Umbau

Von der Kammer zum neuen Dachgeschoss

"Eine Wellness-Oase." So antwortet Gabriela Pohlmeyer, wenn sie ihr neues Domizil beschreiben soll. Entspannt sitzt sie am Tisch, hinter ihr ist ein Fenster geöffnet, und aus Baumkronen zwitschern Vögel ins Dachgeschoss herein. Ganz neue Ausblicke und Perspektiven haben sich mit dem Umbau eröffnet, und so oft es geht, hält sie sich nun in den neuen Räumen auf.

Es ist der erste Frühling, den Gabriela Pohlmeyer und ihr Mann Werner in dem umgebauten Dachgeschoss ihres Hauses in Zehlendorf verbringen kann. Über zwei Jahre haben sich die Umbauarbeiten hingezogen. Das neu aufgesetzte Dachgeschoss, in dem beide jede freie Minute verbringen, ist ein Beispiel für eine gelungene Umbaumaßnahme an einem alten Wohnhaus.

Das Haus, das der Bauherr schon seit seiner Kindheit aus Ferien bei den Großeltern kennt, befindet sich seit seiner Errichtung anno 1910 im Besitz der Familie. Werner Pohlmeyer holt eine paar Bilder hervor, auf denen das Haus vor dem Umbau zu sehen ist. Sie zeigen: Alte Gauben und kleine Fenster hatten dem Dachgeschoss früher seinen Charakter gegeben. Diesen Charakter galt es auch während des Umbaus zu bewahren - und doch ein altes Haus "ins neue Jahrhundert zu transformieren". Sprich: kleine Fenster durch große, lichtdurchlässige Fensterfronten zu ersetzen und zeitgemäß gegen Wärmeverluste zu dämmen.

Aus vier mach eins

"Das alles ist uns mit Hilfe unseres Architekten Casey Mathewson sehr behutsam gelungen", sagt Werner Pohlmeyer "Und noch mehr": Früher war das Dachgeschoss in vier Zimmer unterteilt, heute besteht es aus einem einzigen, großen, weitläufigem Raum. An der West-Seite schließt sich durch die weit öffnende Schiebetür eine Terrasse an und gibt einen erweiterten Panoramablick über die angrenzenden Gärten frei.

Mehr noch: Mit dem Neubau des Dachgeschosses startete gleichzeitig auch so etwas wie eine Komplettsanierung des gesamten Wohnhauses. "Ein Auslöser dafür war, dass bei den ersten Arbeiten und Untersuchungen des hölzernen Tragwerks Schäden am Dachstuhl und überhöhte Werte eines gesundheitsschädlichen Holzschutzmittels entdeckt wurden. Nach reiflicher Überlegung gemeinsam mit Energieberaterin Marita Klempnow entschieden wir uns daher, das ganze Haus einmal anzufassen", erklärt Werner Pohlmeyer. Thermografieaufnahmen zeigten außerdem: Auch Erdgeschoss und erster Stock bedurften dringend einer Überholung bei der Dämmung.

"Nach und nach wurde das Projekt immer größer", erläutert Pohlmeyer. In Zusammenarbeit mit Architekt, Statiker und Energieberaterin entschieden die Pohlmeyers, dass eine vollständige energetische Optimierung erfolgen sollte. Fürs Dach hieß das: Abriss und "Neu-Rekonstruktion" des kompletten Dachstuhls.

Das gesamte Haus wurde dafür eingerüstet. Wo früher der Dachstuhl war, schützte ein stabiles Wetterschutzdach monatelang vor Wetterunbilden. "Das war schon ein ungewohnter Anblick, unser ganzes Haus so zu sehen", sagt Gabriela Pohlmeyer. Und doch hat es sich gelohnt: So wurden die Dachflächen optimal gedämmt, und eine neue effizientere Heizungs- und Warmwasseranlage installiert. Auf dem Dach erhitzt heute eine thermische Solaranlage das Brauchwasser und unterstützt die Heizungsanlage.

"Obendrein bauten wir ins Dachgeschoss eine Küche ein", sagte Gabriela Pohlmeyer. Ein alter Kamin diente als Versorgungsschacht für Zu- und Abwasserleitungen. Hintergedanke des Komplettumbaus war, aus dem Gebäude vielleicht mal ein Drei-Generationen-Haus zu machen, auch wenn die Kinder der Familie gerade erst ausgezogen sind.

Dass das ganze Projekt immer größer wurde, machte dem Ehepaar dabei zu keinem Zeitpunkt des Umbaus Sorge: "Alle Beteiligten banden uns in die Arbeiten immer mit ein, uns wurden Alternativvorschläge präsentiert, wir waren immer die entscheidenden Bauherren." Das gab den Pohlmeyers das Gefühl, stets Herr der Umbauarbeiten zu sein - so wurde zum Beispiel erst nach Untersuchung verschiedener Dachformen unter Berücksichtigung der historischen Formensprache des Objektes und der Umgebung der Umbau präzisiert.

Der Entwurf sah unter anderem eine Rekonstruktion des vorhandenen Zeltdaches in exakt demselben Dachprofil vor: First- und Traufausbildung wurden rekonstruiert, anstelle der zuvor vorhandenen Dachpfannen aus Tonziegel wurde das Dach wieder mit dem ursprünglich verwendeten Biberschwanz in doppelter "deutscher" Deckung versehen. Interessantes wurde auch beim Dachboden verwirklicht: Dort nimmt eine Holz-Beton-Verbund-Decke jetzt die Lasten auf und mindert so Schwingungen. Hörte man früher stets deutlich, wenn sich jemand auf dem Dachboden aufhielt, so dringen Schrittgeräusche heute nur noch gedämpft ins nächste Stockwerk.

Stützenfreie Raumteilung

Schließlich wurden die Stirnseiten der Gauben verglast mit dem Ziel, die Gauben leichter und graziler erscheinen zu lassen und um interessante Ausblicke aus dem Inneren des Dachgeschosses zu ermöglichen - etwas, das besonders gelungen ist und zum großen Teil für das neue Wohlgefühl beiträgt. Zudem ermöglichte der Neuaufbau des Zeltdaches im historischen Profil eine klare konstruktive Lösung des neuen Dachstuhls. "Die früher vorhandene, enge Raumsituation des Dachgeschosses mit einer Vielzahl für die Wohnnutzung störender Holzstile und der Kopfhöhe einschränkenden Ringbalken wurde zugunsten einer großzügigen, stützenfreie Raumteilung aufgehoben", erklärt Werner Pohlmeyer architektonisch genau. Die Gesamtfläche der Wohnräume oben beträgt heute 80 Quadratmeter.

All dies aber sind Umbauten, die am Haus heute kaum noch auffallen. Alles wirkt so natürlich, als sei es schon immer so gewesen. Gabriela und Werner Pohlmeyer haben es sich auf einem Sofa gemütlich gemacht und schauen aus der Fensterfront auf die Terrasse hinaus: "Man steht regelrecht über den Dingen."