Die Zeit drängt

Auch Altbau-Besitzer haben Energiepflichten

Wer neu baut, muss hohe Energiestandards einhalten. Das verlangt die Energieeinsparverordnung (EnEV). Aber auch wer ein altes Haus besitzt oder kauft, muss seine Immobilie unter Umständen nachrüsten. Diese Pflichten betreffen Hausbesitzer, die ihre Immobilie erst nach 1. Februar 2002 erworben haben.

Immerhin können die meisten aufatmen: "Ältere Hausbesitzer, die seit Jahrzehnten in ihrem Haus wohnen, müssen ihre Immobilie nicht nachrüsten", beruhigt Thomas Weber, Bausachverständiger des Verbandes Privater Bauherren (VPB): "Sie alle werden nicht zu Investitionen gezwungen und sollten sich auch keine aufdrängen lassen - etwa von geschäftstüchtigen Dämmstoffverkäufern an der Haustür."

Die in der Energieeinsparverordnung von 2009 geregelten Nachrüstpflichten betreffen alle Immobilienbesitzer, die ihren Altbau nach dem 1. Februar 2002 übernommen haben - und ihn auch selbst bewohnen. Sie müssen spätestens zwei Jahre nach Einzug alle zugänglichen Warmwasserleitungen und die dazugehörigen Armaturen dämmen. "Das ist eine sinnvolle und auch finanziell überschaubare Maßnahme. Geschickte Heimwerker können das selbst erledigen, sofern sie die vorgeschriebenen Bauelemente dazu verwenden", erläutert Weber.

Etwas komplexer ist die zweite Nachrüstpflicht. Sie betrifft auch die Althauskäufer, die ihre Immobilie erst in den vergangenen neun Jahren übernommen haben. In jedem Fall müssen sie bis Ende 2011 die jeweils obersten Geschossdecken dämmen. "Damit meint der Gesetzgeber die Decke, die beheizten von unbeheiztem Raum trennt. Normalerweise sind das die Decken zwischen dem bewohnten Obergeschoss und dem nicht ausgebauten Speicher", konkretisiert der Bausachverständige: "Die neue Dämmung darf einen bestimmten Wärmedurchgangskoeffizienten nicht überschreiten." Hausbesitzer und Heimwerker sollten sich unbedingt bei einem Fachmann rückversichern, damit sie ausreichend dämmen. "Sie haften nämlich für die Einhaltung der EnEV-Vorschriften."

Erneuert werden müssen bis Dezember auch alle alten Heizungen, die vor Oktober 1978 eingebaut wurden. "Die Heizungssanierung schlägt zwar teuer zu Buche, ist aber eine lohnende Sanierung, denn die Heizungstechnik hat seit 1978 enorme Fortschritte gemacht", gibt der Bauherrenberater zu bedenken.

Die Vorgaben der Energieeinsparung beachten müssen auch alle Altbaubesitzer, die ihre Immobilie umfassend sanieren oder umbauen möchten. "Hausbesitzer sollten sich dabei beraten lassen", empfiehlt Weber, "denn sie müssen nicht nur die Vorschriften umsetzen, sondern dies auch jederzeit den Behörden gegenüber belegen können".

Dabei helfen sogenannte Unternehmererklärungen, in denen die ausführende Baufirma die Gesetzmäßigkeit von Sanierung und Umbau bescheinigt. "Leider wissen viele Unternehmen aber noch gar nicht, dass sie zur Ausfertigung dieser Erklärungen verpflichtet sind", räumt Weber ein.

Sein Verband rät deshalb, schon vor den Arbeiten einen unabhängigen Sachverständigen hinzuzuziehen, der alle vorgeschriebenen Planungs- und Ausführungsschritte überwacht. "Dafür gibt der Staat sogar Geld. Hausbesitzer, die die Sanierung ihrer Immobilie vom qualifizierten Bausachverständigen begleiten lassen, bekommen bis zu 2000 Euro hinzu."