Testament

Alle Möbel erben heißt nicht Alleinerbe sein

Wer per Testament eine Wohnungseinrichtung erbt, wird nicht automatisch Alleinerbe. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass die Erblasserin der betreffenden Person eine Kontovollmacht über den Tod hinaus erteilt hatte. Das entschied das Oberlandesgericht München (Az. 31 Wx 33/10), teilt die Arbeitsgemeinschaft Erbrecht des Deutschen Anwaltvereins mit.

Die verstorbene Erblasserin war ledig und kinderlos. Vor ihrem Tod hatte sie einer Frau unter anderem eine Konto- und eine Vorsorgevollmacht erteilt. Außerdem hatte sie ein Testament aufgesetzt, nach dem die Frau berechtigt war, die ganze Wohnungseinrichtung in Empfang zu nehmen und ein Vermächtnis zugunsten eines Dritten in Höhe von 500 Euro zu überweisen.

Nach dem Tod stellte sich heraus, dass die Erblasserin über ein Geld- und Wertpapiervermögen von etwa 50 000 Euro verfügte. Die bevollmächtigte Frau war der Ansicht, dass sie Alleinerbin sei. Ein Verwandter der Gestorbenen allerdings war der Meinung, dass die gesetzliche Erbfolge zu seinen Gunsten gelte.

Das sahen auch die Richter auch so: Laut Testament sei die Bevollmächtigte nicht Alleinerbin, denn ihr sei ausdrücklich nur die Wohnungseinrichtung vermacht worden. Eine Regelung zu den Vermögenswerten gab es also nicht. Die Stellung der Alleinerbin falle ihr nur zu, wenn sie laut Testament praktisch das ganze Vermögen erbt, wie beispielsweise eine Eigentumswohnung. Eine Wohnungseinrichtung sei aber im Wesentlichen wertlos.