Defekte

Balkone richtig sanieren

Beton- oder Estrichflächen von Balkonen sind allen Wettern, Kälte, Hitze und der Luftverschmutzung ausgesetzt. Deshalb ist hier die Gefahr größer als bei anderen Bauteilen, dass das Material schnell altert und ermüdet.

Das gilt erst recht, wenn es zudem auch noch schlecht verarbeitet wurde. Dann hilft oft nur noch, den Vorbau in luftiger Höhe grundlegend zu erneuern, rät die Bausparkasse Wüstenrot. Laut 3. Schadensbericht der Bundesregierung zählen Balkone zu den Bauteilen, die besonders schadensanfällig sind - jeder dritte sei sanierungsbedürftig.

Erste Warnzeichen für Defekte an tragenden Bauteilen können Ausblühungen sein - weiße Schleier an Stirnseiten von Balkon oder Fassade. Dabei handelt es sich um mineralische Bestandteile, die sich aus Beton, Mörtel oder Klinker lösen und ablagern, wenn zuvor Wasser in kleine Risse eingedrungen ist. Dabei beginnen eingebaute Bewehrungseisen, die die Konstruktion verstärken sollen, zu rosten und sich vom Beton zu lösen. Er beginnt zu bröckeln. Sollten sich sogar Platten oder Fliesen lösen, ist es höchste Zeit zur Sanierung.

Als Basis fast aller Balkone dient die Trag- oder Kragplatte. Auf ihr liegt eine Abdichtungsschicht, meist ein Estrich. Als Gehbelag dienen verschiedene Oberflächen, etwa aus Kunststoff oder frostsichere Fliesen.

Grundplatte noch stabil?

Beim Sanieren hängt es vom Urteil des Handwerkers ab, ob eine Reparatur "in die Tiefe" geht, also umfangreich ausfällt, oder ob nur ausgebessert werden muss. Ist der Balkon laut Handwerksexperten nur ein leichter Sanierungsfall mit stabiler Grundplatte, reicht oft schon ein Plattentausch oder auch ein neuer Belag.

Allerdings findet Stauwasser bei herkömmlicher Verarbeitung fast immer einen Weg, zwischen Abdichtung und Nutzschicht Unheil anzurichten. Das gilt vor allem bei Fliesen. Da kann eine neue versiegelte Kunststoffbeschichtung schon helfen. Flüssigkunststoff ist absolut wasserdicht und verrottungsfest. Er bietet viele Gestaltungsvarianten mit einer großen Auswahl an Farb- und Oberflächeneffekten. Kunststoffbeschichtungen empfehlen sich aber nur bei fast völliger Trockenheit des Untergrunds. Sonst besteht die Gefahr, dass eingeschlossenes Wasser unterhalb der Nutzschicht bei höheren Temperaturen Druck erzeugt, der den Neubelag förmlich sprengt.

Ist dagegen die Kragplatte bereits stark beschädigt, wird ein Drainagesystem eingebaut. Eine Drainage leitet das Regenwasser - etwa bei einem Starkregen - schnell und ohne Umwege zu den Ablaufrohren. Es gibt inzwischen Systeme, die aus mehreren Platten mit eingebauter Drainage und sogar einer Dämmung bestehen. Sie beugen allzu großen Spannungen vor, die durch große Temperatursprünge entstehen können und deren Folge oft Risse sind. Die Aufbauhöhe ist unproblematisch, da sie sich mit maximal drei Zentimetern den vorhandenen Voraussetzungen anpasst. Das Verfugen der Belagsteile verhindert das Eindringen von Schmutz und sorgt für ein langes Leben des Belags.

Keramische Beläge wie Klinker im Außenbereich zu erneuern, ist teuer. Alte Fliesen müssen erst entfernt und entsorgt werden, weil oft die Aufbauhöhe die Dicke des Belags vorgibt.

Auf die bereinigte Grundfläche kann dann ein dünnschichtiges Drainage- und Entkopplungssystem aufgebracht werden. Die Entkoppelung von Belag und Untergrund fängt unterschiedliche Bewegungen zwischen Tragkonstruktion und Belag auf und beugt so Spannungen und Rissen vor. Auch wird vom Untergrund aufsteigende Feuchtigkeit durch die zahlreichen Kanäle einer Matte sicher abgeleitet oder als Wasserdampf entlüftet. Die Oberfläche des Balkonbodens bleibt trocken und intakt.

Ist genügend Höhe vorhanden und reicht die Tragfähigkeit des Balkons aus, dienen die alten Fliesen als Untergrund. Sie müssen aber zuverlässig abgedichtet werden, um Feuchtigkeit erst gar nicht eindringen zu lassen. Hohlstellen im Untergrund müssen vermieden werden.

Auf den Altuntergrund kann in einem modernen Verfahren ein Dichtschlamm aufgetragen werden. Diese Dichtschlämme hat die Eigenschaft, dass Feuchtigkeit aus der Konstruktion entweichen, aber neue Feuchtigkeit nicht eindringen kann.

Die gleiche Wirkung erreicht man mit einer selbstklebenden Bitumen-Dichtbahn. Auf der Abdichtung wird dann wieder ein Drainage- und Entkopplungssystem schwimmend - also nicht festgeklebt - verlegt. Schließlich wird mit einem Dichtband zur Hauswand hin abgedichtet. Saubere und dichte Kanten sowie exaktes Bearbeiten der Ränder leiten Oberflächenwasser weit über die Tragplatte hinaus ab.

Nun erhält der sanierte Balkon noch Entwässerungsrinnen. Sie sollen funktional und langlebig, aber auch optisch reizvoll sein.

Zu einem sanierten Balkon gehört auch ein neues Geländer. Als Blickfang des Vorbaus in luftiger Höhe sollte er zum Baustil des Hauses passen. Er kann dabei das ganze Gesamtbild eines Wohngebäudes aufwerten. Angeboten werden heute Geländer aus widerstandsfähigem Aluminium, rostfreiem Edelstahl und hochwertigem Acrylglas.