Schallschutz

So wird es in jeder Wohnung ruhiger

Zu den wichtigsten Funktionen der heimischen vier Wände gehört, dass man hier zur Ruhe kommt. Allerdings müssen auch die baulichen Voraussetzungen gegeben sein, damit man sich ungestört entspannen kann. Schallschutz ist wichtiger denn je, rät Wohnexpertin Ingrid Lechner.

Verfolgen uns Straßen- oder Fluglärm bis in die Wohnung, so kann das im schlimmsten Fall Folgen für die Gesundheit haben. Lärmbedingte Schlafstörungen erhöhen das Risiko von Allergien, Bluthochdruck, Migräne und Herz-Kreislauf-Erkrankungen um etwa 50 Prozent.

Wer einen Neubau plant, sollte den Schallschutz berücksichtigen, empfiehlt die Expertin der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Dann halten sich auch die Mehrkosten im Rahmen - nachträgliche Schallschutzmaßnahmen sind wesentlich aufwendiger.

Lärmschutzplanung fängt beim Grundstück an. Wie stark sind die umliegenden Straßen befahren? Vorsicht, wenn Bahngleise in der Nähe liegen: Wo tagsüber nur kaum ein Regionalzug fährt, rattern vielleicht nachts im Stundenrhythmus Güterzüge.

Die Lärmempfindlichkeit ist individuell verschieden, das sollte berücksichtigt werden. Ein schlauer Grundriss des Neubaus kehrt dem Lärm den Rücken, indem Wohn- und Schlafräume von der Straße abgewandt geplant werden. Wer es gern ruhig mag, für den sind offene Grundrisse, etwa mit Wohngalerien und offenen Treppen ungeeignet.

Wände dämmen unterschiedlich gut. Eine Betonwand etwa hält mehr Lärm ab als eine gleich dicke Wand aus Kalksandstein. Unter Akustik- und Schallschutzfachleuten gilt deshalb die Faustformel: Nicht Stärke, sondern Masse bietet Schutz: Je schwerer eine Wand, desto besser.

Bei Reihenhäusern und Doppelhaushälften sollte das Hauptaugenmerk darauf liegen, dass die Wand zum Nachbarn zweischalig ist. Das bedeutet, dass jedes Haus seine eigene Wand besitzt und der Zwischenraum mit Mineralfasern gefüllt wird. Der bauliche Aufwand ist gering, die schalldämmende Wirkung groß.

Schutz nach Lärmklassen

In der Regel sind es vor allem die Fenster, durch die der Lärm von außen eindringt. Abhilfe schaffen Schallschutzfenster. Die gibt es in sechs Klassen. Ist die Lärmbelastung gering, ist Klasse 1 ausreichend. An stark befahrenen Straßen oder in Einflugschneisen von Flughäfen ist dagegen die höchste Schallschutzklasse 6 zu empfehlen, die den Schallpegel um 50 Dezibel absenkt. Zu dieser Zahl muss man wissen: Bei einem hohen Lärmpegel nimmt das menschliche Ohr bereits eine Verringerung um zehn Dezibel als Lärmhalbierung wahr. Leisere Geräusche hingegen empfinden wir bereits bei einer Absenkung um ganze drei Dezibel als nur noch halb so laut.

Egal, wie gut das Fenster ist - nur geschlossen schützt es. Wer weder auf Frischluft noch auf ruhigen Schlaf verzichten will, sollte eine schallgedämmte Lüftung einbauen lassen. Wer sich nur nachts durch Lärm von außen gestört fühlt, dem reicht womöglich die - im Vergleich zu Schallschutzfenstern eher geringe - Wirkung von Rollläden. Je weiter der Abstand zwischen Rollladen und Fenster, desto besser die Schalldämmung - fünf Zentimeter "Luft" sollte man einplanen.

Auch im Haus selbst ist Schallschutz ein Thema. Wenn die Kinder im Obergeschoss herumtoben, haben sich auch die verständnisvollsten Eltern schon nach mehr Schalldämmung für Decken und Böden gesehnt. Seine Nerven schont, wer beim Neubau beachtet, dass der Estrich "schwimmend verlegt" wird: auf einer Dämmschicht liegend und ohne feste Verbindung zur Wand. Das verhindert, dass sich der Schall weiter ausbreitet.

Unter Laminat können auch schalldämmende Schaumstoffplatten verlegt werden. Auch die Art des Fußbodenbelags spielt eine Rolle: Je weicher das Material, desto besser dämmt es. So sind Korkböden leiser als Parkett, aber längst nicht so "verschwiegen" wie Teppichböden.

Im Altbau können Schüttungen aus Mineralstoffen, die in Zwischenräume einer Holzbalkendecke eingebracht werden, helfen. Diese Methode hat aber Grenzen, denn Schall wird auch mittels Konstruktion übertragen.

Bei allem Ruhebedürfnis ist es aber nicht ratsam, Räume vollständig akustisch abzuriegeln. Vollkommene Stille kann auch Unbehagen auslösen, zumal einzelne Geräusch in die Stille hinein - etwa von Heizungen, Lüftungen oder dem Doppelhausnachbarn - dann umso (ver)störender wirken können.