Sicherheit

Gut versichert auf der Baustelle

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Harald Czycholl

Während man ein neue Haus baut oder ein altes umfassend renoviert, können auf der Baustelle viele unvorhergesehene Dinge wie Unfälle und Diebstahl, Sturm oder Vandalismus passieren. Versicherungsschutz ist daher immer wichtig. Sonst kann der Traum vom Eigenheim schnell zum finanziellen Albtraum werden.

"Die meisten Schadensfälle auf der Baustelle werden von beauftragten Firmen verursacht", erklärt Jörg Lange, bei der Ergo-Versicherungsgruppe für Haftpflicht Gewerbeindustrie zuständig. Die beteiligten Baufirmen müssten zwar auf die Sicherheit achten, doch damit ist der Bauherr nicht aus dem Schneider. Wird ein Passant von herabfallenden Bauteilen verletzt, fällt ein Kind in die Baugrube oder beschädigt die Baufirma das Nachbarhaus, ist auch der Auftraggeber in der Pflicht - und das kann dann auch teuer werden.

In jedem Fall können die Geschädigten Ansprüche gegen den Bauherrn geltend machen - ob berechtigt oder nicht, das müssen im Zweifel dann die Gerichte entscheiden. "Deshalb sollten Bauherren in jedem Fall eine Bauherren-Haftpflichtversicherung haben", rät Lange: "Die wehrt dann auch unberechtigte Ansprüche auf Kosten des Versicherers ab."

Günstige Pauschaltarife

Bezogen auf die Kosten, die der Bau eines Eigenheims verschlingt, sind die Kosten für eine Bauherren-Haftpflichtpolice gering. Die Versicherer bieten für Ein- bis Zweifamilienhäuser mit einer Bausumme von bis zu 500 000 Euro oft Pauschaltarife an. Für eine einmalige Prämie von oft nicht mehr als 100 bis 150 Euro gibt es eine Absicherung für Personen- und Sachschäden bis zu beispielsweise drei Millionen Euro Versicherungssumme.

Der Bauherr ist verpflichtet, Betriebe, die auf seiner Baustelle beschäftigt werden, sorgfältig auszuwählen. Dazu habe er gewisse Überwachungs- und Verkehrssicherungspflichten, erläutert Versicherungsexperte Lange. Es sei deshalb immer hilfreich, vor der Auftragserteilung von Baufirmen deren eigene Absicherung zu erfragen. "Im Regelfall gibt es nämlich keine Pflichtversicherungen für diesen Zweck. Man kann sich also nicht automatisch darauf verlassen, dass Baubetriebe und Handwerker auch ausreichend versichert sind. Im Schadensfall bleibt dann der Bauherr möglicherweise auf den hohen Kosten sitzen." Eine Versicherungspflicht bestehe jedoch allein für Architekten oder Bauingenieure - und das aber auch nur in einigen Bundesländern.

Fügen Freunde oder Bekannte, die nach Feierabend unentgeltlich auf der Baustelle mithelfen, einem Dritten einen Schaden zu, bestehe dafür auch Versicherungsschutz über die Bauherren-Haftpflicht. Dafür müssten aber Eigenleistungen mitversichert werden, sagt Versicherungsexperte Lange. Zusätzlich sollten die freiwilligen Helfer auch über eine Bauhelfer-Unfallversicherung abgesichert werden.

Zwar sind Bauhelfer unabhängig davon, ob sie für ihre Arbeiten bezahlt werden oder nicht, über die Bau-Berufsgenossenschaft gesetzlich gegen Unfälle versichert. Bei der muss die Mitarbeit der freiwillige Helfer auch angemeldet werden, wenn sie mehr als 40 Arbeitsstunden umfasst. Im Ernstfall ist der Bauherr gegenüber der Berufsgenossenschaft regresspflichtig.

Hier würde dann die Bauhelfer-Police einspringen. Bei Invalidität wird dann einem Betroffenen beispielsweise eine lebenslange Rente gezahlt. Weitere Leistungen sind Krankenhaustagegeld oder im Todesfall auch eine Einmalzahlung an die Hinterbliebenen. Die Höhe der Prämie richtet sich nach der Dauer des Einsatzes am Bau, oft sind schon für rund 300 Euro alle Bauhelfer abgesichert.

Gegen Randalierer absichern

Gegen viele Gefahren, die die Baustelle direkt betreffen, kann auch der umsichtigste Bauherr nichts ausrichten - etwa wenn Randalierer nachts die Baustelle verwüsten, Diebe Baumaterial verschwinden lassen oder ein Sturm am künftigen Eigenheim schwere Schäden anrichtet. Doch auch dagegen kann man sich absichern. "Dafür ist eine Bauleistungsversicherung notwendig", erklärt Stephan Schweda, Sprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft in Berlin.

Diese Police reguliert nämlich Sturmschäden, Diebstahl, mutwillige Zerstörungen oder auch Schäden durch ungeschickte Handwerker. Ähnlich wie bei der Bauherren-Haftpflichtversicherung wird auch hier von den Versicherern eine Pauschale als Prämie berechnet. Abhängig davon, wie viel Selbstbehalt man im Ernstfall zu zahlen bereit ist, gibt es diese Absicherung für 300 bis 375 Euro. Das ist ein vergleichsweise günstiger Schutz, der sich immerhin bezahlt machen kann.

Nach dem Abschluss des Bauvorhabens sollte das fertige Haus dann noch mit einer Wohngebäudeversicherung abgesichert werden. Diese sichert das Einfamilienhaus sowie alle eingefügten Sachen wie Fenster, Türen oder sanitäre Einrichtungen gegen Sturm, Hagel, Feuer, Blitzschlag, Explosion oder Leitungswasseraustritt ab.