Pflanzen

Grüne Tipps für den Balkon

Wer keinen Garten oder nur ein kleines Fleckchen Grün hat, der muss auf Gurken, Tomaten, Bohnen und Erdbeeren aus eigener Ernte nicht verzichten. Die Köstlichkeiten wachsen auch in Balkonkästen und Ampeln auf dem Balkon. Manche Sorten gedeihen dort noch besser als im Freiland.

Die Aufzucht von Gemüse und Obst im Kübel ist auch für Gartenbesitzer nicht ungewöhnlich und wird seit langem kultiviert: Bereits der Kurfürstlich-Sächsische Hofgärtner Johann Heinrich Seidel pflegte im 18. Jahrhundert "Obst-Orangerien". Der Adel wollte auf die Köstlichkeiten zu keiner Jahreszeit verzichten und vor allem den Genuss haben, reifes Obst an der gedeckten Tafel direkt vom Baum zu pflücken.

So wurden Zwergformen herangezogen. Wenn die Früchte reif waren, stellte man die feinen Keramiktöpfe direkt auf die Tafel. "Wer heute Obst oder Gemüse auf dem Balkon anbaut, hat vor allem Freude am Beobachten und eigenen Ernten", sagt Marianne Scheu-Helgert (Bayerische Gartenakademie Veitshöchheim).

Vorsicht, Mittagshitze!

Nutzpflanzen im Topf brauchen gute Standortbedingungen. "Die Pflanzen benötigen möglichst viel Licht, damit sie große, zarte und schmackhafte Früchte bilden können", sagt Scheu-Helgert. Bis zu sechs Stunden Sonnenlicht seien wichtig. Die Landschaftsgärtnerin und Buchautorin Ursula Barth rät allerdings davon ab, die Pflanzen auf einem sonnenverwöhnten Südbalkon ungeschützt stehen zu lassen. Sie würden in der Mittagshitze unter Trockenheit leiden.

Dort sollten die Gefäße daher mit Bastmatten oder von anderen Gefäßen beschatten werden. "Zugige Standorte sind zu meiden, weil Zugluft die Entwicklung der Pflanzen hemmt und Schädlinge wie Läuse leicht übertragen werden", ergänzt Barth. Außerdem kippen die Pflanzen leichter um.

Neben Licht gehören Wasser und Nährstoffe zu den wichtigen Wachstumsfaktoren. "Hochwertige Substrate speichern viel Wasser und Nährstoffe", sagt Scheu-Helgert: "Und gleichzeitig sollte auch Luft an die Wurzeln kommen." Daher muss das Substrat ein ausgewogenes Verhältnis von Feinanteilen zu grobfaserigen Teilen enthalten. "Eine hochwertige, fertig gemischte Balkonerde verspricht einen guten Ertrag für Gemüse, Salate und Kräuter", sagt Barth.

Da sich Pflanzen auf dem Balkon nicht selber versorgen können, muss man sie oft gießen und ihnen große Töpfe geben, in denen viel Wasser gespeichert wird. Barth rät von unglasierten Tontöpfen ab, die viel Wasser verdunsten lassen. "Dunkle Töpfe heizen sich stark auf, so dass die Wurzeln beschädigt werden."

Weiter empfiehlt sie, immer morgens oder vormittags zu gießen, da dann das Wasser direkt verwertet werde. Gießt man abends, blieben die Pflanzen feucht - und es könnten sich Pilzkrankheiten ausbreiten.

Tomaten und Paprika eignen sich zum Anbau in Kasten und Topf, erläutert Agrarwissenschaftlerin Brunhilde Bross-Burkhardt. "Auf einem überdachten Balkon wachsen sie sogar besser und gesünder als im Freiland, wenn sie gut mit Wasser und Nährstoffen versorgt sind."

Obstgehölze erfordern mehr Pflege als Gemüse, denn sie müssen durch den Winter gebracht werden. "Wer Kübel nicht in der Erde vergraben kann, stellt den Topf an geschützte Hauswände und beugt mit Hilfe von Noppenfolie und Vlies an den Wurzelballen Temperaturschwankungen vor", rät Scheu-Helgert.