Recht

Kein Fertighaus ohne Sachverständigen kaufen

Fertighäuser versprechen überschaubare Kosten und den schnellen Weg zum eigenen Haus. Doch angehende Hausbesitzer sollten einen kritischen Blick auf den Vertrag werfen. "Ich würde nie ohne einen unabhängigen Bausachverständigen ein Fertighaus kaufen", sagt Eva Reinhold-Postina, Sprecherin des Verbands Privater Bauherren (Berlin).

Dieser könne in der Vertragssprache Tücken, Versäumnisse und versteckte Kosten aufdecken und bei Nachverhandlungen mit dem Anbieter beraten.

Hauskäufer sollten sich zunächst vom Anbieter eine Vertragsvorlage für das ausgewählte Angebot - vor allem den Kaufvertrag und die sogenannte Bau-Leistungs-Beschreibung - geben lassen, rät sie: "Es kommt darauf an, was dort nicht drin steht." Sind Kanal- und Wasseranschlüsse inklusive? Wer zahlt für eine Baustraße auf dem Grundstück, wer dessen Vermessung und wer die Kosten der Baugenehmigung? Besitzer eines Grundstücks, auf das "nur" ein Fertighaus gesetzt werden soll, müssen sich um solche Fragen meist selbst kümmern - anders als bei Objekten, die samt Grundstück gekauft werden und die nach der Makler- und Bauträgerverordnung (MaBV) anders behandelt werden.

Neben den individuellen Wünschen an einen Hauszuschnitt sollte man Zweck und Nutzen aller Räume bedenken - und zwar noch weit vor der Unterschrift unter den Bauvertrag. Wie wird das Dachgeschoss genutzt? Wird der Keller geheizt, weil es einen Hobby- oder Partyraum gibt? Dann muss unter Umständen das Angebot angepasst werden, denn ein beheizter Raum benötige eine Wärmedämmung der Wände und nicht nur der Kellerdecke. Wird unten nicht geheizt, dürfe keine offene Treppe die Geschosse verbinden. "Das bedenkt kein Anbieter vorher, weil es seine Kostenrechnung zerschlägt."

Auch wenn es extra kostet, sollte man die Energieberechnung des Fertighauses von einem Energieberater überprüfen lassen, rät Reinhold-Postina, denn diese sei "fast immer irgendwie falsch" - das falle dem Bauherrn aber erst mit der ersten, teuren Nebenkostenabrechnung auf, wenn er schon mehr als ein Jahr im Haus gewohnt hat. Nachverhandeln sollte man auch, wenn der Anbieter eine Reservierungsgebühr verlangt.

Nach Baubeginn sollte man wie bei jedem Hausbau laufend die Fortschritte kontrollieren. Reinhold-Postina warnt, sich auf Informationen des Bauleiters zu verlassen, der für den Fertighaus-Anbieter arbeitet. "Die stehen nicht auf Ihrer Seite", sagt die Expertin. Vor einer Bauabnahme sollte man mit einem neutralen Sachverständigen das Haus inspizieren. "Gehen Sie gemeinsam durchs Haus - und machen Sie eine Abnahme nicht schriftlich und nicht alleine."

Sie warnt auch vor Messe-Angeboten mit Sonderpreisen. "Die haben oft kein Rücktrittsrecht", sagt Reinhold-Postina. Ein kostenfreies, zeitlich begrenztes Rücktrittsrecht schützt zum Beispiel vor Einsprüchen aus der Nachbarschaft, die ein Bauvorhaben verzögern können.