Narzissen

Farbenfrohe Osterboten

Ostern ohne Narzissen - das ist für viele Pflanzenfreunde undenkbar. Die strahlend gelben oder weißen Blumen gehören einfach dazu. Sie verbreiten gute Frühlingsstimmung. Aber es steckt mehr hinter den Frühlingsboten, als der erste Blick vermuten lässt.

Seit Jahrhunderten ranken sich Mythen um die Zwiebelblume, die an ihren Lebensrhythmus und Wuchs anknüpfen und die Gefühle ihrer Betrachter widerspiegeln.

Auferstehung feiert das Christentum mit den Osterglocken - ein anderer Name für dieselbe Pflanze. Wenn ihre Knospen nach der Winterkälte aufbrechen, gilt sie als Überwinderin der Dunkelheit und des Todes. In dieser Rolle reiht sie sich seit dem Mittelalter ein in die Schar der Marienblumen.

Nach wenigen Monaten zieht sie ein, schlummert in der Erde und wartet auf das nächste Frühjahr, um erneut den Kreislauf des Blühens, Fruchtens und Absterbens zu vollziehen. Die Osterglocke wurde so zum Symbol des ewigen Lebens.

Geheime Medizinkräfte

Aber man wusste früher auch um die geheimen Kräfte der Narzissen. Als Brechmittel war sie in Gebrauch, denn sie enthält in all ihren Teilen Alkaloide, die Übelkeit hervorrufen. Aber auch negative Kraft hat sie: Für die Narzissen-Dermatitis, die vor allem Floristen plagt, sind Oxalatnadeln im Schleim verantwortlich.

Keine medizinische Wirkung besitzt dagegen der Duft, auch wenn er bei Tazette und Dichternarzisse betäubend - auf griechisch "narke" - sein kann. Die Begriffe "Narkotisieren" und "Narkose" verbinden sich eng mit der Narzisse.

Den Griechen verdankt die Narzisse aber nicht nur ihren Namen. Sie erfanden auch Mythen rund um ihr Wachsen und Vergehen. Sie glaubten, Hades, der Gott der Unterwelt, wollte eine Göttin in die Unterwelt locken und ließ zu Persephones Füßen, der Tochter von Demeter, auf einer Wiese die schönste Narzisse mit 100 Blütenköpfen auf dem Stängel aufblühen. Als sie danach greifen wollte, brach die Erde auf. Hades zog sie in seine goldene Kutsche und verschwand mit ihr. Demeter, alle Pflanzen und Tiere trauerten und stellten ihr Wachstum ein. Erst als Göttervater Zeus eingriff, durfte Persephone die eine Hälfte des Jahres auf der Erde, die andere unter der Erde leben - wie die Narzisse.

Seither hält sie alljährlich im Frühjahr Einzug in die oberirdische Welt und bleibt, bis der Winter sie wieder hinunter schickt.

Die Fantasie der Griechen bewegte auch die Haltung der Narzissen: Straff aufrecht stehen sie im Beet. Mit goldenem Trompetchen auf gelbem Grund oder mit rotem Auge vor weißer Blütenkrone blicken sie selbstbewusst umher, als wollten sie sagen: "Schaut her, wie schön ich bin" - wie man es einst dem Sagen-Jüngling Narziss nachsagte, der sich so gern selbst als Schönsten und sonst niemand sah.

Narzissen sind anspruchslose Pflanzen - nur Staunässe vertragen sie nicht. Deshalb sollte ein Topf, wenn sie im Pflanzgefäß gezogen wird, Löcher am Boden haben, so dass Regen- oder Gießwasser abfließen kann. Darauf weist das Informationsbüro Zwiebelblumen in Düsseldorf hin. Wenn sich Wasser im Gefäß staut, faulen die Zwiebeln. Falls also kein Abzugsloch für überschüssiges Wasser vorhanden ist, darf nur vorsichtig gegossen werden, und das Gefäß sollte unter einem vor Regen schützenden Dach stehen.

Gepflanzt werden sollten Zwiebelblumen wie die Narzisse im August. Dabei kommen die Zwiebeln mit der Spitze nach oben in eine gelockerte Gartenerde, doppelt so tief im Boden, wie sie selbst hoch sind. Anschließend wird noch etwas gegossen. Danach brauchen Hobbygärtner nur noch Geduld - um erst im Frühjahr zu sehen, wie sich die Triebe aus der Erde schieben.