Ratgeber

Alles tun für die Sicherheit der Kinder

"Messer, Gabel, Schere, Licht sind für kleine Kinder nicht", warnte der Heimatschriftsteller Johann Lewalter schon vor einhundert Jahren. Diese Einsicht mag zwar alt sein, genauso jedoch aktuell.

Denn wenn kleine Kinder anfangen, zu krabbeln, zu laufen und auf Entdeckertour zu gehen, kann selbst die eigene Wohnung zur Gefahrenzone werden - bundesweit müssen jährlich insgesamt 1,8 Millionen bei Unfällen verletzte Kinder ärztlich behandelt werden.

Im Haushalt sind Steckdosen, Kerzen oder ein Kessel mit heißem Wasser für kleine Forscher nicht ungefährlich. Dennoch darf auch der Entdeckerdrang nicht gebremst werden. "Die Erfahrung mit der Gefährlichkeit von Dingen gehört zum Ausprobieren dazu", bestätigt Inke Ruhe von der Bundesarbeitsgemeinschaft "Mehr Sicherheit für Kinder", die als bundesweite Organisation der Verhütung von Kinderunfällen in Heim und Freizeit tätig ist. "So sollten Eltern ihr Kind beispielsweise vorsichtig in die Nähe des Backofens oder einer Kerze die Hitze spüren lassen. Dadurch kann es langsam und Schritt für Schritt den Umgang mit Gefahren erlernen."

Für eine bestmögliche Sicherheit muss das eigene Zuhause auf seine Kindertauglichkeit überprüft werden. Das beginnt bei kindersicheren Steckdosen, der festen Verankerung von Regalen und Schränken in der Wand und dem Einbau von speziellen passiven Schutzeinrichtungen für Schubladen, geht über die kindersichere Aufbewahrung von giftigen Stoffen, Medikamenten und Putzmitteln bis hin zum Einbau von Sicherungssperren vor Fenstern und Treppen sowie Schutzgittern auf Balkonen. Babies dürfen nie unbeaufsichtigt auf dem Wickeltisch liegen und nie mit Tieren alleine gelassen werden. Damit ein Garten nicht zur gefährlichen Spielwiese wird, dürfen dort keine giftigen Pflanzen wie Goldregen oder Oleander wachsen, keine Gartengeräte herumliegen und ein Gartenteich muss mit einem Gitter abgedeckt sein. Kinder haben in der Nähe vom kochenden Wasser nichts zu suchen; am Esstisch sollte ein auf Standfestigkeit getesteter Hochstuhl stehen. Greifen und ziehen macht Kids Spaß, doch bei Tischdecken und heißen Bügeleisen kann das gefährlich sein. Waschmaschine & Co. ähneln geheimnisvollen Höhlen - stets verschlossene Türen verhindern das Hineinklettern.

Weil Kinder gerne in den Mund nehmen, was sie interessiert, daran jedoch ersticken könnten, sollten Eltern darauf achten, dass sie keine kleinen Gegenstände in den Händen halten. "Auch Plastiktüten können gefährlich sein, denn Kinder ziehen sie gerne über den Kopf, dabei kann sich das Plastik leicht vor Mund und Nase legen und festsaugen", sagt Ruhe.

Für den Badespaß der Kleinen gilt: Nur unter Aufsicht der Eltern - ältere Geschwisterkinder sind keine verlässlichen Aufsichtspersonen - in die Wanne. Nicht nur der Entdeckergeist, sondern auch der Bewegungsdrang sollten nicht eingeschränkt werden. "Toben ist von großer Bedeutung für die gesamte geistige, psychische und körperliche Entwicklung. Damit wird gerade im Kleinkindalter die Basis für Unfallverhütung im späteren Lebensalter gelegt", so Ruhe.

"Die Erfahrung, gefährliche Sachen auszuprobieren oder sich anzutasten, gehört bei der Lernphase der Kids dazu"