Immobilien-Telefon: Rat für Eigentümer

Soll ich zum Schiedsmann gehen?

Bei uns geht es um einen Rückschnitt von zu hohen Bäumen, aber dazu möchte ich eher etwas Allgemeines fragen: Ist es ratsam, meine für Argumente überhaupt nicht zugängliche Nachbarin gleich vor den Kadi zu zerren - oder würden Sie da lieber einen Schiedsmann vorschalten? Hilft eventuell auch ein Mediator weiter?

Michael S. aus Treptow-Köpenick

Auf jeden Fall würde ich erst einmal zur Schiedsstelle des Bezirks gehen. Es gibt sogar Gerichte, die solche "kleinen" Nachbarrechtsfälle erst dann annehmen, wenn zuvor ein Schiedsverfahren erfolglos durchlaufen wurde. Dass sie dies anordnen, ist auch gut nachvollziehbar; denn viele Richter der unteren Instanzen sind mit Verfahren nicht nur ausgelastet, sondern oft auch überlastet.

Wenn der Termin beim Schiedsmann nicht stattfindet, weil die Nachbarin dort nicht erscheint, dann bekommen Sie ein sogenanntes Negativattest der Schiedsstelle - so ist der Weg zur Klage vor dem Zivilgericht frei.

Zuvor allerdings rate ich Ihnen, den Gang zur Schiedsstelle etwas vorzubereiten. Auch wenn die Dame am Gartenzaun geäußerte Argumente vielleicht in einer emotional geführten Diskussion nicht an sich heranlassen kann, so sollten Sie ihr doch in einem Brief Ihre Forderungen vortragen und für die Umsetzung eine angemessene Frist setzen. Den Brief werfen Sie unter Zeugen bei ihr ein oder senden ihn per Einschreiben, damit Sie dies auch belegen können.

Zum Mediator: Da dies vor allem spezialisierte Anwälte sind, dürften deutlich höhere Kosten auf Sie zukommen als jene paar Euro, die der Schiedsmann kostet. Außerdem: Wenn die Nachbarin nicht zum Schiedsmann kommt, dann glaube ich auch nicht, dass sie zu einem Mediator Ja sagen würde.

Wenn es übrigens allein die Kosten wären, die die Nachbarin vom Rückschnitt abhalten würde, dann wäre Ihr Geld meines Erachtens gut angelegt, wenn Sie damit nicht zum Mediator gehen, sondern sich bereitfinden, die Beschneidung des Baumes zu bezahlen.

Peter Ohm, Präsident des Verbandes Deutscher Grundstücksnutzer (Berlin)