Angebote im Internet

Günstige Handwerker online suchen

Decke streichen, Wände verputzen, Rohre reinigen - wer Handwerker sucht, wird im Internet schnell fündig. Auf diversen Portalen wie My-hammer.de, Quotatis.de, Blauarbeit.de, Work5.de oder Jobdoo.de stellen Handwerker aller Fachrichtungen ihre Arbeit zu Verfügung. Auch in Berlin machen sie gute Geschäfte.

Zuerst einmal ist das Modell den bekannten "Gelben Seiten" ähnlich: Man präsentiert sein Unternehmen - und geht beim Online-Angebot dann aber noch einen Schritt weiter als die farbigen Blätter des Telefonbuchs. Bei Handwerker-Auktionen bieten sie ihre Dienste dem Kunden direkt an. Wer das beste Angebot, sei es preislich oder fachlich abgibt, der bekommt vom Kunden den Zuschlag.

Auf einem der größten Portale, My-hammer.de, bieten in ganz Deutschland rund 290 000 Handwerker und Dienstleister ihre Arbeit an. Das vor sechs Jahren gestartete Portal hat nach eigenen Angaben 1,7 Millionen registrierte Nutzer.

Das Prinzip ist einfach: Der Auftraggeber gibt den Auftrag, den er vergeben möchte, in die entsprechende Eingabemaske ein, definiert einen Maximalpreis und lädt ergänzende Dokumente wie Fotos hoch. Anschließend können die Dienstleister ihre Gebote abgeben. Danach kann der Auftraggeber entscheiden, welchen Handwerker er auswählen möchte. Er kann, muss aber nicht den günstigsten auswählen.

Die Zahl der neu eingestellten Ausschreibungen liegt nach Angabe des Unternehmens bei 60 000 pro Monat.

Doppelt so viele Aufträge

Einer der Handwerksbetriebe, der seit geraumer Zeit bei Auktionen im Internet mitbietet und dabei besonders auf Angebote aus Berlin schaut, ist das Unternehmen Sonnenhandwerker aus Fürstenwalde. "Wir werden in diesem Jahr mehr als 17 000 Anfragen über Internetportale bearbeiten. Im vergangenen Jahr waren es noch 9500", sagt Geschäftsführer René Pötzsch.

Um der hohen Nachfrage gerecht zu werden, sah sich der Ingenieur sogar gezwungen, eine neue Software installieren zu lassen. "Der Internetkunde fragt in einem schnellen Medium nach und erwartet eine sofortige Antwort", erklärt Pötzsch. Die meisten Auktionen laufen nur 24 bis 48 Stunden. Da heißt es: "Schnell sein!" Auf Kollegen, die den Trend verpassen, sieht er schwierige Zeiten zukommen. "Viele Betriebe verstehen diese Portale noch nicht als Vertriebsinstrument der Zukunft - sie werden sich aber, um weiter genug Kunden zu bekommen, darauf einlassen müssen", sagt er überzeugt und rechnet damit, seine Arbeit bald auch bei Handwerker-Auktionen übers Handy und iPad anbieten zu können.

Wie man einen geeigneten Handwerker übers Netz findet, weiß hingegen Anja G. aus Berlin. Die 35-Jährige hat schon etliche Aufträge über Internetauktionen per Portal My-hammer.de vergeben und ist zufrieden. "Die Plattform funktioniert gut. Organisatorisch hat alles fast immer gut geklappt", sagt sie.

Seit drei Jahren sucht sie für jegliche handwerkliche Arbeit stets Handwerker übers Netz. "Ob tapezieren, streichen oder Dielen abstreifen - bei meiner Renovierung habe ich oft Aufträge an Handwerker übers Internet vergeben", erzählt sie. Alle hätten sich an den ausgehandelten Preis gehalten und die abgesprochene Arbeit auch gut erledigt.

Nur einmal hat sie schlechte Erfahrungen gemacht. "Einen Handwerker habe ich entgegen meiner Art nicht vorab nochmals persönlich kontaktiert und musste später feststellen, dass er gar kein Fachmann war und auch schlecht gearbeitet hat", sagt sie und betont: "Wer auch immer von mir den Zuschlag bekommt, wird unabhängig davon nochmals persönlich kontaktiert. Erst dann bin ich mir sicher, dass alles klappt."

Dazu rät auch Jens Oenicke, Pressesprecher bei Quotatis.de. "Es ist wichtig, den Auftrag genau zu beschreiben und Handwerkern auch bei Rückfragen zur Verfügung zu stehen. Auch sollte man den Dienstleister nach Referenzen auswählen", sagt er. Hilfreich seien dabei die einzelnen Bewertungen der Betriebe auf den jeweiligen Portalen.

Sein Kollege Niels Genzmer von My-hammer.de ergänzt: "Im Zweifel sollte man bei der örtlichen Handwerkskammer nachfragen." Und damit die Arbeit ohne Probleme klappt, gibt er den Kunden noch einige Tipps auf den Weg: "Lassen Sie den Handwerker nicht unbeaufsichtigt und nehmen Sie die durchgeführte Leistung persönlich ab."

Geld immer überweisen

Auch sollte die Bezahlung immer per Überweisung und nur gegen Rechnung erfolgen. In der sollten die Kosten für Arbeitsleistung und Material getrennt aufgeführt werden - denn das ist wichtig, will der Auftraggeber die online vermittelte Arbeit als "haushaltsnahe Dienstleistung" zu 20 Prozent der Lohnkosten vom Finanzamt und von seiner gezahlten Lohn- oder Einkommensteuer ersetzt bekommen.

Wenn es dennoch einmal Probleme gibt, sollten Kunden ihrem Ärger Luft machen und dem schlechten Handwerker auf der zugehörigen Plattform eine negative Bewertung ausstellen. Auf diesem Wege werden weitere Kunden gewarnt - und der Handwerker selbst, dass er eine bessere Leistung abliefern muss. Solche Beschwerden nehmen alle Portale wichtig und reagieren darauf bis hin zum Aufschluss aus dem jeweiligen Angebot.

Hilfe gibt es auch bei der Handwerkskammer Berlin. Hier können unzufriedene Kunden eine Schlichtungsstelle anrufen, bevor Streit eskaliert und man sich vor Gericht wiederfindet. Um Probleme zu vermeiden, warnt Handelskammer-Sprecher Wolfgang Rink vor Schnellschüssen: "Es ist wichtig, dass das Angebot des Kunden präzise formuliert ist, da die meisten Streitigkeiten letztendlich Missverständnisse sind", sagt er und gibt einen weiteren wichtigen Hinweis: "Die Kunden sollten nicht nur nach dem günstigsten Preis entscheiden und auch die Anfahrtskosten bedenken. Denn wer in Spandau lebt und einen Handwerker aus Köpenick anfahren lässt, zahlt womöglich mehr, als wenn er ein etwas teureres Angebot in seiner Nähe gewählt hätte."

Zusammengenommen verzeichnet die Handwerkskammer Berlin jedoch immer weniger Streitigkeiten zwischen Handwerkern und Kunden. "Das spricht für die Qualität der Portale", lobt Wolfgang Rink.