Erdwärme

Unendlich Energie aus 99 Metern Tiefe

Im Sommer denkt man nicht gern ans Heizen, doch der nächste Winter kommt bestimmt. Wer seine Heizung noch rechtzeitig winterfit machen möchte, sollte über den Einbau einer effizienten Wärmepumpe nachdenken.

Die schont nicht nur die Umwelt, sondern auch das Portemonnaie. Das hat auch Familie Roswag-Dachmann in Buckow getan.

Die Berliner haben ihr Haus vor zweieinhalb Jahren von Grund auf saniert und dabei auch eine Wärmepumpenheizung einbauen lassen. "Das Ökologische war uns wichtig. Wir wollten weg von fossilen Brennstoffen und CO2 einsparen", erläutert Jochen Dachmann den Umweltaspekt der Sanierung und rechnet vor, wie sich das finanziell ausgewirkt hat: "Die Kosten für Heizung und Warmwasser belaufen sich bei uns derzeit auf 500 Euro im Jahr - und das bei 230 Quadratmetern Wohnfläche. Ein vergleichbarer Bedarf an Heizöl läge bei 3000 bis 3500 Euro im Jahr."

Der energetische Vorteil lässt sich mit Zahlen belegen. Mit einer Kilowattstunde Strom für den Antrieb gewinnt die Wärmepumpe der Familie rund 4,5 Kilowattstunden Nutzenergie zum Heizen und zur Warmwasserbereitung - ein guter Wert - wenigstens die Jahresarbeitszahl von 3,0 sollten Wärmepumpen haben, damit sich der eingesetzte Strom und der höhere Preis der ganzen Anlage amortisieren.

Der CO2-Ausstoß des Gebäudes wurde um 82,9 Prozent verringert, das entspricht einer Ersparnis von 14,5 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. Zum Vergleich: Jeder Deutsche produziert etwa elf Tonnen CO2 pro Jahr.

Kein Wunder also, dass der Hausherr stolz auf das Gütesiegel der Deutschen Energie-Agentur (Dena) für seinen Bau verweist. Der Energieausweis führt das Haus von Familie Roswag-Dachmann als "Effizienzhaus 55". Das bedeutet, dass das Haus nur 55 Prozent der Energie verbraucht, die für einen Neubau gleicher Größe maximal nötig ist. Und mehr noch: Die Dena hat das Haus der Berliner Familie 2009 als Sieger im Wettbewerb "Mehr Wert - Wärme aus erneuerbaren Energien" ausgezeichnet.

Fördergeld für Umrüstung

Wärmepumpen senken den Energieverbrauch stark, da sie kostenlose Umgebungswärme aus Luft, Wasser oder Erdreich nutzen und nur eine geringe Menge Strom für den Antrieb benötigen. Darüber hinaus wird die Umrüstung vom Bund gefördert.

"Das Marktanreizprogramm des Bundes fördert Wärmepumpen, die in Altbauten eingebaut werden. Alle erdgekoppelten Wärmepumpen werden mit einer Summe ab 2400 Euro je Anlage gefördert. Bei steigender Leistung erhöht sich die Förderung. Für Luft- und Wärmepumpen erhalten Besitzer pauschale Förderungen zwischen 900 und 1200 Euro je nach Leistung", erklärt Karl-Heinz Stawiarski, Geschäftsführer des Bundesverbandes Wärmepumpen (BWP).

Die Gesamtkosten einer Wärmepumpe liegen je nach Art und Modell zwischen 15 000 und mehr als 20 000 Euro. "Im Durchschnitt amortisiert sich die Investition innerhalb von zehn Jahren", resümiert Stawiarski. Eine genaue Wirtschaftlichkeitsberechnung, die auch individuelle Faktoren berücksichtigt, können Bauherren online erstellen lassen: www.co2online.de

Wer sich für den Einbau einer Wärmepumpe entscheidet, sollte sich vorab gut beraten lassen. "Dabei ist es wichtig, dass der Fachhandwerker Erfahrung mit Wärmepumpen hat und das Gesamtsystem, sprich neben der Wärmepumpe auch die Heizkörper oder Fußbodenheizung sowie die Wärmequelle im Blick hat", rät Stawiarski.

Schließlich müssten alle Teile optimal aufeinander abgestimmt sein, damit die Wärmepumpe sparsam arbeiten kann. "Wer ganz sicher gehen will, sollte sich von einem EU-zertifizierten Installateur beraten lassen", sagt der BWP-Geschäftsführer. Eine Übersicht bietet der Verband online unter: www.waermepumpe. de/endverbraucher/bauherren/zertifizierte-installateure.html.

Entgegen der landläufigen Meinung hält er es übrigens nicht für nötig, bei der Umrüstung auf eine Wärmepumpe von konventionellen Heizkörpern auf eine Fußbodenheizung umzustellen. "Eine Wärmepumpe eignet sich auch gut für die Sanierung von Altbauten" betont Stawiarski.

Je tiefer gebohrt wird, desto besser. Schließlich ist eine Bohrung günstiger und arbeitet auch effizienter als mehrere Bohrungen nebeneinander. "Die Bohrlänge insgesamt richtet sich nach dem errechneten Energiebedarf für die Wärmepumpenanlage und verteilt sich dann auf eine oder mehrere Bohrungen bis zur maximal erlaubten Bohrtiefe", erläutert Stawiarski.