Atomausstieg

Neuer Boom für Energieberater

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Vom Verbraucher bis zum Unternehmen wollen alle dasselbe: Energiekosten senken. Fukushima und die Atom-Debatte haben den Bedarf an Expertise zum Thema Energie noch einmal gesteigert. Die Berater kommen kaum noch hinterher.

Energie wird immer teurer, und deshalb fragen sich nicht nur viele Brandenburger, wie sie ihren Verbrauch senken können. Immer häufiger wenden sich daher Hausbesitzer, Mieter, Unternehmen oder Kommunen an Experten, um sich rund um das Thema Energie beraten zu lassen, wie eine dpa-Umfrage ergab. Ereignisse wie die Reaktorkatastrophe in Fukushima und befürchtete steigende Energiepreise wegen des Atomausstiegs in Deutschland haben die Nachfrage noch einmal gesteigert.

"Nach Fukushima machen wir mehr Ökostrom-Beratung - auch am Telefon", sagt die Architektin Margrit Unger, die bei der Verbraucherzentrale Brandenburg in Energiefragen berät. Die Menschen wollen wissen, worauf sie bei einem Wechsel achten müssen. Nach den aktuellsten verfügbaren Zahlen der Bundesnetzagentur bezogen mit Stand Ende 2009 rund 6,1 Prozent der Haushalte Ökostrom. Mittlerweile dürften es viel mehr sein, da Anbieter im Frühjahr von einem Wechsel-Boom berichteten.

"Bei einem Wechsel sollten Verbraucher auf die richtigen Siegel achten", erklärt Dagmar Ginzel vom Verbraucherportal Verivox. Uneingeschränkt empfehlenswert seien nur Tarife von Anbietern, die mit dem "Grüner Strom Label" oder dem Siegel "ok-Power" ausgezeichnet sind. Ginzel weist zudem auf die Möglichkeit hin, auch Ökogas zu beziehen. Der Markt sei zwar noch nicht ganz so aktiv wie der Strommarkt. Es gebe aber einige Tarife, und "man kann damit sogar noch etwas sparen".

Auch die Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB) bietet Verbrauchern auf ihrer Website einige Beratungsmöglichkeiten. Vom Energiespar-Check bis zum Solardach-Rechner sind über die ZAB 14 verschiedene Ratgeber des Kooperationspartners, der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft Co2online, abrufbar. Die Agentur verzeichnet dabei eine stetig wachsende Nachfrage.

Hauptthema der ZAB ist aber die Beratung von Unternehmen, Institutionen und Kommunen. "Auch hier haben wir mehr Anfragen", sagt der Teamleiter Energie, Ulrich Meyer. Darin gehe es um sparsamere Heizungs- und Lüftungssysteme oder beispielsweise um den Einsatz von LED-Lampen an Straßen. LED-Lampen sind noch sparsamer als Energiesparlampen. Großes Thema der bis zu 300 Beratungen jährlich sind aber auch Fördermöglichkeiten. "Die Zahl der Förderanträge beim Land steigt tendenziell", bilanziert Meyer.

Interesse an Fördergeld

Für private Bauherren gibt es ebenfalls viele Gelder, wenn erneuerbare Energien genutzt oder höhere Effizienz-Standards erreicht werden. "Gerade hatte ich einen Fall, da waren mehr als 40 000 Euro drin bei einer Gesamtbausumme von 370 000 Euro", erzählt Beraterin Unger. Im Förderdschungel gibt es je nach Vorhaben Zuschüsse unter anderem von der KfW Bankengruppe, dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) oder auch der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB).

Die Ratsuchenden werden anspruchsvoller. "Jetzt kommen auch schon Leute aus neueren Häusern, die bereits nach der ersten Wärmeschutzverordnung in den 90er-Jahren gebaut wurden", sagt Unger. Früher interessierten sich nur Besitzer älterer Häuser für diese Fragen. Auch Mieter könnten sich im Übrigen beraten lassen. "Mieter haben einen Anspruch auf gedämmte Heizungsrohre." Traditionell kämen viele, um die Betriebskostenabrechnung prüfen zu lassen, heißt es.

Dass die Nachfrage nach Energieberatungen derzeit enorm ist, zeigt sich auch beim Landesfachverband der Bau- und Energieberater Berlin-Brandenburg - dort ist man so beschäftigt, dass für die Beantwortung der dpa-Anfrage keine Zeit blieb.