Umkehrhypothek

Aus dem Haus eine Extra-Rente machen

Wer im Alter seine Rente aufbessern will, der kann dazu sein Eigenheim nutzen. Rentner haben die Möglichkeit, ihr Haus durch eine Umkehrhypothek zu beleihen oder es an eine Stiftung zu übertragen. Bei beiden Varianten erhalten sie eine Zusatzrente und können mietfrei in der eigenen Immobilie wohnen bleiben.

Entsprechende Angebote gibt es von der landeseigenen Investitionsbank Schleswig-Holstein, der Caritas Krefeld, der Stiftung Liebenau und der Immokasse.

Bei der Immobilienrente der Investitionsbank Schleswig-Holstein, die im Sommer 2010 eingeführt wurde, erhalten Senioren ab 60 Jahren eine sogenannte Umkehrhypothek, die in monatlichen Raten ausbezahlt wird. Die Höhe ist abhängig vom Wert der Immobilie und dem Alter des Eigentümers.

Aber: Die Rente wird nur gezahlt, bis der Eigentümer seine statistische Lebenserwartung erreicht hat. Fünf Jahre später wird dann das Darlehen mit einem Effektivzins von derzeit 6,31 Prozent zur Rückzahlung fällig. Alternativ können Interessenten sich auch einen Einmalbetrag auszahlen lassen.

270 Euro Eigenheim-Rente

Wie hoch die Zusatzrente ausfallen kann, zeigt das Beispiel eines 75-jährigen Ehepaares, das ein Einfamilienhaus Baujahr 1980 mit 120 Quadratmetern Wohnfläche auf einem 450 Quadratmeter großen Grundstück bewohnt. Bei einem Wert des Hauses von 180 000 Euro beträgt die monatliche Rente 270 Euro, die bis zum 91. Lebensjahr gezahlt wird. Wahlweise ist auch eine Einmalzahlung von 35 000 Euro möglich. Sollte der Eigentümer vor dem Laufzeitende sterben, erhält der Partner die Immobilienrente bis zum vereinbarten Termin in gleicher Höhe.

"Das Interesse an unserem Angebot steigt, bisher ist das Angebot aber auf Schleswig-Holstein begrenzt", sagt Torsten Fragel, Sprecher der Investitionsbank. 140 Beratungen wurden bislang durchgeführt und 20 Renten abgeschlossen.

Das Schleswig-Holsteiner Modell gilt bislang als Pilotprojekt. Nach Angaben des Bundesverbandes Öffentlicher Banken könnte es aber schon bald bundesweit angeboten werden, immerhin sei beim Bundesfinanzministerium ein Gesetzentwurf in Arbeit, durch den rechtliche Fragen geklärt werden sollen.

Potenzial gibt es genug. Nach einer Studie des Bankenverbandes könnten rund eine Million Haushalte in Deutschland solche Angebote nutzen. Auch die Münchner Immokasse bietet eine Umkehrhypothek für Menschen ab 65 Jahren an, deren Immobilie mindestens 100 000 Euro wert ist.

Ein anderes Modell hat die Caritas Krefeld mit ihrer "Hausstifter-Rente" gestartet. Hier stiften Senioren ihr Haus an die Caritas-Gemeinschaftsstiftung. Dafür erhalten sie eine monatliche Rente, die sich nach Immobilienwert und Lebensalter bemisst. Zugleich wird ihnen ein im Grundbuch eingetragenes lebenslanges Wohnrecht zugesichert. Reparatur- und Wartungsarbeiten werden von der Caritas übernommen. Sollte der Pensionär pflegebedürftig werden, wird er ebenfalls von der Caritas unterstützt.

Das Interesse an der Hausstifter-Rente übertreffe alle Erwartungen, sagt Sprecherin Sonja Borghoff. Noch im Sommer werde man das Modell auf einer bundesweiten Caritas-Konferenz vorstellen, um auch Caritas-Verbände dafür zu gewinnen.

Eine ähnliche Variante bietet die gemeinnützige Stiftung Liebenau aus dem bayerischen Meckenbeuren mit Ihrer "Zustifter-Rente". Sie kauft Häuser und bietet Senioren dafür eine lebenslange Rente sowie ein lebenslanges Wohnrecht in ihrer Immobilie. So erhält beispielsweise eine 76-jährige Rentnerin, die ihr Haus im Wert von 400 000 Euro an die Stiftung verkauft, 820 Euro Monatsrente. Zugleich übernimmt die Stiftung die Instandhaltung des Hauses. Den Hauskauf betreibt die Stiftung im Rahmen ihrer Spendenbeschaffung. "Wir haben bislang 35 Immobilien in Deutschland erworben, der Durchschnittswert der Häuser beträgt 300 000 Euro", sagt Projektleiter Christoph Sedlmeier.

Oder lieber verkaufen?

Nach Ansicht von Jörg Sahr, Immobilienexperte beim Magazin "Finanztest" der Stiftung Warentest, können die Angebote für Senioren durchaus interessant sein: "Wer weiß, dass er in seinem Haus bis ins hohe Alter wohnen will, für den ist dies die einzige Alternative, seine Rente aufzubessern." Ansonsten könne es auch sinnvoll sein, das Haus zu verkaufen und in eine kleinere Wohnung zu ziehen, zumal der Verkaufserlös in der Regel wesentlich höher sei als die von den Anbietern gezahlten Renten.

Mehr Informationen gibt es im Internet, etwa unter: www.caritas-gemeinschaftsstiftung-krefeld.de

http://www.caritas-krefeld.de

http/:// www.ib-sh.de

http://www.immokasse.de

http://www.voeb.de

http://www.zustifterrente.de