Finanzierung

Elf Tipps für preiswerteres Bauen

Bei öffentlichen Vorhaben kommt es oft vor, dass vorher genannte Preise in einen inflationären Galopp geraten. Davor haben auch private Bauherren Angst, etwa wegen Berichten über Bauschäden und teure Nachfinanzierungen. Muss ein Bauherr heutzutage unüberschaubare Kosten einfach schlucken?

"Nein", meint der Augsburger Fachbuchautor Thomas Drexel, der ein Buch über "Neue Low Budget Häuser. Bauen unter 225 000 Euro" (DVA, 49,99 Euro) geschrieben hat. Er ist überzeugt: Ein Hausbau kann finanziell übersichtlich und preiswert sein. "Der Schlüssel liegt beim kostengünstigen Hausbau in einem konsequent verfolgten Planungs- und Ausführungskonzept." Und dies sind seine Tipps:

1. Beim Grundstück sollte man sich eine Preisobergrenze setzen: "Grundsätzlich sollte für Grund und Boden nicht mehr als ein Viertel des Gesamtbudgets ausgegeben werden", rät Drexel. Die Lage soll attraktiv sein, was aber oft einen hohen Preis voraussetzt. Günstiger wird er, wer ein kleines Grundstück wählt. Damit das Haus trotzdem geräumig genug wird, sollte der Wohnraum durch eine perfekte Grundrissplanung optimal ausgenutzt werden - etwa indem zwei- oder dreigeschossig gebaut wird.

Günstige Baulücken

Baulücken mit ungünstigem Zuschnitt können preiswert sein und sich mit Hilfe eines findigen Architekten trotzdem bebauen lassen. Wenn aber der Zuschnitt der Parzelle es nicht zulässt, dass sich das Haus optimal der Sonne zuwendet, lohnt sich der Kauf nicht - das Bauprojekt kann dann durch hohe Energiekosten teurer statt billiger werden.

2. Umbauen statt Bauen: "Eine gute Alternative zum ausgewiesenen Baugrundstück stellt ein Grundstück mit einem älteren Haus in einer gewachsenen Siedlung dar", erklärt Drexel. Der Altbestand könne dann - je nach Zustand - renoviert, umgebaut, erweitert oder durch einen kompletten Neubau ersetzt werden. Der Vorteil eines Baus auf einer solchen Parzelle liege in der bereits vorhandenen Erschließung für Wasser und Abwasser, Strom und Gas, dem eingewachsenen Garten und in der Tatsache, dass so am leichtesten Grundstücke für Einfamilienhäuser in guter Lage zu bekommen sind.

3. "Die wichtigste Regel im Low-Budget-Bauen lautet: Nur so groß bauen wie wirklich nötig", betont Drexel. Doch genau diese Regel werde in mehr als 90 Prozent aller Bauprojekte missachtet.

4. Kostenlose Energie sollte man nutzen: Die Sonne erwärmt die Räume, wenn große Verglasungen möglichst zum Süden hin ausgerichtet sind. Dazu eins am Rande: Festverglasungen sind immer deutlich preiswerter als bewegliche Fensterflügel.

5. Ein Haus in Quader-Form hat den Vorteil, relativ viel Volumen und Wohnfläche zu bieten, aber eher wenige Außenoberflächen für Außenmauern und Dach, für Boden- oder Kellerplatte zu benötigen. Das spart Geld, nicht nur beim Bau, sondern auch im späteren Betrieb. Denn je weniger Außenmauern und Dachflächen Wind und Wetter ausgesetzt sind, desto weniger Energie wird zum Heizen benötigt.

Deshalb gelten Reihen- und Doppelhäuser als besonders energieeffizient. Darüber hinaus ist es sinnvoll, auf Erker und Balkone, Mauerecken und Nischen, zu verzichten. Alle diese Formelemente kosten extra: die Arbeit des Maurers, des Dachdeckers, des Spenglers und der Putzfirma.

6. Eigenleistung richtig kalkulieren: Nicht immer ist es eine gute Idee, sich selbst als Handwerker zu betätigen. Denn die Eigenleistung verlängert die Bauzeit oft gravierend, schließlich kann ein Amateur nicht so schnell arbeiten wie ein Profi und außerdem hat der Bauherr oft nur an den Wochenenden und im Urlaub Zeit. Eine lange Bauphase aber kann ins Geld gehen - zum Beispiel dann, wenn viele Monate lang Miete gezahlt werden muss und wenn die längst bezahlte Bodenplatte oder der Fertigkeller mittels Baukredit Geld kosten oder mittels schon dafür investierten Eigenkapitals weniger Zinseinnahmen fließen.

7. Überwiegend offene Raume mit wenigen Innenwänden: Das ist für Thomas Drexel ein optimaler Grundriss. "Verschachtelte Zimmerfolgen, große Flure und Treppen verschlingen nur Platz und Geld." Natürlich lässt sich nicht ganz auf abgetrennte Räume wie Schlaf- und Kinderzimmer verzichten. Das Elternschlafzimmer darf kleiner ausfallen, weil es tagsüber nicht als Aufenthaltsraum genutzt wird.

Keller oder Schuppen

8. Wer auf den Keller verzichtet, kann bis zu 1000 Euro pro Quadratmeter sparen. Ein Schuppen im Garten dagegen kostet wenig.

9. Günstige Konstruktionen wählen: "Ein schmales Gebäude kann Kosten sparen, wenn es aufgrund geringer Spannweite preiswerte Fertigteildecken für den Dachstuhl erlaubt", nennt Drexel als Beispiel: "Flachdächer mit außenliegender Entwässerung, also mit Dachrinnen und Fallrohren, sind meist günstig, komplizierte geneigte Dachformen sehr teuer."

10. Fertigprodukte helfen beim Sparen. So können Beton-Fertigteiltreppen die Geschosse günstig verbinden, die dann nur noch mit Belägen versehen werden müssen. Sinnvoll findet er auch, nach Sonder- und Restposten hochwertiger Ware zu suchen.

11. Nach der Bau- und Finanzplanung sollte man keine neuen Wünsche aufkeimen lassen: "Nachbesserungen sind einer der Hauptgründe dafür, dass es immer wieder zu beträchtlichen Budget-Überschreitungen kommt", warnt Drexel.

"Teure Mosaik-Fliesen, Designer-Lampen, ein edler Fußboden-Belag: Oft fallen den Bauherren im Laufe des Bauprozesses noch viele Dinge ein, die sie gerne hätten, die im Budget aber nicht vorgesehen sind", weiß Timm Kleyer von Kleyer Koblitz Architekten in Berlin. Und dann passiert das, was nicht passieren soll: Die Kosten explodieren.