Pflanzen

Eleganz im weißen Garten

Gärten, in denen eine einzige Farbe das Bild beherrscht, faszinieren viele Hobbygärtner. Ein komplett mit weißblütigen Pflanzen bestückter Garten strahlt Ruhe und Harmonie aus, aber auch Kühle und Frische.

Weiß, das ist im physikalischen Sinne keine Farbe, sondern die Summe aller Farben. Ein komplett mit weißblütigen und weißblättrigen Pflanzen bestückter Garten entwickelt daher eine betörende und starke Wirkung: Weiß wirkt meist kühl, aber auch sehr elegant und klar. "Besonders in der Dämmerung und bei Mondschein entwickelt der weiße Garten einen außergewöhnlichen Zauber", erzählt Melanie Wiethölter vom Botanischen Garten in Münster. Wenn andere Gartenteile bereits in dunkle Schatten gehüllt sind, tauchen die weißen Blüten den Garten in einen atmosphärischen Schimmer.

Ihren Garten in der Nacht liebte Vita Sackville-West. Jeden Abend ging die englische Schriftstellerin von den Wohnräumen durch den Garten zu ihrem Schlafgemach. Ihr berühmter "White Garden of Sissinghurst Castle" in der englischen Grafschaft Kent ist heute Reiseziel vieler Gartenfreunde. Jährlich werden nur 160 000 Besucher reingelassen, um das Fünf-Hektar-Anwesen nicht zu überlasten.

Gartenräume nach Themen und Farben zu gestalten, hat einen besonderen Reiz, denn oft haben Gärten dieser Art eine besondere Anziehungskraft und überraschen Besucher. Grundsätzlich muss man bei der Planung solcher Themengärten überlegen, welche Wirkung vermittelt werden soll und ob man Farben vermischen oder eher einfarbig pflanzen möchte. Weiß kann auch eine Kühle vermitteln. Und orange und rote Blütenfarben wirken zwar grundsätzlich eher warm und fröhlich, "dicht und üppig gepflanzt können sie jedoch insbesondere kleine Gärten erschlagen", erläutert Wiethölter. Mehr Weite geben hingegen blasse Violett- und Blautöne. Sie lassen einen Garten größer, aber auch etwas frischer erscheinen.

Themengärten brauchen das ganze Jahr über eine passende Blütenfolge. Im weißen Garten machen Schneeglöckchen, Märzenbecher, weiße Narzissen, Frühlingsanemonen, Traubenhyazinthen und Tulpen im Frühling den Auftakt, im Frühsommer folgen etwa die weißen Sorten der Glockenblume, des türkischen Mohns, der Akeleien, Levkojen und Pfingstrosen.

Tipps für Themengärten

Wenn im Sommer die Rittersporn-Hybride "Casa Blanca" mit der gleichnamigen Orientalischen Lilie und der Kletterrose "Bobby James" um die Wette leuchten, ist der Höhepunkt erreicht. Dazu passen Margeriten, Cosmeen sowie die weißen Sorten von Katzenminze, Phlox, Veronica und Salbei. Zum Ausklang im Herbst blühen weiße Dahlien, Chinaschilf (Miscanthus sinensis "Kleine Fontäne"), Eisenhut und die Herbstanemone "Wirbelwind".

Natürlich ist keine Bepflanzung reinweiß: Geranien sind eher Cremeweiß, Kamelien haben rote Einsprengsel und Funkien einen bläulichen Hauch. Und ein weißer Garten wird nicht nur durch das üppige Arrangement möglichst vieler weißer Blüten gestaltet, sondern auch durch die Kombination von Blattformen und -farben. "Gräuliche oder weiß panaschierte Blätter schaffen Vielfalt", sagt Wiethölter. Weiche oder stachelige Blätter, etwa die einer Distel, eignen sich als Kontrast.

Daneben spielen Grundstruktur und Hintergrund einer Bepflanzung eine Rolle. Mauern und exakt geschnittene Hecken sind ein Form- und Strukturgeber für weiße Blütenmeere. "Vor dunklen Eibenhecken werden weiße Blüten besonders betont", sagt Jürgen Oppers, Landschaftsarchitekt aus Ratingen. Auch als optische Trennung von anderen Bereichen kann man hohe Hecken oder Mauern einsetzen.

Oppers hat noch einen Tipp für einen gebührenden Eintritt in den Erlebnisraum: Werden die Hecken im Eingangsbereich so gesetzt, dass man über Eck eintritt und statt direkt in den Garten zunächst auf eine grüne Wand schaut, wird die Wirkung der weißen Beete noch gesteigert. "Wenn man dann um die Ecke biegt, eröffnet sich einem ein völlig neuer Erlebnisraum."