Gartenhäuser

Alte Laube neu entdeckt

Gartenhäuser im "Alpenhütten-Look" sind von gestern. Denn in Schrebergärten - und nicht nur dort - entstehen in jüngster Zeit immer mehr moderne Gartenlauben, die sich nicht hinter Hecken und unter grünen Ranken verstecken müssen. Die oft von Architekten entworfenen Hütten im neuen Outfit unterscheiden sich von vorgefertigter Massenware.

Sie bestechen durch eine klare und moderne Formensprache, ungewöhnliche Designs und manchmal knallige Farben.

Gartenzwerge, Bierbauch und mit der Nagelschere gestutzte Rasenkanten: Dem Klischee nach sind Kleingärten ein Tummelplatz für Spießer. Deshalb scheinen Kleingarten-Lauben und moderne, gehobene Architektur auf den ersten Blick nicht zusammenzupassen. Doch auch bei den "Schrebern" hat sich die Klientel verändert. "Weil immer mehr junge Familien sich ein eigenes Heim nicht mehr leisten können oder wollen, wächst das Interesse am Kleingarten", nennt Thomas Wagner vom Bundesverband deutscher Gartenfreunde (Berlin) einen schon länger anhaltenden Trend.

Großstädter, die in einer schicken Stadtwohnung leben, haben eine andere Vorstellung von Gartenhäusern als der Laubenpieper der alten Schule. "Traditionelle Lauben orientieren sich an Einfamilienhäusern, die in Miniatur nachgebaut werden", sagt Nanni Grau vom Architekturbüro Hütten & Paläste (Berlin). Neue Gartenhäuser richten sich nach anderen Design-Maßstäben.

Feiern, wohnen, schlafen

Statt der früher üblichen zwei oder drei beengten Räume sollen - so der Ansatz der Architektin - in der modernen Laube Großzügigkeit in Form eines einzigen Raums erlebbar sein. In diesem multifunktionalen Raum könne gewohnt, gefeiert und manchmal auch geschlafen werden.

Vorgefertigte Bausätze für Gartenhäuser entsprachen auch nicht dem Geschmack von Jan Prühs aus Jüchen. Bei einem Besuch im Baumarkt stand der Architekt vor Gartenhäusern, "bei denen weder die Optik noch das Preis-Leistungs-Verhältnis der Konstruktionen stimmte". Als Antwort darauf entwarf er selbst moderne Gartenhäuser. Etwa das Modell "Cube", ein würfelförmiges Gartenhäuschen. Schrebergärtner haben dabei die Auswahl zwischen 200 Farben und etlichen Farbkombinationen, so dass jeder sein "Cube" individuell gestalten kann.

Beim Entwurf von Gartenhütten für Kleinanlagen sind aber auch den modernen Architekten durch Bauvorschriften die Hände gebunden: "Mehr als 24 Quadratmeter einschließlich überdachtem Freisitz sind nicht zulässig", erklärt Wagner. Die Laube dürfe nach ihrer Beschaffenheit, insbesondere nach ihrer Ausstattung und Einrichtung, nicht zum dauerhaften Wohnen geeignet sein.

Diese Beschränkungen durch das Kleingartengesetz sind bei den Entwürfen der Architekten berücksichtigt: "Die Leute sitzen im Garten sowieso die meiste Zeit draußen", erklärt Grau: "Da brauchen sie keine zweite Wohnung, sondern ein Laubenkonzept, das gut durchdacht ist." Große Fensterfronten öffnen die Hütten zum Garten hin. Auch bei Regen will der Gartenhausbesitzer im Kontakt zur Natur stehen.

Ein Gartenhaus muss nicht zwangsläufig im Kleingarten stehen. "Auch im Eigenheimgarten taugt ein Gartenhaus nicht nur als Aufbewahrungsraum für Gartengeräte, Gartenmöbel und Gerümpel", sagt Prühs. Es könne Kinderspielplatz, zusätzlicher Arbeits- und Hobbyraum oder einfach nur ein zusätzliches Gartenzimmer sein. Manche Gartenbesitzer planten ihre Hütte auch als Sauna oder Wellness-Oase. Dies schaffe indirekt mehr Platz zum Wohnen.