Garten

Die Talente der Kletterpflanzen

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Dorothée Waechter

Auf der Terrasse sitzt man unterm grünen Baldachin, die Sichtschutzwand ist eine Wand aus duftenden Rosen, und Immergrünes schmückt die graue Fassade sogar im Winter: Kletterpflanzen sind Baumeister der Natur.

Soll eine Wand rasch begrünt werden, leisten Kletterpflanzen gute Dienste. Die Pflanzen mit ihren lianenartigen Trieben spenden an einer Pergola Schatten und schaffen sommerliche Blütenpracht am maroden Baumstamm. "Man unterscheidet zwischen Gerüstkletterpflanzen und Selbstklimmern", erläutert Stefan Brandhorst von der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung (Saarbrücken). Zu den Gerüstkletterpflanzen zählen Schlinger, Ranker und Spreizklimmer. In der Natur finden sie Halt an anderen Pflanzen oder Bauwerken.

"Wurzelkletterer wie Efeu und Kletterhortensie bilden an den jungen Trieben sprossbürtige Haftwurzeln, mit denen sie sich am Mauerwerk oder an einer rauen Borke halten können", sagt Gärtnermeister Brandhorst. Die Triebe gedeihen nicht zum Licht, sondern zur von der Sonne abgewandten Seite hin zu einer Mauer oder einem Stamm und suchen dort Halt. "Dabei wachsen sie gerne in Fugen und Risse."

Die Gerüst-Akrobaten bevorzugen verschiedenen Kletterhilfen: "Schlingpflanzen wie der Blauregen umschlingen Seile oder Stäbe mit einem Durchmesser zwischen 0,5 und fünf Zentimeter", sagt Brandhorst. Diese Kletterhilfen sollten möglichst vertikale Strukturen aufweisen.

Die ideale Rankhilfe

Spreizklimmer wie Kletter- und Rankrosen haken sich mit Hilfe von Dornen, Stacheln oder Kurztrieben in Kletterhilfen mit waagerecht verlaufenden Strukturen. "Für Ranker sind gitterartige Kletterhilfen ideal. Bei den Clematis wird durch einen Berührungsreiz der Blattstiel umgeformt", erklärt Brandhorst.

Sprossranker, zu denen auch der Wein zählt, bilden aus einem Spross eine Ranke. Haftscheibenranker wie der Wilde Wein lassen veränderte Sprossen wachsen, die sich an den rauen Untergrund heften können.

In der Gartengestaltung übernehmen Kletterpflanzen unterschiedliche Aufgaben. "An Wänden bilden sie einen gleichmäßigen Hintergrund", sagt Robert Markley (Verband der Gartenbaumschulen, Haan). Er rät zu Efeu, der immergrün und sehr robust ist. Als grünes Kleid für Lauben und Pergolen empfiehlt der Buchautor Rambler-Rosen. "Diese reich blühenden Sorten haben fast keine Stacheln, wachsen aber rasch und blühen eindrucksvoll."

Manche Kletterpflanzen können auch Schäden am Bauwerk verstecken. "Knöterich wird im Volksmund auch Architektentrost genannt, weil er schnell kleinere bauliche Mängel unter seinem Blätterkleid verdeckt", verrät Markley: "Allerdings muss man wissen, dass die Pflanzen nicht aufhören zu wachsen." Sie müssten regelmäßig zurückgeschnitten werden.

Kletterpflanzen haben unterschiedliche Ansprüche an den Standort. Für sonnige Plätze empfiehlt Brandhorst Zier-Kiwi mit einer rosafarbenen Blattspitze und gelb blühende Clematis orientalis. "Für schattige Plätze eignen sich Alpen-Waldrebe und Trompeten-Geißblatt." Duftrebe, Wilder Wein und Spalthortensie vertragen Sonne und Schatten.

Wind ist ein entscheidender Faktor für das Wachstum, denn er zieht um die Hausecken - das beeinträchtige das Pflanzenwachstum, erläutert Brandhorst. Vor allem mit zunehmender Höhe wirkten die Kräfte stärker. Daher sollten Kletterpflanzen nicht an solch exponierten Stellen in die Höhe gezogen werden, sondern sich von der Wandmitte aus entwickeln.

"Kletterpflanzen", ergänzt Markley, "brauchen einen frischen, humosen Boden, der tiefgründig ist." Brandhorst empfiehlt, das Pflanzloch vor dem Setzen gut vorzubereiten.