Recht

Bei Mängeln erst Frist setzen, dann eine andere Firma beauftragen

Mit der Bauabnahme beginnt die Gewährleistungsfrist. Zeigen sich in dieser Frist Mängel, muss das Unternehmen, das für den Bau verantwortlich ist, den Mangel beseitigen. "Genaugenommen hat der Bauunternehmer, der den Mangel verantworten muss, nicht nur die Pflicht, sondern auch das Recht, den Mangel selbst zu beseitigen", erläutert Christian Meier (Arbeitsgemeinschaft für Bau- und Immobilienrecht im Deutschen Anwaltverein).

"Der Bauherr darf nicht einfach ein anderes Unternehmen mit der Mängelbeseitigung beauftragen und anfallende Kosten zurückverlangen", fügt er hinzu: "Bei Mängeln gilt: Erst muss dem Bauunternehmen die Gelegenheit gegeben werden, die Mängel selbst zu beheben. Wenn der Auftraggeber zur Mängelbeseitigung aufgefordert und hierfür eine Frist gesetzt hat und wenn die Frist ohne Mängelbeseitigung verstrichen ist, dann entsteht das Recht zur Selbstvornahme."

Das bedeutet: Der Bauherr kann erst dann ein anderes Unternehmen mit der Mängelbeseitigung beauftragen und entstehende Kosten zurückverlangen. "Der Bauherr kann übrigens sogar einen Vorschuss in Höhe der voraussichtlichen Beseitigungskosten fordern, bevor er mit der Mängelbeseitigung beginnt."

Was aber, wenn der Bauherr jedes Vertrauen zum Unternehmer verloren hat, weil dessen Arbeiten Mängel zeigen? Muss er auch dann eine Nachbesserungsfrist setzen, oder darf er gleich eine andere Firma hinzuziehen? Die Fristsetzung könne unterbleiben, wenn die Baufirma eine Mängelbeseitigung bereits "ernsthaft und endgültig abgelehnt" hat oder wenn sie sich wegen vieler Mängel als so unzuverlässig erwiesen hat, dass dem Bauherrn Nachbesserungsversuche nicht mehr zuzumuten sind, sagt Meier, rät aber zur Vorsicht bei diesem Schritt.