Prenzauer Berg

Neubau unter einem alten Dach

Es waren ganz besonders die hohen Räume dieses typischen Berliner Gründerzeithauses, die Jan Leube zum Kauf seiner Wohnung in der Zionskirchstraße bewogen. "Und natürlich die Lage", schwärmt Leube von diesem quirlig-kreativen Prenzelberger Kiez.

Und so ist auch seine Drei-Zimmer-Wohnung: einerseits kaiserzeitlich edel, denkmalgeschützt und historisch - aber auch innovativ mit modernem Komfort ausgestattet. Sozusagen Alt- und Neubau unter einem Dach.

Im "alten" Bereich der Wohnräume finden sich abgeschliffene Holzdielen, eine aufgearbeitete Flügeltür und sanierte Stuckdecken. Der "neue" Teil - Entree, Küche und Bad - bekam einen Industriefußboden, abgehängte Decken mit integriertem Licht, Arbeitsplatten und Waschbecken aus Faserbeton, kombiniert mit Designer-Armaturen und einer Küchenfront aus Aluminium.

Ganz bewusst gehen die Räume ineinander über und schaffen damit Großzügigkeit, die durch sparsam dosierte, ausgewählte Möbel unterstrichen wird. "Ich brauche keine klassische Aufteilung, zum Beispiel in Wohn- und Esszimmer. Mir war wichtig, überall, auch auf dem Boden, viel freie Fläche zum Arbeiten und für Experimente zu haben", sagt der Kreativmensch Jan Leube.

Einst verbaut, heute offen

Leube erwarb die Wohnung unsaniert. Die sich aus dem Denkmalschutz ergebenen Abschreibungsvorteile waren bei der Kaufentscheidung zwar durchaus von Vorteil, stellten am Ende aber nur die eine Seite der Medaille dar. Denn auf der anderen warten die Auflagen der Denkmalhüter. "Abschrecken lassen sollte man sich davon aber nicht", sagt Leubes Architekt Mark Schwesinger: "Denn wo ein Wille ist, findet sich bekanntlich immer auch ein Weg. Und was wir laut Behörde beibehalten mussten, das wollten wir ohnehin." Das sei eben der Stuck gewesen.

Mit amtlichem Segen wurde am Ende aus einem verbauten, kleinteiligen und zudem ziemlich dunklen 100-Quadratmeter-Anwesen eine moderne Wohnung. Um Großzügigkeit und Licht hinein zu lassen, wurde der Flur aufgebrochen, mit der Küche einerseits und den beiden, mittels Flügeltür verbundenen Wohnräumen andererseits vereint. Von einer Holzbank in der Küche blickt man in beide Richtungen auf Fenster und dahinter innerstädtisches Grün. "Fehlendes Licht war das größte Problem der Ursprungswohnung", erinnert sich Leube: "Wenn ich heute aus dem relativ dunklen Treppenhaus in meine vier Wände komme, bin ich immer wieder beeindruckt, wie hell es hier strahlt."

Gelungen ist das neben dem Wegfall des Flures auch durch kleine Raffinessen wie einer länglichen Glasscheibe zwischen Bad und Küche. Weite und gleichzeitig Helligkeit erzielte der Architekt aber vor allem durch eine gemeinsame schräge Wand in Küche und Bad. Schwesinger erklärt, dass er damit gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen konnte: "Diese Schräge öffnet den Raum, ist ein Blickfang, erlaubt Einblicke in die Küche und versteckt gleichzeitig einen Teil der Küchenzeile, so dass dort auch mal schmutziges Geschirr stehen bleiben kann.

Gleichzeitig hat Schwesinger mit dem schrägen Schachzug im langen schmalen Bad dem Eigentümer einen Lieblingsort beschert. Er gliederte den für viele Berliner Altbauwohnungen typischen Badschlauch in drei Zonen mit fast quadratischen Grundflächen: Waschbecken, Übergangsbereich und Nassbereich. Der mit blauen Glasmosaikfliesen gestaltete hintere Nassbereich mit Dusche und eingelassener Badewanne ist als Podest erhöht.

Wie eine Haut überziehen die kleinen Fliesen Stufen, Dusche und Wanne. Davor ist das WC angeordnet. In die Wandschräge des vorderen Badabschnittes fügt sich flächenbündig ein maßgegossenes Waschbecken aus Faserbeton ein. Zusätzlich unterstrichen werden die drei Bereiche durch dosierte Lichteffekte. So bleibt der hintere, private Teil beim Betreten des Bades zunächst im Dunkeln.

Faserbeton und Gussasphalt

Für das moderne Baumaterial Faserbeton entschied sich der Eigentümer auch bei den Arbeitsplatten in der Küche. Durch ihre Robustheit symbolisieren sie den Arbeitscharakter der Küche.

Den stark beschädigten Fußboden in Bad und Küche ließ Schwesinger durch beschichteten Gussasphalt ersetzen. Das robuste Material ist nicht nur uneingeschränkt strapazierfähig, sondern zudem wasserdicht, in vielen Farben erhältlich und fugenlos verlegbar. Risse bilden sich nicht. Als weitere Vorteile nennt der Architekt den guten Schallschutz und die Möglichkeit, eine Fußbodenheizung in die vorhandenen Gegebenheiten zu integrieren.

Die stucklose Decke im vorderen Wohnungsteil ist abgehängt und nimmt sämtliche Leuchten auf. Im Wohnbereich hat Schwesinger die Leuchten so positioniert, dass sie den Deckenstuck betonen.

Um den Zusammenhang zwischen den einzelnen Zimmern zu verstärken, hat der Architekt raumhohe Türen gewählt. Leubes individueller Rückzugsort, das Schlafzimmer, ist durch eine ebenfalls raumhohe und damit kaum wahrnehmbare Schiebetür, gestrichen in weißer Wandfarbe, abgetrennt. Schränke und Regale integrieren sich - wie überall in der Wohnung - in die Wände. Gleiches gilt für TV und Co, sämtliche Kabel verschwinden in dezenten Wandschränken.