Inneneinrichtung

Der Landhaus-Stil kehrt zurück

Ranken, Blümchen, pastorale Idyllen: Die neuen Tapeten strotzen nur so vor Romantik. Besonders der französische Landhausstil ist beliebter denn je. Allerdings sollte floraler Schnörkelei mit eher schlichtem Mobiliar entgegengesteuert werden.

Tapeten in Grau, Schwarz oder Weiß verträgt schließlich nicht jeder. Es mangelt dem Raum dann oft an Gemütlichkeit, die Romantisches an der Wand eher bieten: "Helle Farben, geschwungene Formen und romantische oder ornamentale Motive sind Teil des französischen Landhausstils", beschreibt Karsten Brandt, Geschäftsführer des Deutschen Tapeten-Instituts in Düsseldorf den modernen Wandschmuck. "Ein zeitloser Stil, der durch den Mix mit Möbeln und Wohnaccessoires unterschiedlich interpretiert werden kann - eher klassisch oder auch modern."

Wer nach sommerlichen Tapeten forscht, stößt in den Katalogen auf jede Menge Naturmotive: etwa auf große gelbe Blumen von Rasch, auf Halme und Zweige in stilisiert-verspielten Mustern und auf geschwungen-symmetrische Muster im Riesenformat von Marburg. Die Farben sind zurückhaltend und hell. "Opulente Leichtigkeit" nennt Brandt diese Kombination aus großflächigen und prachtvollen Mustern in sommerlichen Farben. "Das wirkt edel, unbeschwert und auch ein klein wenig frech."

Neue Stoffe für die Wand

Bestens in dieses Konzept passt die Toile-de-Jouy. Dieser sehr fest gewebte Baumwollstoff, auch Kattun genannt, war ab dem 18. Jahrhundert unerlässliche Deko in französischen Salons - als Tapete ebenso wie als Polsterbezug oder Gardine. Aufgrund seiner Feingliedrigkeit kann er mit sehr kleinteiligen Dessins bedruckt sein, arkadischen oder amourösen Idyllen, oft chinesischer Herkunft.

Heute kommt Toile-de-Jouy auch als Papiertapete an die Wand: Der Hersteller AS Creation etwa hat Landschaftsszenen in Mintgrün, die Tapetenagentur in Schwarz-Weiß oder Chivasso in Rot-Weiß im Programm. Das passe zum sterilen Weiß moderner Möbel, sagt Trendberaterin Gabriela Kaiser (Weißdorf).

Sie kann den Hang zur Retro-Romantik präzise verorten: "Zu unserer auf Funktionalität getrimmten Welt ist das der größtmögliche Kontrast." Der Mensch sei stets auf der Suche nach Dingen, die er gerade nicht hat. Für den Stadtmenschen sei dies das ländliche Idyll. "Durch solche Tapeten kann sich der Städter noch in die gesichtsloseste Wohnung Gemütlichkeit holen", sagt Katharina Semling, Wohnexpertin aus Oldenburg.

Im Prinzip passen solche romantische Tapeten überall hinein - egal ob in den Altbausalon mit Stuck oder auch in ein Neubauzimmer. Kaiser rät aber, nicht die ganze Wand damit zu beziehen, sondern nur einen Teil. "Die Tapete lässt sich mit einer Stuckleiste oder einem Rahmen auch abteilen wie ein Bild", ergänzt Semling. Allzu viel Geschnörkel sollte dabei vermieden werden, vor allem im Zusammenspiel mit den Möbeln. Es komme auf die Balance aus Romantik und zeitgemäß schlichter Moderne an.

Entsprechend empfiehlt Kaiser, "Eyecatcher" im Farbkonzept gut zu dosieren: "Man nehme beispielsweise Weiß, dazu Accessoires in Mint, Rosé oder Lavendel - passend zur Tapete." Die Accessoires werden mit Augenmaß auf die Tapete abgestimmt: "Deren Muster kann sich auf einem Kissen oder einer Deko-Teetasse wiederfinden, die Tapetenfarbe in einer unifarbenen Wolldecke", rät Semling.

Romantik allerdings ist keineswegs der einzige Tapeten-Trend der Saison. Jüngere Zielgruppen setzten derzeit auf Knallbuntes in Unifarben, verrät Karsten Brandt. "In diesem Sommer wird das in der Mode bekannte ,Colourblocking' auch bei Tapeten angewandt." AS Creation zeigt einzelne Elemente und Ecken im Raum in Neongelb tapeziert, Erismann eine Wand in Pink.

Die Natur-Sehnsucht wird heute auch in rustikaler Optik ausgelebt - etwa mittels Tapeten, die die Maserungen von Holz, Kacheln oder Stein imitieren.

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