Immobilienverkauf

Oft ist der erste Preis zu niedrig

Eine extrem hohe Nachfrage und nur wenige reizvolle Verkaufsobjekte führen dazu, dass sich besonders Eigentumswohnungen in gefragten Lagen binnen kurzer Zeit schon verkaufen lassen. Doch "Wer sein Objekt innerhalb von 24 Stunden verkauft, hat nicht zwangsläufig alles richtig gemacht", sagt Robert Anzenberger vom Immobiliendienstleister Planethome AG. Was für viele Teile des Münchner Immobilienmarkts gilt, kann sich schnell auch einmal in Berlin genauso bemerkbar machen.

Eine kleine Zwei-Raum-Wohnung in Schwabing - verkauft binnen zwei Tagen für 290 000 Euro. Eine Ein-Raum-Wohnung im Münchner Glockenbachviertel - verkauft für 145 000 Euro in nur drei Stunden. Und ein Drei-Zimmer-Penthouse in München-Neuhausen ging nach nur vier Tagen für 490 000 Euro an einen neuen Eigentümer.

Wenn private Immobilienverkäufer in München von ihren Geschäften erzählen, trauen viele Außenstehende ihren Ohren nicht. "Von allen Städten in Deutschland nimmt München seit Jahren eine Sonderposition ein. Immobilien haben hier teilweise schon wenige Minuten nach Veröffentlichung einer Annonce einen neuen Käufer gefunden", sagt Anzenberger.

Allerdings: Viele, die derzeit von einem schnellen Verkauf erzählen, haben Geld verschenkt. "Wenn ein Objekt binnen kürzester Zeit verkauft wurde, spricht dies meist für einen zu niedrigen Preis", sagt Anzenberger. In München sei der Markt für Wohnimmobilien sehr klein. Ein Großteil des Objektbestandes befindet sich in Hand großer Unternehmen und Institutionen und kommt nicht zum Verkauf. Das stete Bevölkerungswachstum aber führe dazu, dass selbst der Neubau von Wohnraum den Markt kaum entspannt. Und das Zinstief und die Flucht der Anleger in Sachwerte ruft viele private Investoren auf den Plan, die nach Objekten suchen."

Diese Ausgangslage werde von den meisten Verkäufern nicht richtig eingeschätzt. "Wer seine Immobilie verkaufen möchte und sich bei der Preisfindung auf eine Kalkulation aus Preisvergleich im Internet und Bauchgefühl verlässt, trifft selten den tatsächlichen Marktwert", weiß der Immobilienexperte: "Einige Verkäufer merken dies erst, wenn sie nach dem Schalten der Annonce binnen weniger Minuten drei ernsthafte Kaufinteressenten am Telefon haben. Sich dann auf einen Druckfehler beim Preis zu berufen und das Objekt später zum höheren Preis anzubieten, ist nicht gerade die professionellste Strategie."

Kein schneller Preisvergleich

Der Planethome-Vorstand rät daher, beim Immobilienverkauf einen Experten hinzuzuziehen. Dieser kennt den Markt vor Ort und aktuelle Preisentwicklungen. "Ein Vergleichswertverfahren ist mehr als ein schneller Preisvergleich im Internet. In die Bewertung fließen neben der Marktkenntnis ebenso Bodenrichtwerte, Referenzpreise und der Gebäudezustand ein", sagt er.