Energiesanierung

Neue Steuervorteile für sparwillige Hausbesitzer

Die Bundesregierung lockt mit Zuckerbrot und droht gleichzeitig mit der Peitsche: Um die energetische Modernisierung von Wohngebäuden zu fördern, sollen Eigentümer nach dem Kabinettsbeschluss von 2012 an die Sanierungskosten über zehn Jahre hinweg als Sonderausgaben steuerlich absetzen können.

Stimmen Bundestag und Bundesrat zu, sollen Immobilienbesitzer künftig auch gegen ihren Willen gezwungen werden können, ihre Häuser energetisch zu sanieren - selbst wenn dies für sie unwirtschaftlich ist.

Das sieht die im Rahmen der Energiewende geplante Reform des Baugesetzbuches vor. Danach sollen Städte und Gemeinden Flächen als "Sanierungsgebiete zu Klimaschutzzwecken" ausweisen können. "Eigentümer könnten dann gezwungen werden, dort Häuser auf eigene Kosten zu sanieren", warnt Tine Fuchs, Leiterin des Fachreferats für Planungsrecht und Bauleitplanung beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag.

Das bislang in der Energieeinsparverordnung (EnEV) verankerte Wirtschaftlichkeitsgebot würde durch die Reform ausgehebelt, ergänzt Gerold Happ, Jurist beim Eigentümerverband Haus & Grund. Auch wenn die Kosten durch die Heizenergieersparnis nicht wettgemacht würden, könnten Hausbesitzer von den Kommunen verpflichtet werden, die Fassaden ihrer Immobilien stärker zu dämmen oder ihre veraltete Öl- oder Gasheizung durch eine moderne Wärmepumpe zu ersetzen. Happ: "Das kommt einer Enteignung durch die Hintertür gleich."

Mit den Änderungen will die Bauregierung die Modernisierung von Wohngebäuden im Altbau-Bestand beschleunigen. Nach Berechnungen des Instituts für Wohnen und Umwelt (IWU) wurden seit 2005 lediglich 0,8 Prozent der 15,6 Millionen Wohngebäude saniert, die bis 1995 errichtet wurden. Um die Einsparziele der Bundesregierung bei Klimaschutzvorgaben und Energiewende zu realisieren, müssten jedoch pro Jahr mindestens zwei Prozent der Altbauten modernisiert werden.

Zu teuer für Rentner

Die erhöhten Steuerabschreibungen sollen Eigentümer dazu verleiten, stärker in ihre Häuser zu investieren. Bislang können bei energetischen Modernisierungen nur zwei Prozent der Kosten über 50 Jahre abgeschrieben werden. Ab 2012 sollen Eigentümer von Häusern, die vor 1995 errichtet wurden, je zehn Prozent der Modernisierungskosten pro Jahr über zehn Jahre hinweg abschreiben können. Wer seine Immobilie vermietet oder verpachtet, rechnet diesen Aufwand als "Absetzung für Abnutzungen" (AfA) gegen seine "Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung" auf.

Für Selbstnutzer gibt es eine ganz ähnliche Regel: Auch sie können die Kosten zehn Jahre lang verrechnen - unter dem Stichwort "Sonderausgaben".

Allerdings wissen die Politiker der Regierung auch, dass sich die meisten sanierungsbedürftigen älteren Häuser im Besitz von Rentnern und Familien mit eher geringem Einkommen befinden. Beide Gruppen profitieren kaum von den neuen Möglichkeiten - wer wenig Steuern zahlt, kann nur wenig absetzen. Wer nur 20 000 Euro Rente versteuern muss, dem helfen absetzbare 50 000 Euro nicht recht weiter.

Peter Seelig (Gesamtverband Dämmstoffindustrie) fordert daher, der Staat solle Sanierungsen direkt unterstützen: "Würde eine Komplettmodernisierung mit 15 000 Euro bezuschusst, wären Eigentümer im Rentenalter bereit zu investieren."

Möglicherweise müsste die Förderung noch höher ausfallen: "Die vollständige energetische Sanierung eines Eigenheims kostet mindestens 70 000 Euro", betont Corinna Merzyn (Verband Privater Bauherren). Selbst wenn durch Heizkostenersparnis und Steuerminderung gespart würde, würde es 35 Jahre dauern, bis sich die Investition amortisiert: "Solange hält eine neue Dämmung oder neue Heizung aber selten."

Auch viele private Vermieter dürften trotz der Abschreibungsmöglichkeiten auf eine energetische Sanierung lieber verzichten wollen. Denn lediglich 40 Prozent von ihnen erzielen nach einer Studie des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung überhaupt einen Gewinn mit ihrem Mietobjekt. Im Durchschnitt lässt sich nach Experten-Berechnungen (DIW) mit der Vermietung von Wohnungen und Mehrfamilienhäusern nur eine Rendite von 1,6 Prozent pro Jahr erzielen.