Verbraucher

Bei der Hausrat-Police ist Unterversicherung riskant

Schnell ist es passiert: Der Fernseher hat einen Kurzschluss, setzt die Wohnung in Brand und macht Hab und Gut zu Asche. Zumindest den finanziellen Schaden kann eine Hausratversicherung dann regulieren. Eine böse Überraschung aber droht, wenn die Wohnung unterversichert ist.

"Das aber kann passieren, wenn der Versicherungswert niedriger ist als die Versicherungssumme", erklärt Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern (München). Wenn sich etwa der tatsächliche Wert des Hausrats auf 50 000 Euro beläuft, aber lediglich eine Summe von 40 000 Euro laut Police versichert ist, dann bekommt der Geschädigte nach der Rechnung der Versicherungsgesellschaften auch nur 80 Prozent seines Schadens beglichen.

Eine solche Unterversicherung ergibt sich meist mit der Zeit, wenn der Versicherte es versäumt haben sollte, die Versicherung über neuen, höherwertigen Hausrat zu informieren. "Hat man einmal eine Hausratversicherung abgeschlossen, kümmert man sich nicht mehr darum", weiß aber auch Christian Lübke vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (Berlin): "Im Laufe der Jahre tauscht man den alten Röhrenfernseher gegen ein neues teures Plasma-Gerät, oder man kauft sich eine teure Sitzgarnitur."

Versicherungsexperten raten deshalb, alle zwei Jahre den Wert des Hausrats zu überprüfen und der Versicherung gravierende Änderungen mitzuteilen. Auf der sicheren Seite ist nur, wer immer wieder alles prüft oder wer im Vertrag die Klausel "Unterversicherungsverzicht" vereinbart hat. Das bedeutet, dass der Versicherer im Schadensfall nichts von der Entschädigung abzieht - egal wie viel Euro der Hausrat aktuell wert ist. Solche Verträge beinhalten in der Regel die Vereinbarung, dass der Wert des Hauses pauschal berechnet wird.

Meist werden dann - je nach Versicherer - 600 bis 700 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche angesetzt. Bei einer Wohnung mit einer Fläche von 80 Quadratmetern beträgt die Versicherungssumme also 52 000 Euro.

Unterversicherungsverzicht

Der "Unterversicherungsverzicht" aber ist nicht in allen Pauschalverträgen verankert. Daher sollte der Vertrag besonders auf diese Klausel überprüft werden.

Diese sorgenfreie Art der Hausratversicherung klingt verlockend. Doch Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (Henstedt-Ulzburg) findet sie zu pauschal: "Gerade in Großstädten und auf dem Dorf komme ich mit dieser Formel nicht hin."

Wer zum Beispiel ein riesiges Haus mit nur wenig Hausrat besitzt, der zahle bei der Pauschalisierung deutlich zu viel, klagt Rudnik. Hortet jemand dagegen in einer kleinen Wohnung teure Möbel oder viel Schmuck, könne die Versicherungssumme den Schaden unter Umständen gar nicht abdecken.

Rudnik rät daher, die Versicherungssumme selbst zu ermitteln und den Neuwert aller Gegenstände im Haus aufzuschreiben. Helfen könnten dabei eine Tabelle, die der Bund der Versicherten auf seinem Online-Portal bereitstellt. Hier können, Zimmer für Zimmer, alle Werte aufgelistet werden. "Dabei kommt es auf ein paar hundert Euro nicht an, aber die Größenordnung muss stimmen", erklärt Rudnik.

Grundsätzlich halten Experten eine Hausratversicherung für jeden sinnvoll, dessen Hab und Gut nicht nur aus Billigmöbeln besteht. Auch bei jungen Leuten kommen durch Laptop, DVD-Player und Digitalkamera schnell Werte zusammen, die sich bei einem Totalschaden nicht locker ersetzen lassen.

Daher haben laut Versicherer-Gesamtverband rund 77 Prozent aller Haushalte eine Hausratversicherung. Die kommt in der Regel für Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Sturm, Hagel, Einbruch und Vandalismus auf. Versichert ist der komplette Hausrat von Möbeln über Kleidung bis zu Elektrogeräten.

Die Versicherung zahlt im Schadensfall den Wiederbeschaffungswert der Gegenstände. "Anders als bei der Haftpflichtversicherung wird hier der Neuwert und nicht der Zeitwert ersetzt", erläutert Straub. Der Neuwert ist jedoch nicht gleichbedeutend mit dem Kaufpreis: Der Versicherte erhält so viel Geld, dass er einen gleichwertigen Gegenstand zu aktuellen Preisen erwerben kann.

Vorsicht ist bei Wertsachen geboten. Sie werden über die Standardpolice meist nur bis zu einem bestimmten Betrag versichert. Wer Kunstwerke oder Schmuck besitzt, sollte höhere Entschädigungen vereinbaren. Auch das teure Rennrad ist nicht automatisch dabei, lässt sich aber über einen Zusatzbaustein versichern.