Rat für Mieter

Soll ich die Wohnung kaufen?

Eine ausländische Immobiliengesellschaft hat den ganzen Block gekauft und wandelt alles in Eigentumswohnungen um. Auch uns hat man nun die Wohnung zum Kauf angeboten. Müsste man als Käufer nicht Angst haben, wenn die große Firma auf Jahrzehnte die Mehrheit und das Sagen behält, weil sie auf vielen Wohnungen sitzen bleibt? Peter Sch., Charlottenburg (per Mail)

Raten kann ich Ihnen wenig, weil Sie ja auch gemailt haben, dass Sie nicht das nötige Geld zum Kaufen haben - nur beraten kann ich.

Stichwort Kauf: Dass Sie ein Vorkaufsrecht haben, wissen Sie ja schon. Übrigens ist dieses Recht nicht begrenzt, sondern greift erst dann, wenn Ihr Investor vielleicht erst in drei, fünf oder zehn Jahren erstmals einen Käufer für die Wohnung gefunden hat. Der zwischen Umwandler und Kaufinteressent ausgehandelte Vertrag ist es dann, den Sie prüfen müssen, ob Sie also statt des Kaufinteressenten die Wohnung zu genau diesen Konditionen übernehmen wollen.

Die geschilderten Mehrheits-Ängste kann ich nicht widerlegen. Das Thema "Mehrheitseigentümer" ist in Eigentumswohnanlagen durchaus ein viel diskutiertes Problemfeld. Das fängt bei der Bestellung des dem Mehrheitseigentümer gewogenen WEG-Verwalters an und hört bei der unterschiedlichen Motivationslage in Eigentümerversammlungen noch lange nicht auf: Wo auf der einen Seite es die selbstnutzenden Eigentümer besonders schön in der Anlage haben wollen, denkt ein Investor eher renditeorientiert und will vielleicht weniger weiteres Geld in sein Investment stecken.

Falls Sie Mieter bleiben wollen: Nach Ihrer Kaufvertrags-Absage, der Käufer-Unterschrift und der Eintragung dieses Käufers ins Grundbuch beginnt für Sie eine dreijährige Kündigungsschutzfrist. Wenn diese Frist vorbei ist, kann der neue Wohnungseigentümer Ihnen kündigen - aber nicht einfach so, sondern nur bei Vorliegen eines berechtigten Interesses wie etwa Eigenbedarf für sich oder seine Angehörigen.

Frank Maciejewski Rechtsanwalt beim Berliner Mieterverein