott lag der Marktanteil von Fertighäusern beim Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern im vergangenen Jahr bei 15 Prozent. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe bestätigt diese Einschätzung. "Dabei haben wir ein deutliches Süd-Nord-Gefälle. In Baden-Württemberg sind 25 Prozent aller Neubauten aus Fertigteilen", erklärt Hannott. Als Grund vermutet der Verband die größere Verbundenheit des Südens zum Baustoff Holz. "Und je nördlicher es wird, desto mehr wollen die Menschen ein festes Haus - wenn auch Wind und Regen ausgesetzt - wachsen sehen. Dort hängen die Menschen eher am Stein."

Sorgfältiges Planen in der Fabrik

Diese Vorbehalte kann Eva Reinhold-Postina (Verband Privater Bauherren) nicht teilen: "Die vorgefertigte Bauweise in der Fabrik erlaubt technisch sorgfältigeres Arbeiten." Probleme kann es aber geben, wenn auf der Eigenheim-Baustelle bei der Montage verschiedene Bauteile aufeinandertreffen, zum Beispiel die Fertigteile für das Haus und die für den Keller, der von einer anderen Firma gebaut wurde. Reinhold-Postina empfiehlt deshalb, bei der Überprüfung mit einem unabhängigen Sachverständigen vom Anfang bis zur Abnahme des Baus zusammenzuarbeiten.

Alle Schritte beim Fertighaus sind individuell planbar. Zu Beginn steht die Frage, ob es eigene Hauspläne gibt oder ob ein freier Architekt diese erarbeitet. Eine dritte Möglichkeit ist der Architekt des Fertighaus-Anbieters. Generell hat der Bauherr alle Freiheiten - abgesehen von den Vorgaben des amtlichen Bebauungsplans. Er kann die innere und äußere Gestaltung nach seinem Geschmack gestalten.

Der Haushersteller setzt die Wünsche dann um. Musterhäuser oder Musterhaussiedlungen der verschiedenen Anbieter beflügeln die Fantasie oder liefern Ideen für die eigene Planung. Wer lange Anfahrtswege scheut, kann auch im Internet Datenbanken mit den entsprechenden Hausangeboten aufrufen.

Am Ende des Prozesses steht dann ein Haus, das sich preisgünstig eher ans Musterhaus anlehnt oder für einen höheren Preis mehr nach den Wünschen des Hauskäufers richtet. Kai Warnecke, Bauexperte von Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland, warnt aber vor einem psychologischen Problem: "Man sieht ein Musterhaus und denkt: Das ist es! Anschließend muss aber noch geklärt werden, welche einzelnen Kosten auf einen zukommen. Hier nehmen sich zu viele Bauherren nicht genug Zeit." Warneckes wichtigster Rat lautet daher: erst nach dem Gang ins Bemusterungszentrum den Kauf- oder Bauvertrag unterschreiben.

Auch Eva Reinhold-Postina empfiehlt gute Planung und Vorsicht: "Nur was im Vertrag steht, das bekommt man auch geliefert. Ist er einmal unterschrieben, sind Nachverhandlungen meist schwierig und führen meist zu zusätzlichen Kosten."