Flexible Bauweise

Die wandlungsfähige Immobilie

Vom eigenen Haus zu träumen, fällt leicht. Das eigene Haus konkret zu planen, ist dagegen viel schwerer. Jeder Bauherr weiß genau, welche Räume er heute braucht - doch was wird die Zukunft bringen? Wie viele Kinderzimmer sind in 20 Jahren nötig? Und ist es sinnvoll, ein großes Arbeitszimmer für Heimarbeit in Reserve zu haben?

Wird vielleicht in Jahrzehnten eine zusätzliche Wohnung für alternde Eltern erforderlich oder für deren Pflegepersonal - oder Personal, das uns pflegt? Schön wäre dann ein Haus, das so konstruiert ist, dass es sich ohne großen Aufwand neuen Situationen anpassen kann. Längst arbeiten Architekten an solchen Konzepten.

Die meisten Entwürfe haben eins gemeinsam: Die Häuser lassen sich in mehrere Wohneinheiten einteilen. So können dem einen oder anderen Wohnbereich wechselnde Funktionen zugeordnet werden: Mal dient er als Büro, später als Domizil für ein Au-pair-Mädchen, bevor Jahre später das pubertierende Kind hier das erwachsene Leben übt. Und ist der Nachwuchs ausgeflogen, können Mieter einziehen.

Abkoppeln und nachrüsten

"Eingangsbereich und Treppenhaus müssen so angelegt werden, dass sie sich problemlos von den einzelnen Wohnbereichen abkoppeln lassen", erklärt die Berliner Architektin Anne Kleinlein ihr Credo: "Außerdem sollte es dort auch möglich sein, einen Aufzug nachzurüsten."

Architektin Veronika Lenze, die Autorin des Buches über solche Art "Häuser mit Zukunft": "Überall dort, wo in der Zukunft Bäder oder Küchen gewünscht sein könnten, sollten Installationen für Brauch- und Abwasser auch gleich eingebaut werden."

Beispielhaft ist ein Wohnhaus in Lichterfelde, das Anne Kleinlein konzipiert und realisiert hat. Es besteht äußerlich aus mehreren Baukörpern, die gegeneinander verschoben sind und in Höhe, Breite und Tiefe variieren. Durch das separate Treppenhaus ist es beispielsweise möglich, bis zu drei unabhängige Wohneinheiten einzurichten. Oder auch je zwei Etagen zu einer Maisonette-Wohnung zusammenzufassen. Das Erdgeschoss lässt sich als Büro mit eigenem Zugang verwenden. Möglich ist die Einrichtung kleiner Gewerbeeinheiten in jedem Geschoss, wie beispielsweise Arztpraxen.

Interessant auch ein modulares Haus des Fertighausbauers Schwörer, das der Architekt Jürgen Lohmann aus Rotenburg entworfen hat. Für eine wachsende Familie bietet es viel Platz: So kann das Gästezimmer zunächst als Kinderzimmer genutzt werden. Später lässt sich eine Galerie im Obergeschoss schließen und bietet dann beispielsweise Platz für ein zweites Kinderzimmer.

Flexible Häuser brauchen vor allem Räume, die von der Größe, ihrem Zuschnitt und der Raumqualität annähernd gleichwertig sind, sagt der Stuttgarter Architekt Achim Linhardt (siehe Infokasten). Auch versetzbare Innenwände sind wichtig.

Weitsichtig ist auch, wer als Bauherr oder als Planer schon heute an die Zeiten denkt, in denen es schwer fällt, Treppen zu steigen. Preiswerter als ein späterer Umbau ist es, bereits jetzt die Weichen für barrierefreies Wohnen zu stellen - mit einem ebenerdigen Hauseingang, mit breiten Türen und mit einem geräumigen Bad ohne Schwellen.

Späterer Umbau kostet wenig

Veronika Lenze ist überzeugt von flexiblen Häusern. Denn: "Lebenssituationen ändern sich oft unerwartet." Allerdings hat diese besondere Flexibilität auch ihren Preis. Anne Kleinlein: "Der erhöhte Planungsaufwand rechnet sich erst dann, wenn ein Haus tatsächlich geänderten Bedürfnissen angepasst werden soll. Erst dann sind Einsparungen spürbar - dann kosten Umbauten nicht mehr viel."