Urlaubsvertretung

Vorsicht beim Haustausch

Wer einen Blick auf die Seite des Portals haustauschferien.com wirft, entdeckt schnell viele verlockende Angebote: Eine Villa in Sydney mit Meerblick oder ein urtümliches Holzhaus in der kanadischen Provinz British Columbia.

Daneben werden Einfamilienhäuser in Recklinghausen und Eutin angeboten. Tauschurlaube können einen an ungewohnte und spannende Orte bringen, sofern man den richtigen Tauschpartner findet: aus der Großstadt in die Provinz, vom Flachland in die Berge oder umgekehrt. Und das gratis, sieht man einmal von den Kosten für die Anreise an. Doch juristisch ist der Haustausch heikel: Bei Streitigkeiten drohen große Probleme, weil die Tauschpartner keine richtigen Verträge abschließen, die alle Eventualitäten regeln.

Die kostenlose Unterkunft dürfte viele Urlauber locken - im Vergleich zu Hotels, Ferienwohnungen und selbst All-Inclusive-Camps kann das mehrere Hundert oder gar Tausend Euro ausmachen. Selbst finanziert werden müssen nur An- und Abreise sowie die Verpflegung. Zudem wird für die Nutzung der Website eine Gebühr fällig - bei haustauschferien.com sind das 80 Euro im Jahr.

"Unsere Kunden sparen pro Reise mit allem Drum und Dran etwa 50 Prozent der Kosten", sagt Jürg Thalmann, Geschäftsführer von haustauschferien.com. Seine Community hat 40 000 Mitglieder in 143 Ländern, darunter 500 in Deutschland. Vor neun Jahren ist das Portal in den USA online gegangen. Vor allem dort sind Haustausche beliebt, aber auch in Südeuropa begeistern sich jetzt immer mehr Haus- oder Wohnungsbesitzer dafür.

Während Urlauber den Pauschalurlaub im Reisebüro buchen, müssen Haustauscher etwas mehr Aufwand betreiben: den Tauschpartner kennenlernen, Schlüsselübergabe vereinbaren - und vor allem Vertrauen aufbauen.

Rechtlich schwierige Basis

Vertrauen ist beim Häusertauschen eine ganz elementare Voraussetzung. Denn die Urlauber beider Länder gehen ein Risiko ohne jede Sicherheit ein. "Solche Vereinbarungen sind eine Basis, bei der man als Jurist eigentlich nur den Kopf schütteln kann - eine ganz heikle Geschichte", sagt Ronald Schmid, Professor für Reiserecht an der Universität Dresden.

Hieb- und stichfeste Verträge existieren nicht, Geld fließt auch keines, und das Tauschportal tritt nur als Reisevermittler auf - bei Streitigkeiten, einem Diebstahl oder gar Zerstörungen in einem der getauschten Häuser ist die Firma also außen vor und kann nicht belangt werden. "Ich weiß ja nicht mal, ob es denjenigen überhaupt gibt, mit dem ich in E-Mail-Verkehr stehe - oder ob der Name vorgeschoben ist", sagt Schmid. Er empfiehlt, zumindest die wichtigsten Details schriftlich festzuhalten. Dazu zählen Dauer des Tauschs und die Schlüsselübergabe.

Auf Grundsätze des Reiserechts könnten sich Haustauscher bei Ärger nicht berufen - das findet laut Schmid nur bei Pauschalreisen oder einem Schüleraustausch Anwendung. "Falls etwas passiert, Dinge zerstört werden oder die Wohnung ausgeräumt wird, kommt es auf Beweise an." Falls aber kein Vertrag bestehe, werde die Beweisführung sehr schwierig.

Thalmann sagt, dass sein Unternehmen bei Ärger "nur vermitteln" könne, wiegelt aber ab: "Wir haben 60 000 Haustausche pro Jahr. Seit 2006 gab es nur drei bis vier ernsthafte Probleme." Er setzt auf die Psychologie: "Die Menschen wissen, dass andere Leute ihr Haus bewohnen, während sie in einem fremden Haus sind." Dieser Gedanke schrecke Kriminelle ab.

Für Schmid birgt der Tausch auf Zeit dagegen Gefahren - etwa dass Kriminelle über Strohmänner Immobilien anmieten, die dann leergeräumt werden. "Im Zweifel hätte ich dann nicht einmal den richtigen Namen meines Tauschpartners", warnt der Experte.

Das Portal Haustauschferien.com ist nicht das einzige seiner Art. Homelink.de verfolgt das gleiche Konzept und bietet seinen Mitgliedern rund 13 500 Tauschangebote in 75 Ländern. Der jährliche Beitrag liegt hier bei 140 Euro.

Auch die Netzwerk-Community 9flats. com setzt darauf, Wohnungen zu vermitteln - aber gegen Bezahlung und ohne Tausch. Touristen und Geschäftsreisende bekommen dort Privatwohnungen präsentiert, die sie bei Abwesenheit der Hausherren auf Zeit mieten. 9flats.com erhält vom Mieter und vom Vermieter nach der Einigung eine Provision.