Sicherheit

Reise-Saison lockt Einbrecher an

Alle sechs Minuten wird in Deutschland eingebrochen. Die Statistik des Bundeskriminalamts verzeichnete 2009 insgesamt 113 800 Wohnungseinbrüche. Allein die materiellen Schäden beliefen sich auf 318 Millionen Euro. Schlimmer allerdings sind die psychischen Folgen, unter denen die Opfer meist monate-, manchmal auch jahrelang leiden - das Gefühl, dass die eigenen vier Wände nicht mehr sicher sind.

Ein beliebtes Angriffsziel sind Privatimmobilien zur Urlaubszeit. Denn während die Bewohner in der Sonne ihre Ferien genießen, mehren sich daheim die Zeichen ihrer Abwesenheit: Überquellender Briefkasten, knöchelhoher Rasen und ständig geschlossene Rollläden lesen sich wie eine Einladung für Kriminelle.

Einbrecher schlagen dort zu, wo sie schnell und mit geringem Risiko zum Ziel kommen. Die Schwachstellen sind überall gleich: In 80 Prozent der Fälle kommen Diebe über die Terrassentür oder ein Fenster. Aber anders als in Krimis dargestellt, wird dabei meistens nicht einmal eine Scheibe eingeschlagen - dabei entstehender Lärm würde viel zu viel Aufmerksamkeit erregen. Zusätzlich besteht für den Täter beim Einstieg durch eingeschlagene Scheiben ein Verletzungsrisiko.

Wichtig ist auch die Lage der gefährdeten Fenster und Türen. Thomas Urban, Experte beim Sicherheits-Institut VdS: "Auf der Rückseite des Hauses liegende Fenster bieten Einbrechern einen besseren Schutz vor Entdeckung. Gleichzeitig sind sie oft nicht so gut gesichert wie vorne die Hauseingangstür." Der Rekord der VdS-Labor-Ingenieure beim Knacken eines solchen Standardfensters mit einem ganz einfachen, handelsüblichen Schraubenzieher liege bei fünf Sekunden.

"Besonders wichtig ist, gut erreichbare Fenster und Fenstertüren selbst bei kürzester Abwesenheit weder offen noch gekippt zu lassen.", rät Urban. "Dies zieht Einbrecher geradezu an, und vielfach halten sie gezielt danach Ausschau. Ein gekipptes Fenster ist praktisch offen - auch in höher gelegenen Stockwerken." Obergeschosse seien durch Steighilfen wie Garage, Mülltonne, Gartenmöbel oder Leitern schnell zu erreichen." Deswegen sollten Hausgaragen, in denen solche Geräte lagern, immer abgeschlossen sein, auch wenn gerade kein Auto darin steht.

Haustür geknackt in einer Sekunde

Eine Haustür zu knacken, ist für Spezialisten auch kein Problem: "Um Standard-Türen aufzubrechen, die vier von fünf Wohnungen verwendet werden, braucht unser interner VdS-Rekordhalter nicht mal eine einzige Sekunde mit einem handelsüblichen Schraubendreher", sagt Urban: "Fast drei Viertel der Einbrecher brechen allerdings lieber das Schloss ab." Deswegen sollte man darauf achten, dass der Schließzylinder nicht mehr als drei Millimeter vorsteht. Sonst kann man ihn mit einer Zange sofort abreißen und das zerstörte Schloss problemlos öffnen. "Dann nutzt die massivste Tür nichts."

Der große Vorteil von Haus- und Wohnungsbesitzern ist der enorme Zeitdruck, unter dem Täter stehen. Jede Sekunde erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie entdeckt werden. Es ist erwiesen, dass Einbrecher schon nach kurzer Zeit aufgeben, wenn sie auf mechanischen Widerstand stoßen und unerwartet lange für das Aufbrechen von Türen oder Fenstern benötigen. Bereits nach drei erfolglosen Minuten an Fenster oder Tür haben die meisten Verbrecher aufgegeben. Schon mit wenig Aufwand ließen sich Fenster oder Türen so nachrüsten, dass diese wichtigen drei Minuten Schutz erreicht werden.

Besseren Schutz bieten schon Zusatzschlösser für den Fensterrahmen, die ab 40 Euro zu haben sind. "Je nach Lage des Hauses sollten Fenster der Widerstandsklasse 2 oder sogar 3 verwendet werden," rät hingegen Jochen Ament (Badenia Bausparkasse). Die Kosten für einbruchhemmende Ein- und Umbauten beginnen für ihn bei rund 200 Euro pro Fenster, wenn man sich für ein neues Fenster mit verstärktem Rahmen entscheidet. Die empfindlichen Ziele Terrassen- und Kellertür dürften mit mindestens 700 Euro zu Buche schlagen, wenn man sich für eine sichere neue Tür entscheidet.