Pflanzen

Fuchsien: Nur die starken überleben

In England gehören hohe Fuchsienhecken zum Bild der Landschaft. Bei uns ist das Klima dafür viel zu rau - oder doch nicht? Wer jetzt im Sommer an die Pflanze denkt, der kann Exemplare züchten, die als winterharte Sorten auch in der kalten Jahreszeit draußen bleiben können.

Wer keinen Platz hat, um Fuchsien zu überwintern oder sich das Ein- und Ausräumen ersparen will, sollte auf robuste Sorten setzen. Weit über 100 Sorten listet die Deutsche Dahlien- Fuchsien- und Gladiolengesellschaft auf, die den Erfahrungen ihrer Mitglieder nach bei uns winterhart sind. Sogar Sorten aus dem Standard-Sortiment reihen sich überraschend in die Schar der harten Fuchsien ein. Die rot-violette "Beacon" findet sich beispielsweise auf der Liste, die beliebte "Dollarprinzessin" und "Tom Thumb", eine der alten Sorten, die bereits 1850 gezüchtet wurde. Sie sollen es selbst in Klimazone Sechs aushalten, die durch Tiefsttemperaturen zwischen minus 17,8 und 23,3 Grad definiert wird. Die meisten deutschen Regionen zählen zur Klimazone Sieben mit Tiefsttemperaturen zwischen minus 12,3 Grad und 17,7 Grad. Damit kommen die harten Fuchsien gut zurecht.

Aber: Winterhärte ist keine absolute Größe. Sie sinkt, wenn die Fuchsien zu spät im Jahr gepflanzt wurden und nicht richtig einwurzeln konnten. Der Juli ist der letzte Monat, in dem dies noch klappen kann. Auch ein falscher Standort kann die Fuchsie so kraftlos werden lassen, dass sie Frost nichts entgegenzusetzen hat. Starke Pflanzen aber bekommen bei guter Pflege die nötige Kraft, um den Winter zu überstehen. Sehr junge überwintern im ersten Jahr besser drinnen.

Eigentlich verwundert es nicht, dass es winterharte Vertreter unter den Fuchsien gibt, schließlich kommt sie aus dem südlichen Chile und Argentinien. Dort wächst sie bis in 3000 Meter Höhe, wo die Winter mindestens so rau sind wie bei uns. Kennern galt die von dort stammende Magellan-Fuchsie lange Zeit als die winterharte Fuchsie schlechthin. Als rund 140 Zentimeter hoher Busch erfreut sie im Garten durch zierliche rot-blaue Blüten und überhängende Zweige.

Seltener als die Magellan-Fuchsie wachsen die zwei anderen robusten Arten. Die Fuchsie regia ssp. reitzii besitzt eine unbändige Wuchskraft, schafft Jahrestriebe von zwei Meter Länge, an denen kleine rot-blaue Blütchen sitzen und treibt Ausläufer.

Beliebter Bodendecker

Das Gegenstück bildet Fuchsia procumbens. Sie wächst ganz flach, bildet dichte grüne Matten mit eher unscheinbaren, grünlichen Blüten. Als Bodendecker ist sie die passende Ergänzung im Fuchsiengarten zu Füßen der anderen winterharten Fuchsien.

An vorderster Stelle bei den Winterharten stehen kleinblütige Sorten wie die schneeweiße "Hawkshead" oder die rosaweiße "Whiteknight's Pearl". Sie gleichen geringe Blütengröße durch Blütenfülle aus und hängen oft voll mit Hunderten zierlichen, eleganten Blüten. Die Zahl der gefüllt blühenden, winterharten Fuchsien ist geringer: "Heidi Ann", die einen roten Kelch mit blasslila Röckchen kombiniert, "Arlendon" oder "Tennessee Waltz", unter deren Kelch es blau geflammt hervorquillt.

Sie alle sind robust. Trotzdem frieren oberirdische Triebe in den meisten Wintern zurück. Ob sie austreiben, zeigt sich im Frühjahr, wenn es beim Ankratzen unter der Rinde grün schimmert. Ist das nicht der Fall, wird bis auf den Boden zurückgeschnitten. Die Fuchsien treiben dann wieder aus der Wurzel aus. Meist zeigen sich die jungen Triebe bereits im April, je nach Witterung kann es aber auch bis Mai oder Juni dauern - also Geduld, wenn Triebe auf sich warten lassen.