Homestaging

Hübsche Möbel statt leergeräumte Wohnung

"Das Auge isst mit", wissen Köche und Marketing-Experten. Eine schöne Verpackung regt eher zum Kauf ein, dekorativ hergerichtete Speisen schmecken besser. Also: Wenn ich jemanden etwas verkaufen möchte, sollte ich es hübsch verpacken. Und so wie der alte Gebrauchtwagen dann wieder eine Waschstraße sieht, gibt es auch Profis für Wohnung, Haus oder Büro?

Homestaging heißen diese Profession, die die geliebten "vier Wände" schnell ins rechte Licht rückt.

Homestaging ist nichts anderes als "knallhartes Marketing", sagt Judith Daumann: "Man muss sehen, dass der Kunde sein Haus geliebt hat, bevor er es verkaufen wollte - dann wollen es auch andere haben."

Die Marketing-Fachfrau hat Homestaging zusammen mit ihrer Kollegin und Designerin Britta Möglin ( www.homestaging-berlin.com ) vor fünf Jahren nach Berlin gebracht. In den USA und Skandinavien ist es seit über 30 Jahren gängige Praxis, und mittlerweile wachsen auch hierzulande Angebot und Nachfrage.

Sei es die völlig verwohnte Wohnung der Oma, die zum Verkauf steht oder der schicke Neubau, der angepriesen werden soll. "Unsere Kunden sind Leute, die privat eine Immobilie verkaufen oder vermieten möchten. Und Makler, die ein Objekt schneller an den Mann bringen wollen, aber auch Baufirmen, die Musterhäuser präsentieren", erklärt Daumann: "Wir freuen uns immer, wenn es mit dem Verkauf geklappt hat - vor allem schnell und gewinnbringend", sagt sie und schildert ein Beispiel: "Wir haben ein Haus im Berliner Süden hergerichtet. Es stand ein Jahr lang zum Verkauf. Nach dem Homestaging war es dann in sechs Wochen weg vom Markt."

Zauberwort Visualisierung

Nach langer Erfahrung als Maklerin weiß auch Christina Wellhausen ( www.wellhausen-homestaging.de ), "was der Kunde möchte". Seit Ende 2010 ist sie als Homestagerin tätig. Gerade hat sie eine Eigentumswohnung für eine Kundin in Waidmannslust hergerichtet. "Die stand vier Monate zum Verlauf, ohne einen einzigen Interessenten. Seit Februar ist sie neugestaltet wieder im Angebot. Mittlerweile hatten wir sechs Anfragen und vier Besichtigungen", sagt Wellhausen.

Das freut insbesondere ihre Kundin, Sabine Rath-Lehmann: "Die Wohnung war ganz leer. Jetzt steht wieder ein Bett drin, eine Couch und ein Esstisch. Auch das Bad ist wieder schön. Die Interessenten können sich jetzt mehr darunter vorstellen. Vorher wollte mir keiner glauben, dass in das kleine Schlafzimmer wirklich ein Bett hineinpasst. Jetzt kann man es sehen", sagt die Sekretärin und ist guter Hoffnung, ihre Wohnung bald an den Mann oder die Frau zu bringen. Das hofft auch Christina Wellhausen: "Studien besagen, dass nur 20 Prozent der Menschen ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen haben. Homestaging ist insofern eine Visualisierungshilfe".

Visualisierung ist das Zauberwort in der Branche. "Wenn ich in einen Raum komme, weiß ich gleich, was zu tun ist", erklärt Tereza Nesemann ( www.berlin-homestaging.com ). Die Architektin hat bereits Drehorte für Filme und Werbung ausgestattet. Mit ihrem Kamerablick scannt sie nun Immobilien und verleiht ihnen den richtigen Schliff. "Indem ich einen Raum einrichte, gebe ich potenziellen Käufern eine Vorstellung davon, wie man ihn nutzen kann, was alles möglich ist - und vereinfache so manche Kaufentscheidung", erklärt sie.

Die Zahlen sprechen für sich. Für Studien in Deutschland sei es zwar noch zu früh. "Statistiken aus den USA zeigen jedoch, dass Homestaging den Verkaufspreis im Schnitt um 15 Prozent erhöht und die Immobilien sich doppelt so schnell verkaufen", erklärt sie.

Eine Investition, die sich für Käufer wie Verkäufer lohnt - eine Win-Win-Situation für beide. Der eine muss nicht lange suchen, der andere nicht lange warten. Darüber hinaus ist der Service auch für kleinere Geldbeutel zu haben. Denn viele Homestager bieten ihren Dienst gestaffelt in verschieden Paketen an, von wenigen Hundert Euro bis hin zu drei Prozent des Verkaufspreises.

Tereza Nesemann. "Wenn der Kunde einen Besichtigungstermin hat und schnell Hilfe braucht, komme ich gern vorbei. Für rund acht Stunden ,stagen' wir die Immobilie, damit sie sich so attraktiv wie möglich zeigt. Das alles ab 500 Euro."

Ihr wichtigster Tipp für jedermann: "Schaffen Sie Klarheit und Offenheit und räumen Sie persönliche Dinge weg, damit der potenzielle Käufer nicht das Gefühl hat, Eindringling in einer fremden Privatsphäre zu sein."

"Man muss sehen, dass der Kunde sein Haus geliebt hat"

Judith Daumann, Homestaging-Expertin