Architektur

Neuer Balkon ist oft günstiger als eine Sanierung

Viele Balkone aus Beton oder Stahl an mehr als 50 Jahre alten Häusern sind in einem schlechten Zustand. Durch Mängel im Oberflächenschutz sowie bei Unterhalt und Pflege treten oft Korrosionsschäden auf, wie sie für diese Materialien typisch sind. Laut Bauschadensbericht des Bundesbauministers ist jeder dritte Balkon sanierungsbedürftig.

Aber: Die Wüstenrot Bausparkasse rät sorgfältig zu prüfen, ob statt der Sanierung des alten Außensitzes dessen Ersatz durch einen neuen Anbaubalkon nicht vielleicht wirtschaftlicher ist - zumal dies auch optisch die bessere Lösung sein könnte.

Bei einer Inspektion zeigt sich schnell, welche enormen Kosten bei der Sanierung eines bestehenden Balkons entstehen können. Der wichtigste Teil ist dabei die Kragplatte, die sozusagen den Fußboden bildet. Hier zeigen sich die Spuren der Witterungseinflüsse, nämlich Korrosion, meistens am deutlichsten.

Neubau ohne Wärmebrücke

Oft unbeachtet bleiben aber die erheblichen Energieverluste, die die alten Bauteile verursachen. Sie sind konstruktionsbedingt oft ungedämmt und bilden deshalb teure Wärmebrücken, über die in der kalten Jahreszeit besonders viel Wärme abfließt. Der Fachmann spricht vom Fehlen einer thermischen Trennung.

Der Energieverlust kommt zustande, weil Hauswand und Balkon als aneinandergrenzende Bauteile aus wärmeleitendem Material, etwa Beton oder Stahl, bestehen. Je höher die Temperaturdifferenzen zwischen innen und außen, desto mehr teuer erwärmte Raumluft kann ungehindert über die Balkonplatte entweichen. Hier stehen dem Bauhandwerker spezielle Dämmvorrichtungen zur Verfügung, die Abhilfe schaffen sollen.

Wird der vorhandene Balkon aufgefrischt, sollten die Langzeit-Folgekosten für Pflegearbeiten und Reparaturen immer im Vordergrund der Entscheidung stehen. Besonders auf die Witterungsbeständigkeit der Werkstoffe kommt es an. Ist trotz Sanierung hinterher kein sicherer Schutz vor Korrosion gewährleistet, handelt es sich nur um eine kurzfristige Kosmetik ohne dauerhaften Erfolg, deren Kosten verpuffen. Wenn der Aufwand einer Sanierung einer schadhaften Kragplatte zu hoch und eine Dämmung nicht optimal möglich ist, wäre ein Anbau- oder Vorstellbalkon die bessere Lösung.

Anbaubalkone sind separate, freitragende Konstruktionen aus vorgefertigten Elementen. Sie werden zwar an der Wand befestigt, aber nur punktuell - also thermisch vom Gebäude getrennt - so dass keine Wärmebrücken entstehen. Die Balkonplatte wird mit einem Abstand von ein bis zwei Zentimeter zur Fassade und zwei Prozent Gefälle montiert.

Eine andere Möglichkeit ist der Vorstellbalkon. Im Unterschied zu angebauten Balkonen steht er durch vier Stützen an allen Balkonecken auf dem Erdboden. Bei beiden Varianten werden die alten Balkone einfach abgetrennt. Befestigungselemente verbinden Freisitz und Haus.

Die wichtigsten Baustoffe für den Anbaubalkon sind Holz, Stahl und Aluminium. Selbst Kunststoff wird heute verwendet, ist aber noch sehr teuer. Für diesen Werkstoff sprechen Langlebigkeit und minimaler Pflegeaufwand. Aber bei der Materialauswahl sollte auch der Stil des Hauses berücksichtigt werden.

Gefälle und Entwässerung

Ein Entwässerungssystem ist auch bei Anbaubalkonen ratsam - Stauwasser verursacht Schäden. Das Regenwasser kann entweder über einen Wasserspeier unmittelbar nach außen geleitet werden oder über ein Rinnensystem in ein Fallrohr. Notwendig ist dafür ein Gefälle von zwei Prozent. Zur Fassade hin wird eine Balkonabdichtung hochgezogen.

Für Balkonböden gibt es eine große Materialauswahl. Auf dem Unterbau kann die ganze Palette der Bodenbeläge − Natursteinfliesen, PVC, Aluminium, Betonstein − verlegt werden. Natürlich ist zu bedenken, dass Regen, Schnee und Frost dieses außen liegende Bauteil beeinflussen.

Balkongeländer bieten mit ihren vielseitigen Kombinationsmöglichkeiten durch Farben und Füllungen individuelle Gestaltungsfreiheit. Brüstungen und Handläufe aus Holz, Edelstahl oder Aluminium sorgen für eine angenehme Optik.

Jede Altbauwohnung gewinnt durch einen Balkon an Wert und Attraktivität, auch eine bisher balkonlose. Er bietet zusätzlichen Platz und steigert den Wohnkomfort, so dass die Wohnung auch besser zu vermieten wäre.