Immobilien-Telefon: Rat für Eigentümer

Wie laut dürfen Miteigner sein?

Wir sind eine 30-Parteien-Eigentumsanlage mit Sondernutzungsgärten. Zum Thema Ruhe und Ordnung heißt es in den Statuten nur: "gegenseitige Rücksichtnahme". Weil sich aus der Sicht einiger Miteigentümer die Geräuschpegel immer weiter erhöht haben, würde ich gerne wissen, wie streng man eine Neuregelung fassen könnte: gegen lautes Reden und Schreien, Türknallen, anderes?

Ein WEG-Miteigentümer aus der City-West

Solch eine Neuregelung dürfte schwierig werden. Denn selbst wenn Ihre Hausordnung nur recht schwammig gehalten sein sollte, wie Sie kritisieren, so müssten Sie doch für eine fundamentale Änderung dieses Papiers oder auch für einen besonderen Lärmschutz-Beschluss in einer Eigentümerversammlung eine Stimmenmehrheit unter allen Miteigentümern zusammenbekommen. Nur wenn Sie eine große Mehrheit auf Ihre Seite ziehen, könnte das Zusammenleben aller Mitbewohner lärmtechnisch neu geregelt werden.

Aber selbst wenn es zu einem solchen Beschluss kommen sollte, so sehe ich doch auch bei der Durchsetzung Probleme. Soll der WEG-Verwalter jede Nacht auf der Lauer liegen, um das zu späte oder zu lange Duschen eines Miteigentümers zu dokumentieren? Oder ein kurzes lautes Gespräch um 22.30 Uhr auf der Gartenterrasse? Wahrscheinlich wird es am Ende - ob mit sehr eng gefasstem Beschluss oder mit der sehr allgemeinen Formulierung der "gegenseitigen Rücksichtnahme" darauf ankommen, dass ein Richter im Einzelfall entscheidet.

Außer den Grundsätzen der Technischen Anleitung Lärm (TA Lärm) zu maximalen Schallpegeln in Wohn- und anderen Gebieten und besonders der Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr sehe ich keine Regeln, die besonders erwähnt werden müssten. Diese Leitsätze gelten ohnehin, ob nun mit oder ohne Erwähnung in einer WEG-Hausordnung.

Peter Ohm, Präsident des Verbandes Deutscher Grundstücksnutzer (Berlin)